Pressemeldung, Wissenschaftspreise

Verleihung des Adolf-Windaus-Preises

10. Juni 2024
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Dr. Martin Falk (links), Prof. Dr. Dieter Häussinger (Mitte) und Prof. Dr. Ulrich Beuers (rechts) Foto: © Falk Foundation e.V., Freiburg

Adolf-Windaus-Preis 2024
Prof. Dr. Dieter Häussinger beim Symposium 237 in Edinburgh mit dem Internationalen Adolf-Windaus-Preis ausgezeichnet

Das XXVII International Bile Acid Meeting der Falk Foundation e.V. fand vom 5. bis 6. Juli 2024 in Edinburgh (Schottland) statt und wurde von mehr als 400 Teilnehmer*innen besucht. International renommierte Referent*innen diskutierten zu Themen wie Transport- und Signal- Wirkung von Gallensäuren, die Interaktion mit dem Mikrobiom und die Rolle von Gallensäuren in der Tumorentwicklung. Ebenfalls standen neue therapeutische Ansätze mit Gallensäurederivaten, Rezeptorantagonisten und Transporter-Inhibitoren im Blickpunkt.

Ein Highlight der Veranstaltung war die Verleihung des Adolf-Windaus- Preises an Herrn Prof. Dr. Dieter Häussinger (ehem. Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf).

Der Adolf-Windaus-Preis wurde in Edinburgh zum 23. Mal verliehen. Er geht auf den Biochemiker Adolf Windaus (1876–1959) zurück, der die Struktur des Cholesterins und dessen Verbindung mit dem Vitamin-D-Stoffwechsel beschrieb. Für diese Erkenntnisse erhielt Adolf Windaus im Jahre 1928 den Nobelpreis für Chemie.

Der deutsche Wissenschaftler Häussinger erhält den von der Falk Foundation e.V. gestifteten und mit 15.000 Euro dotierten Preis für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Gallensäureforschung. Der Preis wird seit 1980 alle zwei Jahre für bedeutende wissenschaftliche Leistungen auf diesem medizinischen Gebiet verliehen.

Prof. Dr. Ulrich Beuers vom Department of Gastroenterology and Hepatology an der Universität Amsterdam, Tytgat Institute for Liver and Intestinal Research, hielt die Rede zu Ehren des Preisträgers:

Das Preiskomitee entschied sich in diesem Jahr, den Adolf-Windaus-Preis 2024 an Dieter Häussinger für seine Arbeit in der Gallensäureforschung in den letzten 35 Jahren zu verleihen.

Professor Dieter Häussinger wurde in der mittelalterlichen Stadt Nördlingen in Bayern geboren. Nach der Schulzeit entschied er sich, in München Medizin zu studieren und wählte gleichzeitig ein biochemisches Thema für seine Dissertation. Nach dem Studium und ersten praktischen Erfahrungen in der Klinik begann er 1979 als Assistenzarzt in der Inneren Medizin in Freiburg, wo Prof. Wolfgang Gerok den Lehrstuhl für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie und Hepatologie innehatte. In seinen 15 Jahren in Freiburg schloss Dieter Häussinger seine Habilitation ab, wurde Internist und im Anschluss Gastroenterologe und schließlich Professor für Innere Medizin. 1991 wurde er auf die Hermann-und-Lilly-Schilling-Professur der gleichnamigen Stiftung berufen und erhielt noch im selben Jahr die höchste und renommierteste wissenschaftliche Auszeichnung im deutschsprachigen Raum, den Gottfried- Wilhelm-Leibniz-Preis.

1994 übernahm Dieter Häussinger als ordentlicher Professor den Lehrstuhl für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Gastroenterologie, Hepatologie und Infektionskrankheiten an der Universität der nord-rhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. In den folgenden 25 Jahren wirkte er als Dekan der Medizinischen Fakultät in Düsseldorf und bekleidete viele weitere Funktionen, nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in nationalen wissenschaftlichen Ausschüssen in Deutschland oder in internationalen wissenschaftlichen Organisationen wie der European Association for the Study of the Liver. Im Jahr 2010 gründete er an der äthiopischen ARSI-Universität im Süden von Addis Abeba das Hirsch Institute of Tropical Medicine, dessen Vorsitz er auch übernahm. Ein Austauschprogramm zwischen Assistenzärzten aus Düsseldorf und der ARSI-Universität war im Hinblick auf die medizinische Lehre sowohl für Lernende als auch für Lehrende eine Bereicherung.

Die Anzahl an wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist sehr groß und umfasst mehr als 700 Originalarbeiten in allen großen Fachzeitschriften und mehr als 15 Monografien.

Da viele dieser Arbeiten in direktem Zusammenhang mit der Gallensäureforschung stehen, entschied sich das Adolf-Windaus-Preiskomitee Prof. Dr. Dieter Häussinger für seine einzigartigen Errungenschaften auf diesem Gebiet mit dem Adolf-Windaus-Preis 2024 auszuzeichnen. Sein Vortrag trägt den Titel ‚Bile acids and hepatic osmo-sensing / signaling pathways‘.“

Gemeinsam mit seinem Team identifizierte Professor Dieter Häussinger grundlegende Mechanismen beim Transport und der Signalgebung von Gallensäuren. Er gehört zu den ersten, die den Einbau (Insertion) und den Abruf (Retrieval) kanalikulärer Transport-ATPasen wie Mrp2 und Bsep in die bzw. aus der kanalikulären Membran als Hauptmechanismen der kurzzeitigen Regulierung des hepatobiliären Transports beschrieben haben. Er entdeckte, dass der Wassergehalt und entsprechend das Volumen des Hepatozyten dynamische Parameter sind, die die unterschiedlichen Funktionen des Hepatozyten wirksam regulieren. Darüber hinaus entdeckte er, dass die damit verbundenen mechanosensorischen (Mechanosensing) und mechanosignalgebenden (Mechanosignaling) Pfade ebenfalls durch bestimmte Gallensäuren aktiviert werden können. ß1-Integrine agieren als Mechanosensoren, die auf eine Hepatozytenschwellung reagieren, aber auch direkt durch das Taurinkonjugat der Ursodesoxycholsäure aktiviert werden und so Cholerese und hepatozytären Schutz vermitteln. Eine Hepatozytenschrumpfung wird im Gegenzug von Leberendosomen wahrgenommen, was oxidativen Stress auslöst und so die Signalwege für die Auslösung einer Cholestase und Apoptose aktiviert. Das durch die Schrumpfung ausgelöste Sensing und Signaling wird außerdem durch hydrophobe Gallensäuren wie Glykochenodesoxycholat aktiviert und erklärt auch deren proapoptotische und cholestatische Wirkung. Diesen nachteiligen Wirkungen kann durch Aktivierung ß1-Integrin-abhängiger Signale entgegengewirkt werden, was neue Ansätze zu hepatozytären Schutzmechanismen bietet.

Quelle:
Symposium 237 der Falk Foundation e.V. in Edinburgh, Schottland, 5. bis 6. Juli 2024

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