Leber und Gallenwege
J Hepatol. 2025;82(5):826-835
Genetic study of intrahepatic cholestasis of pregnancy in Chinese women unveils East Asian etiology linked to historic HBV epidemic
Genetische Studie zur intrahepatischen Schwangerschaftscholestase bei Chinesinnen zeigt ostasiatische Ätiologie auf, die mit historischer HBV-Epidemie in Verbindung steht
Hintergrund und Ziele: Die intrahepatische Schwangerschaftscholestase (intrahepatic cholestasis of pregnancy, ICP) ist die häufigste und risikoreichste Lebererkrankung bei Schwangeren, wobei sich die Prävalenz je nach Bevölkerungsgruppe unterscheidet. Die Mechanismen, die der ICP zugrunde liegen, sowie die populationsbedingten Unterschiede werden nach wie vor nicht vollständig verstanden. Diese Studie befasst sich mit der genetischen Ätiologie der ICP bei Ostasiatinnen und zieht Vergleiche zu Europäerinnen, um die Ätiologie im Kontext des genetischen Hintergrunds und der Evolution zu verstehen.
Methoden: Die Autor*innen führten die bisher größte genomweite Assoziationsstudie zur Gesamtgallensäure (total serum bile acid, TBA) im Nüchternserum und ICP bei 98.269 chinesischen Schwangeren durch. Die Ergebnisse wurden in 3 Kohorten repliziert und mit europäischen Populationen verglichen. Zusätzlich wurden phänomweite Assoziationsanalysen (phenome-wide association analyses, PheWAS) und spatiotemporale Evolutionsanalysen durchgeführt, um die Funktion und die Evolutionsmuster der mit ICP assoziierten Loci zu untersuchen.
Ergebnisse: Es wurden 8 Loci für Nüchtern-TBA und 4 für ICP identifiziert, darunter 10 neue Loci. Insbesondere wurde ein für Ostasien spezifischer Locus innerhalb einer 0,4 Mbp großen Region auf 14q24.1 entdeckt, der das Nüchtern-TBA um 6,12 μmol/l und das ICP-Risiko um das 16,56-Fache pro Risiko-Allel erhöht (95% Konfidenzintervall: 16,43–16,69; p = 7,06 × 10-381). PheWAS und spatiotemporale Evolutionsanalysen ergaben, dass dieser ICP-Risikolocus 14q24.1 eine Resistenz gegen Hepatitis B verleiht und sich innerhalb der letzten 3000 Jahre in Ost- und Südostasien verbreitet hat.
Schlussfolgerungen: Das Autorenteam entdeckte eine eigenständige genetische Ätiologie der intrahepatischen Schwangerschaftscholestase (intrahepatic cholestasis of pregnancy, ICP) bei Ostasiatinnen, die wahrscheinlich mit einer historischen HBV-Epidemie in Ost- und Südostasien innerhalb der letzten 3000 Jahre zusammenhängt. Diese Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse über die Pathophysiologie der ICP und zeigen ein Potenzial für die präzisere Erkennung, Bewertung und Behandlung der Erkrankung auf.