Ösophagus bis Dünndarm

Gastroenterology. 2023;165(4):976–85.e3

Early ileocecal resection for Crohn’s disease is associated with improved long-term outcomes compared with anti-tumor necrosis factor therapy: A population-based cohort study

Agrawal M, Ebert AC, Poulsen G, Ungaro RC, Faye AS, Jess T, Colombel JF, Allin KH

Eine frühe Ileozökalresektion ist bei Morbus Crohn im Vergleich zu einer TNF-Antikörpertherapie mit einem günstigeren langfristigen Krankheitsverlauf assoziiert: eine populationsbasierte Kohortenstudie

Zur Behandlung mittelschwerer und schwerer Verläufe des Morbus Crohn mit Ileozökalbefall werden im Frühstadium häufig TNF-Antikörper eingesetzt, wohingegen eine Ileozökalresektion (ICR) oft erst bei Komplikationen oder Therapieversagen zum Einsatz kommt. Im Rahmen dieser Studie wurden die Langzeitergebnisse einer primären ICR mit der einer TNF-Antikörpertherapie verglichen. Hierfür wurden mittels vernetzter landesweiter Register in Dänemark alle Patient*innen identifiziert, bei denen zwischen 2003 und 2018 ein M. Crohn mit Befall des Ileums oder Ileozökalbereichs diagnostiziert wurde und die innerhalb eines Jahres nach der Diagnosestellung mittels ICR oder TNF-Antikörpern behandelt wurden. Der primäre Endpunkt war eine Kombination aus mindestens einem der folgenden Faktoren: Krankenhausaufenthalt im Zusammenhang mit M. Crohn, Therapie mit systemischen Kortikosteroiden, ein chirurgischer Eingriff im Zusammenhang mit M. Crohn und ein perianaler Crohn-Befall. Mittels Cox-proportionaler Hazards-Regressionsanalysen wurden kumulative Risiken für weitere Therapieumstellungen nach primärer ICR oder TNF-Antikörpertherapie bestimmt. Von 16.443 Patient*innen mit M. Crohn erfüllten 1279 Patient*innen die Einschlusskriterien. Von diesen erhielten 45,4% eine ICR und 54,6% eine TNF-Antikörpertherapie. Der zusammengesetzte Endpunkt wurde von 273 Patient*innen nach ICR (Inzidenzrate 110/1000 Personenjahre) bzw. 318 Patient*innen nach TNF-Antikörpertherapie erreicht (Inzidenzrate 202/1000 Personenjahre). Das Risiko für das Erreichen dieses Endpunkts war nach ICR 33% geringer als nach TNF-Antikörpertherapie (angepasste Hazard-Ratio [HR] = 0,67; 95% Konfidenzintervall [CI]: 0,54–0,83). Eine ICR war zudem mit einem geringeren Risiko für eine Behandlung mit systemischen Kortikosteroiden und Folgeoperationen assoziiert, die anderen sekundären Endpunkte unterschieden sich jedoch nicht. Der Anteil von Patient*innen, die nach initialer Operation eine Behandlung mit Immunmodulatoren oder TNF-Antikörpern erhielten, sich einer Folgeresektion unterziehen mussten bzw. nach 5 Jahren keine Therapie benötigten betrug 46,3%, 16,8%, 1,8% bzw. 49,7%. In der Gruppe der zunächst mit Infliximab behandelten Patient*innen benötigten innerhalb von 5 Jahren 17,7% eine Operation, wohingegen 40,8% auf ein anderes Biologikum umgestellt wurden und 47,3% eine fortgesetzte Behandlung mit Infliximab erhielten.

Die Ergebnisse dieser populationsbasierten Kohortenstudie deuten darauf hin, dass eine Ileozökalresektion bei Morbus Crohn im Vergleich zu einer TNF-Antikörpertherapie eine gute und möglicherweise langfristig wirksamere Erstlinientherapie darstellt und nicht nur komplizierten oder refraktären Verläufen vorbehalten bleiben sollte.

M. Agrawal, M.D., Assistant Professor of Medicine, The Dr. Henry D. Janowitz Division of Gastroenterology, Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, NY, USA, E-Mail: manasi.agrawal@mountsinai.org

DOI: 10.1053/j.gastro.2023.05.051

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