Dickdarm bis Rektum
Am J Gastroenterol. 2024;119(1):138–46
Absolute and relative risks of kidney and urological complications in patients with inflammatory bowel disease
Absolute und relative Risiken für nephrologische und urologische Komplikationen bei Patient*innen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Nach wie vor ist die Bedeutung nephrologischer und urologischer Komplikationen bei Patient*innen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) nur unzureichend untersucht. Im Rahmen dieser Arbeit wurden Zusammenhänge zwischen der Entwicklung einer CED und dem relativen Risiko für die Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung, eines akuten Nierenversagens oder einer Urolithiasis sowie für eine klinisch bedeutsame Verschlechterung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (GFR; Progression einer chronischen Nierenerkrankung oder Kombination aus Nierenversagen oder einem Rückgang der geschätzten GFR um ≥ 30%) untersucht. Hierfür wurden 1.682.795 Personen ausgewertet, die im Zeitraum zwischen 2006 und 2018 in Stockholm eine medizinische Versorgung in Anspruch nahmen. Es wurde das absolute 5- und 10-Jahres-Risiko für die oben genannten Komplikationen in parallel gematchten Kohorten von CED-Patient*innen und zufälligen Kontrollen ausgewertet, die im Verhältnis 1:5 nach Geschlecht, Alter und geschätzter GFR angepasst wurden. Innerhalb von im Median 9 Jahren entwickelten 10.117 Teilnehmer*innen eine CED. Das Auftreten einer CED war mit einem höheren Risiko für nephrologische Komplikationen assoziiert. Die Hazard-Ratio (HR) für die Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung betrug 1,24 (95% Konfidenzintervall [CI]: 1,10–1,40) und 1,11 für deren Progression (95% CI: 1,00–1,24). Innerhalb von 10 Jahren hatten 11,8% der CED-Fälle ein Ereignis einer chronischen Nierenschädigung. 6,4% erhielten die Diagnose einer chronischen Nierenschädigung und 7,9% erreichten eine Progression. Ebenfalls erhöht war das Risiko für ein akutes Nierenversagen (HR = 1,97; 95% CI: 1,70–2,29; absolutes 10-Jahres-Risiko: 3,6%) oder eine Urolithiasis (HR = 1,69; 95% CI: 1,48–1,93; absolutes 10-Jahres-Risiko 5,6%). Die Risiken bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa waren jeweils vergleichbar.
In dieser schwedischen Kohortenstudie entwickelten über 10% der Patient*innen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) innerhalb von 10 Jahren nach der CED-Diagnose eine chronische Nierenschädigung, wobei viele Ereignisse durch mangelhafte Kodierung nicht identifiziert werden konnten. Zusammen mit dem erhöhten Risiko für ein akutes Nierenversagen oder eine Urolithiasis unterstreicht dies die Notwendigkeit etablierter Protokolle zur Überwachung der Nierenfunktion und zur Überweisung von CED-Patient*innen zur nephrologischen und urologischen Mitversorgung.