Dickdarm bis Rektum
Aliment Pharmacol Ther. 2024;60(5):604–12
Need for therapeutic escalation in patients with refractory ulcerative proctitis: Results from the PROCU study of the ENEIDA registry
Eskalation der Therapie bei Patient*innen mit refraktärer Proktitis ulcerosa: Ergebnisse der PROCU-Studie des ENEIDA-Registers
Hintergrund: Eine Proktitis ulcerosa (PU) kann einen milderen, weniger aggressiven Verlauf nehmen als die linksseitige Colitis oder eine ausgedehnte Colitis. Daher werden Immunsuppressiva bei dieser Erkrankung tendenziell weniger eingesetzt. Es gibt dazu jedoch kaum Evidenz, da die Betroffenen von randomisierten kontrollierten klinischen Studien ausgeschlossen werden. Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, die Merkmale von Patient*innen mit refraktärer PU und die bei diesen krankheitsbezogen auftretenden Komplikationen zu beschreiben sowie den Bedarf an einer Behandlung mit Immunsuppressiva zu ermitteln.
Methoden: Die Autor*innen identifizierten Patient*innen mit PU aus dem von der GETECCU gesponserten prospektiven ENEIDA-Register. Ausgewertet wurden soziodemografische Daten und mit einer Immunsuppression assoziierte Komplikationen, wobei Immunsuppression als die Anwendung von Immunmodulatoren, Biologika und/oder kleinen Molekülen definiert war. Zum Ermitteln der mit der Gabe von Immunsuppressiva assoziierten Faktoren wurde die logistische Regression angewendet.
Ergebnisse: Von insgesamt 34.716 Patient*innen mit Colitis ulcerosa wurden 6281 (18,1%) mit PU identifiziert. Das Durchschnittsalter lag bei 53 (Standardabweichung [SD]: 15) Jahren, die durchschnittliche Krankheitsdauer betrug 12 (SD: 9) Jahre. Eine Immunsuppression war bei 11% der Patient*innen verordnet worden, 4,2% benötigten 1 Biologikum, und 1% benötigte 2 Biologika; 2% der Patient*innen benötigten eine stationäre Behandlung und 0,5% unterzogen sich einer Proktokolektomie oder einer subtotalen Kolektomie. Die Autor*innen identifizierten 0,2% kolorektale Tumoren und 5% Tumoren außerhalb des Kolons. Patient*innen mit Polyarthritis (Odds-Ratio = 3,56, 95% Konfidenzintervall: 1,86–6,69; p = 0,001) benötigten Immunsuppressiva.
Schlussfolgerungen: Von den Patient*innen mit refraktärer Proktitis ulcerosa benötigten 11% eine Therapie mit Immunsuppressiva, und 4,2% benötigten mindestens 1 Biologikum.
DOI: 10.1111/apt.18133