Leber und Gallenwege
Gastroenterology. 2024;166(6):1156–65.e4
Impact of longitudinal alcohol use patterns on long-term risk of cirrhosis among US veterans with steatotic liver disease
Auswirkungen eines chronischen Alkoholkonsums auf das langfristige Zirrhoserisiko bei US-Veteran*innen mit steatotischer Lebererkrankung
Hintergrund und Ziele: Zu den Auswirkungen des Alkoholkonsums auf das Risiko einer Krankheitsprogression bei Patient*innen mit steatotischer Lebererkrankung (steatotic liver disease, SLD) liegen widersprüchliche Daten vor. Die Autor*innen hatten sich zum Ziel gesetzt, den Einfluss eines chronischen Alkoholkonsums auf das Zirrhoserisiko bei Veteran*innen mit SLD zu untersuchen.
Methoden: Zwischen Januar 2010 und Dezember 2022 wurden US-Veteran*innen mit SLD identifiziert. Ihr Alkoholkonsum wurde anhand des Scores im Fragebogen „Alcohol Use Disorders Identification Test-Concise“ (AUDIT-C) beurteilt und eingeteilt in „kein Alkohol“ (AUDIT-C = 0), „Alkoholkonsum mit geringem Risiko“ (AUDIT-C 1–2 bei Frauen und 1–3 bei Männern) und „hochriskanter Alkoholkonsum“ (AUDIT-C ≥ 3 bei Frauen und ≥ 4 bei Männern). Die Zirrhose-Inzidenz wurde anhand des Modells der konkurrierenden Risiken nach Nelson-Aalen ermittelt. Mittels angepasster multivariater Regressionsmodelle wurden das mit dem Alkoholkonsum bei Studienbeginn assoziierte Zirrhoserisiko und die Veränderungen des Alkoholkonsums während der Nachbeobachtung errechnet.
Ergebnisse: Es wurden 1.156.189 Veteran*innen mit SLD identifiziert (kein Alkohol: 54,2%; Alkoholkonsum mit geringem Risiko: 34,6%; hochriskanter Alkoholkonsum: 11,2%). Bei den Veteran*innen mit SLD und hochriskantem Alkoholkonsum war die Zirrhose-Inzidenz gegenüber Patient*innen ohne Alkoholkonsum um 43% erhöht. Im Vergleich zu Patient*innen mit hochriskantem Alkoholkonsum, die keine Veränderung ihres Alkoholkonsums berichteten, zeigte sich bei denjenigen, die ihren Alkoholkonsum während des Nachbeobachtungszeitraums reduzierten, ein um 39% gesunkenes Langzeit-Zirrhoserisiko (Hazard-Ratio = 0,61; 95% Konfidenzintervall: 0,45–0,83; p < 0,01).
Schlussfolgerungen: Eine/r von 9 Veteran*innen mit steatotischer Lebererkrankung (steatotic liver disease, SLD) berichtete von gleichzeitigem hochriskantem Alkoholkonsum. Dies erhöht das Zirrhoserisiko um 43% gegenüber der Gruppe, die keinen Alkohol konsumiert. Eine Senkung des Alkoholkonsums verringert jedoch das Zirrhoserisiko; dies spricht dafür, wie wichtig eine möglichst frühe Beurteilung des Alkoholkonsums und eine frühzeitige Intervention bei Patient*innen mit SLD und hochriskantem Alkoholkonsum ist.