Ösophagus bis Dünndarm
Gut. 2025;74(9):1410-1418
Precision risk stratification of primary gastric cancer after eradication of H. pylori by a DNA methylation marker: A multicentre prospective study
DNA-Methylierungsmarker zur präzisen Risikostratifizierung des primären Magenkarzinoms nach H. pylori-Eradikation: eine multizentrische prospektive Studie
Hintergrund: Für die wachsende Zahl von Genesenen nach einer Helicobacter-pylori-Eradikation wird eine präzise Stratifizierung des Magenkarzinom-Risikos dringend benötigt. Die Epimutationslast in nicht-bösartigen Geweben wurde in mehreren Querschnittsstudien mit einem Krebsrisiko in Verbindung gebracht.
Zielsetzung: Bestätigung des klinischen Nutzens eines DNA-Methylierungsmarkers für die Bestimmung der Epimutationslast sowie Ermittlung eines Cut-off-Methylierungsgrads bei einer Population mit extrem hohem Risiko.
Studiendesign: Gesunde Menschen mit ausgedehnter Schleimhautatrophie nach H.-pylori-Eradikation wurden prospektiv rekrutiert. Der Grad der DNA-Methylierung eines Markergens, RIMS1, wurde in Biopsieproben aus dem Antrum und dem Korpus des Magens gemessen. Primärer Endpunkt war die Magenkarzinom-Inzidenzrate in Quartilen des Methylierungsgrads.
Ergebnisse: 1624 Teilnehmer*innen hatten mindestens 1 endoskopische Nachuntersuchung in einer medianen Nachbeobachtungszeit von 4,05 Jahren, und bei 27 Teilnehmer*innen entwickelte sich ein primäres Magenkarzinom. Im höchsten Quartil des RIMS1-Methylierungsgrads war die Inzidenzrate höher (972,8 pro 100.000 Personenjahre) als im niedrigsten Quartil (127,1). Die Cox-Regressionsanalyse ergab eine univariate Hazard-Ratio (HR) von 7,7 (95% Konfidenzintervall [CI]: 1,8–33,7) und eine alters- und geschlechtsangepasste HR von 5,7 (95% CI: 1,3–25,5). Als sekundäres Ziel wurde ein Cut-off-Methylierungsgrad von 25,7% (95% CI: 1,7–7,7) ermittelt, um eine Population mit einem extrem hohen Risiko auf Grundlage der Number Needed to Screen (NNS) von 1000 zu identifizieren.
Schlussfolgerung: Ein DNA-Methylierungsmarker ermöglicht bei Genesenen nach Eradikation von H. pylori eine Risikostratifizierung, wenngleich alle ein klinisch hohes Risiko aufweisen. Personen mit einem extrem hohen Risiko benötigen häufigere Magenkarzinom-Screenings als derzeit empfohlen.