Dickdarm bis Rektum

Inflamm Bowel Dis. 2024;30(7):1055–61

The impact of cannabis use on clinical outcomes in inflammatory bowel disease: A population-based longitudinal cohort study

Glickman D, Dalessio S, Raup-Konsavage WM, Vrana KE, Coates MD

Die Auswirkungen von Cannabiskonsum auf die klinischen Ergebnisse bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen: eine populationsbasierte Kohortenstudie


Hintergrund: Cannabiskonsum ist bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) weit verbreitet. Jüngste Studien haben gezeigt, dass der Konsum von Cannabis Symptome lindern kann. Es ist jedoch noch unklar, wie unbedenklich Cannabis und dessen Derivate für CED-Patient*innen sind. Die Autor*innen führten diese Studie durch, um die Auswirkungen des Cannabiskonsums auf mehrere wichtige klinische Endpunkte bei CED zu beurteilen.
Methoden: Die Autor*innen führten eine retrospektive Studie anhand des TriNetX Diamond Network durch. Für folgende 3 Patientengruppen wurden Subkohorten mit und ohne Cannabiskonsum identifiziert: (1) CED, (2) Morbus Crohn (MC) und (3) Colitis ulcerosa (CU). Unterschiede zwischen den Subkohorten jeder Gruppe bei Studienbeginn wurden durch Propensity-Score-Matching ausgeglichen. In jeder Gruppe wurde die relative Häufigkeit von Besuchen in der Notaufnahme (NA), Krankenhausaufenthalten, Kortikosteroidbedarf, Opioidbedarf sowie von CED-bedingten Operationen und Todesfällen zwischen Personen mit und ohne Cannabiskonsum verglichen.
Ergebnisse: Cannabiskonsument*innen mit einer CED hatten ein erhöhtes Risiko für eine Kortikosteroidtherapie (Risikoverhältnis [risk ratio, RR] = 1,095; 95% Konfidenzintervall [CI]: 1,021–1,174; p = 0,011), NA-Besuche (RR = 2,143; 95% CI: 2,034–2,257; p < 0,001), Krankenhausaufenthalte (RR = 1,925; 95% CI: 1,783–2,079; p < 0,001) und einen Opioidbedarf (RR = 1,35; 95% CI: 1,14–1,6; p < 0,001), aber kein erhöhtes Risiko für CED-bedingte Eingriffe oder Tod. Die Gruppen mit MC und CU wiesen ähnliche Ergebnisse auf, außer, dass sich nur in der Gruppe der Patient*innen mit MC ein erhöhtes Risiko für Kortikosteroid- und Opioidbedarf zeigte.

Schlussfolgerungen: Cannabiskonsum ist bei Patient*innen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) mit mehreren negativen klinischen Behandlungsergebnissen assoziiert, unter anderem mit einem erhöhten Risiko für eine Kortikosteroid- und Opioidbehandlung, für Besuche in der Notaufnahme und für Krankenhausaufenthalte, jedoch nicht für CED-bedingte Operationen oder Todesfälle. Es ist unklar, wodurch diese Risiken verursacht werden oder ob sie direkt mit der CED-assoziierten Krankheitsaktivität oder anderen Faktoren zusammenhängen. Um diese Zusammenhänge genauer zu untersuchen, sind weitere prospektive Studien erforderlich.

M.D. Coates, Division of Gastroenterology and Hepatology, Penn State College of Medicine, Hershey, PA, USA, E-Mail: mcoates@pennstatehealth.psu.edu

DOI:  10.1093/ibd/izad151

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