Dickdarm bis Rektum
Gut. 2025;74(2):206-213
Impact of prenatal and postnatal maternal IBD status on offspring’s risk of IBD: A population-based cohort study
Auswirkung des prä- und postnatalen CED-Status von Müttern auf das CED-Risiko bei deren Nachkommen: eine populationsbasierte Kohortenstudie
Zielsetzung: Eine In-utero-Exposition gegenüber einem Entzündungsgeschehen bei der Mutter kann sich auf die Entwicklung des Immunsystems und das spätere Krankheitsrisiko auswirken. Die Autorinnen untersuchten, ob die Diagnose einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) bei Müttern vor der Geburt im Vergleich zu einer Diagnose nach der Geburt mit einem höheren CED-Risiko bei den Nachkommen verbunden ist. Zum Vergleich analysierten sie zudem den CED-Status von Vätern.
Studiendesign: Mithilfe von dänischen Gesundheitsregistern identifizierten die Autorinnen alle zwischen 1997 und 2022 in Dänemark geborenen Kinder und deren rechtliche Eltern sowie deren CED-Status. Cox-Regressionsanalysen (proportionales Hazard-Modell), angepasst bezüglich Kalenderzeitraum und Geburtsmodus, wurden verwendet, um das CED-Risiko bei den Nachkommen anhand des CED-Status der Mütter und Väter vor und nach der Geburt zu schätzen.
Ergebnisse: Von 1.290.358 Kindern hatten 10.041 (0,8%) Mütter mit einer CED-Diagnose vor der Geburt und 9985 (0,8%) hatten Mütter mit einer CED-Diagnose nach der Geburt. Über einen Zeitraum von 18.370.420 Personenjahren wurde CED bei 3537 Personen diagnostiziert. Nachkommen von Müttern mit CED vor der Geburt hatten eine angepasste Hazard-Ratio (HR) für CED von 6,27 (95% Konfidenzintervall [CI]: 5,21–7,54) im Vergleich zu jenen mit Müttern ohne CED, während Nachkommen von Müttern mit CED nach der Geburt eine angepasste HR von 3,88 (95% CI: 3,27–4,60) aufwiesen. Die entsprechenden angepassten HRs betrugen 5,26 (95% CI: 4,22–6,56) bei Kindern von Vätern mit CED vor der Geburt bzw. 3,73 (95% CI: 3,10–4,50) bei CED der Väter nach der Geburt.
Schlussfolgerung: Nachkommen hatten ein höheres Risiko für eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED), wenn diese bei einem Elternteil vor der Geburt statt später diagnostiziert wurde. Damit rücken genetische Veranlagung und umweltbedingte Risikofaktoren als CED-Risikofaktoren stärker in den Vordergrund als In-utero-Exposition gegenüber einem Entzündungsgeschehen bei der Mutter.