Ösophagus bis Dünndarm

Lancet. 2025;406(10500):271-282

Biomarker risk stratification with capsule sponge in the surveillance of Barrett’s oesophagus: Prospective evaluation of UK real-world implementation

Tan WK, Ross-Innes CS, Somerset T, Markert G, Markowetz F, O’Donovan M, di Pietro M, Sasieni P, Fitzgerald RC; DELTA consortium

Biomarker-Risikostratifizierung mit Kapselschwamm bei der Überwachung eines Barrett-Ösophagus: prospektive Untersuchung der Implementierung im klinischen Alltag im Vereinigten Königreich


Hintergrund: Der klinische Standard für die Überwachung eines Barrett-Ösophagus ist die Endoskopie, deren Effektivität allerdings nicht einheitlich ist. Die Autor*innen entwickelten einen Test, bestehend aus einem Schwamm zur Zellentnahme aus dem gesamten Ösophagus in Kombination mit Biomarkern, um Patient*innen in 3 Risikogruppen zu stratifizieren. Ziel dieser prospektiven Untersuchung war es, das Instrument zur vordefinierten Risikostratifizierung zu bewerten und zu ermitteln, ob es Patient*innen mit dem höchsten Risiko für eine Dysplasie oder Krebserkrankung identifizieren kann, sodass Endoskopien zeitlich priorisiert werden können. Zudem sollte untersucht werden, ob der Test sicher zur Überwachung der Gruppe mit niedrigem Risiko eingesetzt werden kann und Patient*innen somit unnötige Endoskopien erspart.
Methoden: Teilnehmer*innen wurden im Rahmen von 2 multizentrischen, prospektiven, pragmatischen Implementierungsstudien aus 13 Krankenhäusern im Vereinigten Königreich rekrutiert. Bei Patient*innen mit nicht-dysplastischem Barrett-Ösophagus wurde ein Kapselschwammtest durchgeführt, der in einem ISO-akkreditierten Labor beurteilt wurde. Es wurden Patient*innen eingeschlossen, die bei ihrer letzten Endoskopie mindestens 18 Jahre alt waren, bei denen ein nicht-dysplastischer Barrett-Ösophagus diagnostiziert worden war und die deshalb gemäß den veröffentlichten UK-Leitlinien überwacht wurden. Die Patient*innen wurden einem niedrigen (klinische und Kapselschwammtest-Biomarker negativ), mittleren (Kapselschwamm-Biomarker negativ, klinische Biomarker [Alter, Geschlecht und Segmentlänge] positiv) oder hohen Risiko zugeordnet (p53-Anomalie oder glanduläre Atypie unabhängig von klinischen Biomarkern, oder beides). Der primäre Endpunkt war eine Diagnose einer behandlungsbedürftigen hochgradigen Dysplasie oder Krebserkrankung gemäß der Risikogruppenzuordnung.
Erkenntnisse: 910 Patient*innen, die zwischen August 2020 und Dezember 2024 rekrutiert wurden, nahmen teil. Davon wurden 138 (15%) einem hohen Risiko, 283 (31%) einem mittleren Risiko und 489 (54%) einem niedrigen Risiko zugeordnet. Der positive Vorhersagewert für Dysplasie oder schlimmer in der Gruppe mit hohem Risiko betrug 37,7% (95% Konfidenzintervall [CI]: 29,7–46,4). Patient*innen mit Atypie und aberrantem p53 hatten das höchste Risiko für eine hochgradige Dysplasie oder eine Krebserkrankung (relatives Risiko = 135,8 [95% CI: 32,7–564,0] im Vergleich zur Gruppe mit niedrigem Risiko). Die Prävalenz einer hochgradigen Dysplasie oder einer Krebserkrankung in der Gruppe mit niedrigem Risiko betrug 0,4% (95% CI: 0,1–1,6); der negative Vorhersagewert für Dysplasie oder schlimmer lag bei 97,8% (95% CI: 95,9–98,8). Die Anwendung eines Algorithmus für maschinelles Lernen als Teil von digitalen Pathologie-Arbeitsabläufen reduziert den Anteil, bei dem die p53-Pathologie überprüft werden musste, auf 32%, ohne positive Fälle zu übersehen.

Interpretation: Das Risiko-Panel verbessert die Erkennung von Dysplasien deutlich, und bei Barrett-Ösophagus mit niedrigem Risiko könnte die Kapselschwamm-basierte Überwachung anstelle der Endoskopie eingesetzt werden.

R.C. Fitzgerald, Early Cancer Institute, University of Cambridge, Cambridge, UK, e-mail: rcf29@cam.ac.uk

DOI:  10.1016/s0140-6736(25)01021-9

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