Leber und Gallenwege
J Hepatol. 2024;81(6):930-940
Low-to-moderate alcohol consumption is associated with increased fibrosis in individuals with metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease
Geringer bis mäßiger Alkoholkonsum ist bei Personen mit metabolische Dysfunktion-assoziierter steatotischer Lebererkrankung mit erhöhter Fibrose assoziiert
Hintergrund und Ziele: Sowohl metabolische Dysfunktion als auch Alkoholkonsum führen zu steatotischer Lebererkrankung (steatotic liver disease, SLD). Die Unterscheidung zwischen der metabolische Dysfunktion-assoziierten SLD (metabolic dysfunction-associated SLD, MASLD) und der metabolische Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung mit erhöhtem Alkoholgebrauch (metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease with increased alcohol intake, MetALD) basiert auf willkürlichen Schwellenwerten für den Alkoholkonsum. Daher untersuchten die Autor*innen die Auswirkungen verschiedener Grade des Alkoholkonsums auf den Schweregrad der SLD und deren Interaktion mit metabolischen Komorbiditäten.
Methoden: Das Autorenteam führte eine bevölkerungsbasierte Studie anhand von Daten aus Spanien (Ableitungskohorte) und den USA (Validierungskohorte) durch, die mittels transienter Elastografie ermittelt worden waren. Zur Definition von SLD wurde ein kontrollierter Dämpfungsparameter (controlled attenuation parameter) von ≥ 275 dB/m verwendet. MASLD war definiert als Vorliegen mindestens eines kardiometabolischen Risikofaktors. Bei Patient*innen mit MASLD war geringer Alkoholkonsum als durchschnittlich 5–9 alkoholische Getränke/Woche, mäßiger Konsum als 10–13 alkoholische Getränke/Woche bei Frauen bzw. 10–20 alkoholische Getränke/Woche bei Männern und erhöhter Alkoholkonsum (MetALD) als 14–35 alkoholische Getränke/Woche bei Frauen bzw. 21–42 Getränke/Woche bei Männern definiert. Signifikante Fibrose war als Lebersteifigkeit ≥ 8 kPa definiert und metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (metabolic dysfunction-associated steatohepatitis, MASH) mit erhöhtem Risiko als FAST-Score ≥ 0,35.
Ergebnisse: Die Ableitungskohorte umfasste 2227 Teilnehmer*innen mit MASLD (von denen 9% einen geringen und 14% einen mäßigen Alkoholkonsum angaben) und 76 Fälle mit MetALD. Die Gesamtprävalenz der Fälle mit signifikanter Fibrose und MASH mit erhöhtem Risiko betrug 7,6% bzw. 14,8%. In der multivariaten Analyse war Alkoholkonsum unabhängig voneinander mit signifikanter Fibrose und MASH mit erhöhtem Risiko assoziiert. Es zeigte sich ein dosisabhängiger Anstieg der Prävalenz von signifikanter Fibrose und MASH mit erhöhtem Risiko in Bezug auf die Anzahl der Getränke/Woche und die Anzahl der kardiometabolischen Faktoren. Die Validierungskohorte umfasste 1732 Teilnehmer*innen mit MASLD, von denen 17% eine signifikante Fibrose und 13% eine MASH mit erhöhtem Risiko aufwiesen. In dieser Kohorte wurde der Zusammenhang zwischen mäßigem Konsum und MASLD mit Progressionsrisiko validiert (Odds-Ratio = 1,69, 95% Konfidenzintervall: 1,06–2,71).
Schlussfolgerungen: Ein mäßiger Alkoholkonsum wird bei metabolische Dysfunktion-assoziierter steatotischer Lebererkrankung (MASLD) häufig beobachtet und erhöht das Risiko einer fortschreitenden Erkrankung ähnlich stark wie bei metabolischer Dysfunktion-assoziierter steatotischer Lebererkrankung mit erhöhtem Alkoholgebrauch (MetALD).