Verleihung des Wolfgang-Gerok-Preises 2024
XX. Gastroenterologie-Seminarwoche Titisee
Wolfgang-Gerok-Preis für wegweisende Arbeiten zur Zöliakie
Titisee, 25.2.2024. Im Rahmen der XX. Gastroenterologie-Seminarwoche Titisee wurde der von der Falk Foundation e.V. gestiftete Wolfgang- Gerok-Preis vergeben. Die Auszeichnung für besondere Forschungsverdienste erhielt in diesem Jahr Prof. Dr. Detlef Schuppan für seine translationale Forschungsleistung, die von der Identifizierung eines Autoantigens bis zur erfolgreichen Etablierung einer neuen medikamentösen Therapie der Zöliakie geführt hat.
Prof. Dr. Detlef Schuppan, Direktor des Instituts für Translationale Immunologie Mainz, ist Biochemiker sowie Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Seine klinisch-wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Aufklärung der zellulären und molekularen Mechanismen chronisch-entzündlicher Erkrankungen, insbesondere der Translation dieser Erkenntnisse in die klinische Praxis.
Transglutaminase 2: vom Autoantigen zum Therapieansatz
Prof. Schuppan war 1997 wesentlich an der Identifizierung der Gewebe- Transglutaminase 2 (TG2) als Autoantigen der Zöliakie beteiligt [1]. Dies führte zu einem Paradigmenwechsel in der Zöliakieforschung und ebnete erstmals den Weg für eine gesicherte Diagnostik der Erkrankung mittels Enzyme-Linked- Immunosorbent Assay (ELISA) [2]. Die körpereigene TG2 erzeugt nach Abbau von Gluten immunogene Glutenpeptide, was durch Aktivierung von T-Zellen zur Schädigung der Dünndarm-Mukosa beiträgt. Prof. Schuppan trieb in den Folgejahren die Entwicklung eines Inhibitors der körpereigenen TG2 mit voran. In einer 2021 publizierten Proof-of-Concept-Studie konnte er schließlich zeigen, dass der TG2-Inhibitor während einer sechswöchigen Glutenaufnahme die Dünndarm-Mukosa schützen und Zöliakie-Symptome reduzieren kann [3].
„Prof. Gerok war immer an translationaler Forschung interessiert. Daher fiel der Name von Prof. Schuppan sehr schnell und das Votum des Preis-Komitees war einstimmig. Denn was uns besonders beeindruck hat, war der lange Weg von der Entdeckung des Autoantigens im Labor bis zur Umsetzung in die klinische Praxis. Das ist genau das, was bestmögliche translationale Forschung ausmacht“, so Prof. Dr. Robert Thimme, Freiburg, in seiner Laudatio. Im Festvortrag ging Prof. Schuppan auf die Erstbeschreibung der Zöliakie als Erkrankung über die Erkenntnisse zur Pathophysiologie bis zur daraus folgenden Entwicklung der glutenfreien Diät ein. Nach der ausführlichen Schilderung der Identifizierung der TG2 und der Entwicklung des Zöliakie-ELISA beschrieb Prof. Schuppan die Motivation für die weitere Forschung: „Gluten kann nicht immer vermieden werden und schon kleinste Mengen können Schäden verursachen. Zudem ist die gefühlte Lebensqualität bei glutenfreier Diät oft sehr eingeschränkt und 30-40% der Patientinnen und Patienten haben trotz glutenfreier Diät noch Beschwerden. Daher wird eine medikamentöse Stand-by-Therapie für die Zöliakie benötigt.“
Wolfgang-Gerok-Preis seit 2022 vergeben
Vor zwei Jahren wurde zu Ehren des 2021 verstorbenen Prof. Dr. Wolfgang Gerok der gleichnamige Preis ins Leben gerufen. Der ehemalige Lehrstuhlinhaber für Gastroenterologie und Hepatologie an der Universitätsklinik Freiburg und Mitbegründer der Gastroenterologie-Seminarwoche Titisee war eine herausragende, national und international anerkannte Arzt- und Forscherpersönlichkeit. In Würdigung seiner wissenschaftlichen und akademischen Lebensleistung stiftet die Falk Foundation e.V. alle zwei Jahre den mit 10.000 Euro dotierten Wolfgang-Gerok-Preis für außerordentliche Leistungen in der Forschung und Lehre zur Hepatologie und Gastroenterologie. Als erster Preisträger wurde 2022 der Biochemiker Prof. Stephan Urban, Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) der Universität Heidelberg, für die Entwicklung eines wirksamen Medikaments gegen Hepatitis D ausgezeichnet.
Quelle:
XX. Gastroenterologie-Seminarwoche Titisee, Titisee, 24.-28.02.2024, Veranstalter: Falk Foundation e.V.
Literatur
- Dieterich W et al. Nat Med 1997;3(7):797-801
- Dieterich W et al. Gastroenterology 1998;115:1317-1321
- Schuppan D et al. N Engl J Med. 2021 Jul 1;385(1):35-45
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