Leber und Gallenwege

J Hepatol. 2024;81(4):621-629

Bulevirtide monotherapy in patients with chronic HDV: Efficacy and safety results through week 96 from a phase 3 randomized trial

Wedemeyer H, Aleman S, Brunetto M, Blank A, Andreone P, Bogomolov P, Chulanov V, Mamonova N, Geyvandova N, Morozov V, Sagalova O, Stepanova T, Berger A, Ciesek S, Manuilov D, Mercier RC, Da BL, Chee GM, Li M, Flaherty JF, Lau AH, Osinusi A, Schulze zur Wiesch J, Cornberg M, Zeuzem S, Lampertico P

Bulevirtid-Monotherapie bei Patient*innen mit chronischer HDV-Infektion: Ergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit in einer 96-wöchigen randomisierten Phase-III-Studie


Hintergrund und Ziele: Bulevirtid (BLV), der erste Entry-Inhibitor seiner Art, ist in Europa zur Behandlung der chronischen Hepatitis D (CHD) zugelassen. Die Monotherapie mit BLV war in der MYR301-Studie der verzögerten Behandlung in Woche (W) 48, dem primären Wirksamkeitsendpunkt, überlegen. In dieser Arbeit wurde untersucht, ob die Fortsetzung der BLV-Therapie bis W96 die virologischen und biochemischen Ansprechraten erhöhen würde, insbesondere bei Patient*innen, die bis W24 kein virologisches Ansprechen erreicht hatten.
Methoden: In dieser laufenden offenen randomisierten Phase-III-Studie wurden Patient*innen mit CHD (n = 150) nach dem Zufallsprinzip in 3 Gruppen (1:1:1) aufgeteilt und erhielten eine Behandlung mit BLV 2 mg/Tag (n = 49) oder 10 mg/Tag (n = 50), jeweils für die Dauer von 144 Wochen, oder eine verzögerte Behandlung für die Dauer von 48 Wochen, gefolgt von BLV 10 mg/Tag für die Dauer von 96 Wochen (n = 51). Kombiniertes Ansprechen war definiert als nicht mehr nachweisbare Hepatitis-D-Virus-RNA (HDV-RNA) oder ein Rückgang der HDV-RNA um ≥ 2 log10 IE/ml im Vergleich zum Ausgangswert und eine Normalisierung des Alanin-Aminotransferase-Werts (ALT). Weitere Endpunkte waren ein virologisches Ansprechen, eine ALT-Normalisierung und eine Veränderung der HDV-RNA.
Ergebnisse: Von 150 Patient*innen schlossen 143 (95%) die 96 Wochen dauernde Studie ab. Es zeigte sich ein anhaltendes und/oder verbessertes Ansprechen zwischen W48 und W96, dabei waren die kombinierten virologischen und biochemischen Ansprechraten bei BLV 2 und 10 mg ähnlich. Von den Patient*innen mit einem suboptimalen frühen virologischen Ansprechen bis W24 erreichten 43% der Non-Responder und 82% der Teilresponder ein virologisches Ansprechen bis W96. Die Verbesserung der biochemischen Werte trat häufig unabhängig vom virologischen Ansprechen auf. Die beobachteten unerwünschten Ereignisse waren meist leicht ausgeprägt, und in Verbindung mit BLV traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf.

Schlussfolgerungen: Bei längerfristiger Therapie mit Bulevirtid (BLV) waren das virologische und biochemische Ansprechen anhaltend und/oder verbessert, und zwar auch bei Patient*innen mit suboptimalem frühem virologischem Ansprechen. Die Monotherapie mit BLV bei chronischer Hepatitis D war sicher und wurde bis Woche 96 gut vertragen.

H. Wedemeyer, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, E-Mail: wedemeyer.heiner@mh-hannover.de

DOI:  10.1016/j.jhep.2024.05.001

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