Leber und Gallenwege

Gut. 2024;73(10):1702-1711

Porcine-derived pancreatic enzyme replacement therapy may be linked to chronic hepatitis E virus infection in cystic fibrosis lung transplant recipients

Thornton CS, Waddell BJ, Congly SE, Svishchuk J, Somayaji R, Fatovich L, Isaac D, Doucette K, Fonseca K, Drews SJ, Borlang J, Osiowy C, Parkins MD

Die Ersatztherapie mit Schweinepankreatin-Präparaten könnte mit chronischen Hepatitis-E-Virusinfektionen bei lungentransplantierten Mukoviszidose-Patient*innen in Zusammenhang stehen


Ziele: In Ländern mit hohem Einkommen sind Infektionen mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) eine selten diagnostizierte porzine Zoonose. Nachdem unverhältnismäßig viele chronische HEV-Infektionen bei Mukoviszidose-Patient*innen nach einer Lungentransplantation festgestellt wurden, beabsichtigten die Autor*innen, die Epidemiologie dahinter zu verstehen und mögliche Ursachen zu ermitteln.
Studiendesign: Alle lungentransplantierten Mukoviszidose-Patient*innen, die im regionalen Mukoviszidose-Zentrum in Behandlung waren, wurden einem HEV-Screening unterzogen. Die HEV-Prävalenz in dieser Gruppe wurde mit der von nicht-transplantierten Mukoviszidose-Patient*innen verglichen und mit allen Patient*innen, die von 2016 bis 2022 im kanadischen Bundesstaat Alberta wegen des Verdachts auf HEV-Infektion getestet wurden. Bei denjenigen mit chronischer HEV-Infektion wurde eine Genom-Sequenzierung und eine phylogenetische Analyse durchgeführt. Da in der Pankreasenzym-Ersatztherapie (pancreatic enzyme replacement therapy, PERT) Material porzinen Ursprungs verwendet wird, wurden PERT-Kapseln verschiedener Hersteller auf HEV getestet.
Ergebnisse: Der HEV-Nachweis im Serum war bei den transplantierten ähnlich wie bei den nicht-transplantierten Mukoviszidose-Patient*innen (6/29 [21%] vs. 16/83 [19%]; p = 0,89). Gegenüber allen anderen im Bundesstaat Alberta auf HEV getesteten Hepatitis-Patient*innen (n = 115/1079, 10,7%) hatten Mukoviszidose-Patient*innen ein 2-fach höheres relatives Risiko, HEV-positiv zu sein, und dieses Risiko war 4-mal höher als im kanadischen Durchschnitt. In ganz Alberta wurden nur 3 chronische HEV-Fälle identifiziert, die alle lungentransplantierte Mukoviszidose-Patient*innen (n = 3/29, 10,3%) waren. Phylogenetisch wurde nachgewiesenen, dass es sich bei den Fällen um nicht-verwandte HEV-Stämme vom Genotyp 3a aus Schweinen handelte. 91% der Mukoviszidose-Patient*innen nahmen PERT ein (im Median 8760 Kapseln/Person/Jahr). HEV-RNA wurde mittels RT-qPCR bei 44% (47/107) der PERT-Kapseln nachgewiesen, dabei korrelierten die Sequenzen mit den jeweiligen chronischen HEV-Fällen.

Schlussfolgerung: Bei Mukoviszidose-Patient*innen ist unverhältnismäßig oft das Hepatitis-E-Virus (HEV) im Serum nachweisbar, unabhängig davon, ob sie eine Transplantation hatten oder nicht. Eine chronische HEV-Infektion war nur bei transplantierten Mukoviszidose-Patient*innen evident. HEV kann ein signifikantes Risiko für Mukoviszidose-Patient*innen darstellen. Daher sind Studien erforderlich, in der die Inzidenz und Prävalenz von HEV bei Mukoviszidose-Patient*innen beurteilt werden, sowie die Rolle, die eine Pankreasenzym-Ersatztherapie dabei spielen könnte.

M.D. Parkins, Department of Medicine, University of Calgary, Calgary, AB, Kanada, E-Mail: mdparkin@ucalgary.ca

DOI:  10.1136/gutjnl-2023-330602

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