Hepatologie im Aufbruch: Aktuelle Erkenntnisse verändern die Therapie chronischer Lebererkrankungen
Chronische Lebererkrankungen: Moderne Therapiekonzepte verändern die Behandlungslandschaft
Das Management chronischer Lebererkrankungen wird sich in absehbarer Zeit nachhaltig verändern. Insbesondere bei autoimmunen und cholestatischen Lebererkrankungen eröffnen moderne diagnostische Verfahren und innovative Therapieoptionen neue Perspektiven für Patient*innen. Einen Rückblick auf die Highlights aus Klinik und Forschung im Jahr 2025 sowie einen Ausblick auf die Entwicklungen zu hepatologischen Erkrankungen bot der 20. Kursus der klinischen Hepatologie, ausgerichtet von der Dr. Falk Pharma GmbH – Scientific & Educational Excellence Partner of Falk Foundation e.V. vom 28.–29. November 2025 in Hamburg.
Zu den immunvermittelten cholestatischen Lebererkrankungen zählt die primär biliäre Cholangitis (PBC). Die leitliniengerechte Therapie der PBC beginnt in der Erstlinie mit Ursodesoxycholsäure (UDCA). Prof. Dr. Christoph Schramm, Hamburg, stellte die Ergebnisse einer internationalen Kohortenstudie [1] mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,8 Jahren vor. Es zeigte sich, dass UDCA mit einem reduzierten Risiko für lebertransplantationsfreies Überleben assoziiert war – unabhängig vom Krankheitsstadium und dem beobachteten biochemischen Ansprechen. Bei unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit auf UDCA können in der Zweitlinie die neuen Peroxisom-Proliferator-aktivierter-Rezeptor(PPAR)-Agonisten zum Einsatz kommen, die in dieser Indikation inzwischen bedingt zugelassen sind [2].
Primär sklerosierende Cholangitis – keine zugelassene Pharmakotherapie
Die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) ist ein Krankheitsbild, bei dem es bis heute keine zugelassene Therapie gibt. Rezidivierende oder chronisch erhöhte Cholestaseparameter, insbesondere bei fehlenden Anhaltspunkten für andere Differenzialdiagnosen, legen den Verdacht auf eine PSC nahe. Dann ist eine Magnetresonanztomografie (MRT) inklusive Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie (MRCP) die Diagnostik der ersten Wahl. Die wirksamste Behandlung der PSC besteht derzeit in der Lebertransplantation. Prof. Schramm präsentierte erste Ergebnisse der randomisiert, doppelblinden, placebokontrollierten NUC-5-Studie, die kürzlich auf dem EASL-Kongress 2025 in Amsterdam vorgestellt wurde. Sie zeigen die Überlegenheit eines anticholestatischen Wirkstoffs gegenüber Placebo. Die Zulassung für den untersuchten Wirkstoff ist beantragt.
Immundysfunktionen bei Lebererkrankungen
Die Entzündung spielt eine Rolle bei fast jeder chronischen Lebererkrankung, konstatierte Dr. Moritz Peiseler, Berlin. Die Leber ist ein zentrales Immunorgan und Lebererkrankungen führen zu vielfältigen Veränderungen im Immunsystem. Klinisch führen diese Vorgänge zu einem erhöhten Risiko für Infektionen. Etwa ein Drittel der Patient*innen mit Leberzirrhose weisen bei stationärer Aufnahme oder im Verlauf einer Hospitalisierung eine bakterielle Infektion auf [3]. Zudem ist die Mortalität aufgrund von Infektionen bei Leberzirrhose viermal höher als bei Patient*innen ohne Lebererkrankung [4]. Bakterielle Infektionen erhöhen das Risiko einer Dekompensation der Leberzirrhose und sind der bedeutendste Trigger für ein akut-auf-chronisches Leberversagen [5]. Dabei kann die dekompensierte Leberzirrhose als inflammatorisch getriggerte Multisystemerkrankung angesehen werden.
Rheumatologie und Hepatologie: Überlappende Krankheitsmechanismen
Neue Erkenntnisse über die engen Verbindungen zwischen immunvermittelten rheumatologischen Erkrankungen und autoimmunen Lebererkrankungen erläuterte Prof. Martina Müller-Schilling, Regensburg. Denn sowohl epidemiologische, genetische als auch immunologische Überschneidungen deuten auf gemeinsame pathogenetische Mechanismen hin. Primäre Lebererkrankungen wie die Autoimmunhepatitis oder Hämochromatose zeigen häufig rheumatologische Manifestationen – etwa Gelenkschmerzen [2]. Zu den Hepatopathien besteht eine relevante Schnittmenge: So sind Erkrankungen wie die PBC beispielsweise mit Sjögren-Syndrom oder systemischem Lupus erythematodes assoziiert. Bei Spondyloarthritiden gibt es eine Verbindung über chronisch entzündliche Darmerkrankungen zu PSC.
Eine Barriere-Dysfunktion scheint die Leberzirrhose, die rheumatoide Arthritis und Spondyloarthritiden zu verbinden: Bei der Arthritis sind Zell-Zell-Kontakte ähnlich wie bei der Leberzirrhose gestört, sodass schädliche, bakterielle Metabolite entzündliche Prozesse triggern und das Immunsystem beeinflussen [6–8]. Rheumatologische Krankheitsbilder können zudem mit erhöhten Leberwerten einhergehen, selbst wenn keine parenchymatöse Schädigung vorliegt.
Prof. Müller-Schilling machte darauf aufmerksam, dass Wirkstoffe zur Behandlung rheumatologischer Erkrankungen ein lebertoxisches Potenzial besitzen und medikamenteninduzierte Leberschäden verursachen können. Darüber hinaus bergen viele antirheumatische Medikamente ein relevantes Risiko für eine Hepatitis-B-Virus(HBV)-Reaktivierung, was ein strukturiertes Risiko-Assessment und konsequentes Screening bei betroffenen Patient*innen zwingend erforderlich macht.
Literatur
- Harms MH, et al. J Hepatol 2019;71:357
- S3-Leitlinie „Seltene Lebererkrankungen (LeiSe LebEr) – Autoimmune Lebererkrankungen von der Pädiatrie bis zum Erwachsenenalter“– Update Living guideline Oktober 2025 Version 3.0; AWMF-Registernr. 021 - 027
- Fernández J et al. Hepatology 2012;55(5):1551
- Arvanti V et al. Gastroenterology 2010 Oct;139(4):1246
- Trebicka J et al. J Hepatol. 2021 May;74(5):1097
- Costa D et al. Nat Rev Gastroenterol Hepatol 2025 Dec;22(12):846
- Artru F et al. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2024 Jun;9(6):564-576
- Haderer M et al. Gut. 2022 Mar;71(3):580-592
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