Dickdarm bis Rektum
Lancet. 2025;405(10486):1231-1239
Effect of invitation to colonoscopy versus faecal immunochemical test screening on colorectal cancer mortality (COLONPREV): A pragmatic, randomised, controlled, non-inferiority trial
Einladung zur Darmkrebsvorsorge: Vergleich Koloskopie versus fäkaler immunchemischer Test und Auswirkung auf die Mortalität bei Darmkrebs (COLONPREV): eine pragmatische, randomisierte, kontrollierte Nichtunterlegenheitsstudie
Hintergrund: Die Koloskopie und der fäkale immunchemische Test sind anerkannte Strategien für die Darmkrebsvorsorge in der durchschnittlichen Risikopopulation (d. h. Menschen im Alter von ≥ 50 Jahren ohne persönliche oder familiäre Vorbelastung mit Darmkrebs). Ziel dieser Vergleichsstudie war es, zu ermitteln, ob die Einladung zur Darmkrebsvorsorge mit dem fäkalen immunchemischen Test einem Vorsorgeprogramm mit Koloskopie nicht unterlegen ist.
Methoden: COLONPREV war eine pragmatische, randomisierte, kontrollierte Nichtunterlegenheitsstudie, die in 15 Krankenhäusern der Tertiärversorgung in 8 Regionen Spaniens durchgeführt wurde. Infrage kommende Teilnehmer*innen waren vermutlich gesund und zwischen 50 und 69 Jahre alt. Sie hatten keine persönliche Vorgeschichte bezüglich Darmkrebs, Adenomen oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, keine familiäre Vorgeschichte mit erblichem oder familiärem Darmkrebs (d. h. 2 oder mehr Angehörige 1. Grades mit Darmkrebs oder 1 mit Krebsdiagnose im Alter
Interpretation: Die Screeningteilnahme war bei Personen, die zum fäkalen immunchemischen Test eingeladen wurden, höher als bei Einladung zur Vorsorgekoloskopie. Auf der Grundlage der in dieser Studie beobachteten Teilnahme war ein Programm auf Basis eines fäkalen immunchemischen Tests einem auf Koloskopie basierenden Programm in Bezug auf die Darmkrebs-assoziierte Mortalität nicht unterlegen.
DOI: 10.1016/s0140-6736(25)00145-x
PD Dr. Armin Küllmer
Leiter Interdisziplinäre Gastrointestinale Endoskopie, Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Innere Medizin II, Hugstetter Straße 55, 79106 Freiburg
COLONPREV – FIT oder Koloskopie zur Karzinomprävention?
Staatlich organisierte Vorsorgeprogramme zum Kolonkarzinom sind einer anlassbezogenen Untersuchung überlegen. Nicht zuletzt hatte die NordICC-Studie (DOI: 10.1056/NEJMoa2208375) die Reduktion von Inzidenz und Mortalität des Kolonkarzinoms gezeigt, wenn die Vorsorge mittels Koloskopie erfolgt. Weltweit existieren neben der Vorsorgekoloskopie jedoch auch Konzepte, die auf das wiederholte Screening mittels eines fäkalen immunchemischen Tests (FIT) setzen.
Mit der COLONPREV-Studie liegt erstmals ein direkter Vergleich dieser 2 zentralen Strategien zur Früherkennung des kolorektalen Karzinoms vor: dem einmaligen Angebot einer Koloskopie gegenüber einem wiederholten Screening mittels FIT in der typischen Risikopopulation. Die Patientenanzahl von knapp 50.000 und die Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren verdeutlichen die Dimension der Studie. Die Ergebnisse sind wegweisend für die Praxis und die gesundheitspolitische Diskussion: In dieser Studie erreicht das FIT-basierte Screeningprogramm nicht nur eine deutlich höhere Teilnahmequote, sondern ist auch in Bezug auf die Reduktion der kolorektalen Karzinommortalität nach 10 Jahren der Koloskopie nicht unterlegen. Sie legt nahe, dass ein niedrigschwelliges, wiederholtes FIT-Screening in der Bevölkerung vermutlich nicht nur praktikabler, sondern auch mindestens ebenso wirksam ist wie die Koloskopie. Eine Kosteneffektivitätsbetrachtung der Studienergebnisse, die kaum einen Kostennachteil der FIT-Strategie wird finden können, steht momentan noch aus. Andererseits war die Koloskopie effektiver, wenn auch (noch) nicht statistisch signifikant.
Es bleibt daher abzuwarten, wie die Ergebnisse der Studie in den unterschiedlichen Ländern interpretiert und umgesetzt werden. Vermutlich werden die Länder, die bislang auf die Koloskopie setzen, diese beibehalten, und umgekehrt die FIT-Länder sich weiterhin auf den FIT verlassen. Für beide Strategien gibt es Argumente. In Ländern jedoch, die über die Einführung von Screeningprogrammen nachdenken, liefert COLONPREV damit eine wissenschaftlich fundierte Grundlage und spricht sich klar für den FIT als effektive, bevölkerungsorientierte Strategie aus.
NordICC und COLONPREV haben jedoch eine wichtige Aufgabe gemeinsam: Es bedarf weiterhin einer konstanten Motivation und Aufklärungsarbeit, um die immer noch unzureichende Wahrnehmung des Screenings zu verbessern.