Leber und Gallenwege
Gut. 2025;74(9):1486-1499
Characteristic immune cell interactions in livers of children with acute hepatitis revealed by spatial single-cell analysis identify a possible postacute sequel of COVID-19
Charakteristische Immunzell-Interaktionen in der Leber von Kindern mit akuter Hepatitis, nachgewiesen durch räumliche Einzelzellanalyse, weisen auf eine mögliche postakute Folgeerkrankung von COVID-19 hin
Hintergrund: Im Jahr 2022 wurden vermehrte Fälle von akuter Hepatitis unbekannter Genese (AHUO) bei Kindern beobachtet, welche bei einigen Kindern eine Lebertransplantation erforderlich machten. Für Kohorten in UK und den USA wurde ein Zusammenhang mit Infektionen mit dem Adeno-assoziierten Virus 2 und einer durch CD4+-T-Zellen vermittelten Pathologie beschrieben, was jedoch nicht alle Fälle erklärt.
Zielsetzung: Bestimmung der intrahepatischen Immunzell-Interaktionen in der entzündeten Leber und Beurteilung einer möglichen Beteiligung einer SARS-CoV-2-Infektion.
Studiendesign: Patient*innen, die zwischen Februar 2022 und Dezember 2022 eine akute Non-A-E-Hepatitis (10/12 AHUO, 2/12 subakut) hatten und bei denen eine Leberbiopsie erfolgte, wurden in eine europäische Patientenkohorte aufgenommen. An den Leberbiopsien wurden hepatologische, virologische, histopathologische und hochmultiplexe räumliche und Einzelzellanalysen durchgeführt.
Ergebnisse: PCR-Tests auf Adenoviren und SARS-CoV-2 waren bei den Patient*innen negativ. In 3 Fällen war die Adenovirus-Serologie positiv, und bei 10 von 12 Patient*innen gab es serologische Nachweise einer SARS-CoV-2-Infektion in der Anamnese. Die bildgebende Massenzytometrie zeigte eine signifikante intrahepatische Immuninfiltration mit einer Anreicherung von CD8+-T-Zellen. Die höchste CD8-Infiltration und damit einhergehende periphere Immunaktivierung wurde bei den Patient*innen mit der schwersten Hepatitis-Erkrankung beobachtet. Die CD8+-T-Zell-Infiltration stand im Zusammenhang mit histomorphologisch nachweisbarer Interface-Hepatitis und Brückennekrose. Die Analyse der zellulären Nachbarschaften ergab krankheitsassoziierte mikroanatomische Interaktionen zwischen Populationen von CX3CR1+-exprimierenden endothelialen und myeloischen Zellen, die mit Effektor-CD8+-T-Zellen interagierten, was auf eine Trias pathogener Zellen hindeutet. Bemerkenswert ist, dass in 11 von 12 Proben durch verschiedene Nachweismethoden in den Bereichen mit signifikanter Pathologie intrahepatisch SARS-CoV-2-Antigene in ACE2-exprimierenden Zellen nachgewiesen wurden. 10 von 12 Patient*innen erhielten eine Kortikosteroidtherapie; es waren keine Lebertransplantationen erforderlich.
Schlussfolgerungen: Bei Kindern mit Non-A-E-Hepatitis (AHUO) wurde eine mögliche Manifestation einer immunvermittelten postakuten Folgeerkrankung von COVID-19 identifiziert, die mit einem charakteristischen Immuninfiltrat assoziiert ist. Bei pädiatrischer AHUO sollte eine Testung auf COVID-19 in Betracht gezogen werden.