Dickdarm bis Rektum
Gastroenterology. 2026;170(1):132-147
Low fermentable oligosaccharides, disaccharides, monosaccharides, and polyols diet improves colonic barrier function and mast cell activation in patients with diarrhea-predominant irritable bowel syndrome: A mechanistic trial
Ernährung mit geringem Anteil an fermentierbaren Oligosacchariden, Disacchariden, Monosacchariden und Polyolen bessert bei Patient*innen mit Diarrhö-prädominantem Reizdarmsyndrom Barrierefunktion des Kolons und Mastzellaktivierung: eine mechanistische Studie
Hintergrund und Ziele: Die wirksamste Diättherapie bei Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine an fermentierbaren Oligosacchariden, Disacchariden, Monosacchariden und Polyolen arme Ernährung (Low-FODMAP-Diät, LFD). Allerdings ist nicht bekannt, über welche Mechanismen fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole die Pathophysiologie des RDS begünstigen.
Methoden: Bei Patient*innen mit Diarrhö-prädominantem Reizdarmsyndrom (RDS-D) gemäß Rom-IV-Kriterien wurden die Barrierefunktion vor und nach Low-FODMAP-Diät sowie die Mastzellzahl und das Aktivierungsprofil beurteilt. Schließlich wurden Stuhlüberstände in das Kolon von Wildtyp-Mäusen mit und ohne pharmakologische Hemmung, von Toll-like-Rezeptor-4(Tlr4)-/--Mäusen und von Mastzell-defizitären Mäusen mit/ohne Mastzellrekonstitution appliziert.
Ergebnisse: Von 42 Patient*innen sprachen 34 auf die Low-FODMAP-Diät an und 8 nicht. Patient*innen mit RDS-D zeigten nach Low-FODMAP-Diät eine signifikante Verbesserung der Struktur und Funktion der Kolonbarriere, der Mastzellzahl und der Spiegel von Mastzellmediatoren. Das Ausmaß der physiologischen Veränderungen korrelierte nicht mit dem Ausmaß des klinischen Ansprechens. Eine Humanisierung keimfreier Mäuse mit vor der Low-FODMAP-Diät gewonnenem Stuhl verursachte eine Störung der Barrierefunktion, eine Humanisierung mit nach der Low-FODMAP-Diät gewonnenem Stuhl nicht. In ähnlicher Weise verursachten Überstände aus vor der Low-FODMAP-Diät gewonnenen Stuhlproben (Prä-LFD-Überstände) bei Wildtyp-Mäusen eine Störung der Barrierefunktion, solche aus nach der Low-FODMAP-Diät gewonnenen Stuhlproben (Post-LFD-Überstände) jedoch nicht. Die Entfernung von Lipopolysacchariden und ein TLR4-Antagonismus hoben eine Störung der Barrierefunktion, welche durch Stuhlüberstände von vor einer Low-FODMAP-Diät bei RDS gewonnenen Proben induziert worden war, wieder auf. Bei Tlr4-/--Mäusen wurde nach Behandlung mit Prä-LFD-Überständen keine Störung der Barrierefunktion beobachtet. In ähnlicher Weise verursachten Prä-LFD-RDS-Überstände bei mit Mastzellstabilisatoren behandelten Wildtyp-Mäusen und bei Mastzell-defizitären Mäusen keine Störung der Barrierefunktion. Dagegen konnte bei Mastzell-defizitären Mäusen nach Rekonstitution mit Wildtyp-Mastzellen, nicht jedoch mit Tlr4-/--Mastzellen, eine Störung der Barrierefunktion induziert werden.
Schlussfolgerungen: Patient*innen mit Diarrhö-prädominantem Reizdarmsyndrom (RDS-D) zeigten nach Low-FODMAP-Diät eine Besserung einer gestörten Barrierefunktion des Kolons sowie der Mastzellrekrutierung und -aktivierung. Eine durch fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole vermittelte Störung der Barrierefunktion bei RDS-D wird durch direkte Aktivierung des TLR4-Rezeptors auf Mastzellen im Kolon durch Lipopolysaccharide in den Fäzes vermittelt.