Ösophagus bis Dünndarm
Lancet Gastroenterol Hepatol. 2024;9(3):229–37
Global, regional, and national lifetime risks of developing and dying from gastrointestinal cancers in 185 countries: A population-based systematic analysis of GLOBOCAN
Globale, regionale und nationale Lebenszeitrisiken, Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts zu entwickeln und daran zu versterben in 185 Ländern: eine bevölkerungsbasierte systematische Analyse von GLOBOCAN
Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts sind für ein Viertel der weltweiten Krebsinzidenz und ein Drittel der krebsbedingten Todesfälle verantwortlich. Die Autor*innen wollten für das Jahr 2020 das lebenslange Risiko abschätzen, Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts zu entwickeln und daran zu versterben, und zwar auf der Ebene einzelner Länder, weltweiter Regionen und global. Für diese bevölkerungsbasierte systematische Analyse haben die Autor*innen von GLOBOCAN Schätzungen zur Inzidenz und zur Sterblichkeitsrate von Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts für 185 Länder sowie Gesamtmortalitäts- und Bevölkerungsdaten von den Vereinten Nationen erhalten. Die Länder wurden in Quartile des Human Development Index (HDI) eingeteilt. Das lebenslange Risiko für Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts wurde mit einer Standardmethode geschätzt, die zahlreiche Vorerkrankungen berücksichtigt, unter Beachtung konkurrierender Sterberisiken durch andere Ursachen als Krebs und der Lebenserwartung. Das globale Lebenszeitrisiko, von der Geburt bis zum Tod Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts zu entwickeln und daran zu versterben, betrug im Jahr 2020 8,20% (95% Konfidenzintervall [CI]: 8,18–8,21) und 6,17% (95% CI: 6,16–6,18). Bei Männern betrug das Risiko, Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts zu entwickeln, 9,53% (95% CI: 9,51–9,55) und das Risiko, daran zu versterben, 7,23% (95% CI: 7,22–7,25). Bei Frauen betrug das Risiko, Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts zu entwickeln, 6,84% (95% CI: 6,82–6,85) und das Risiko, daran zu versterben, 5,09% (95% CI: 5,08–5,10). Darmkrebs stellte das höchste Risiko dar und machte 38,5% des gesamten lebenslangen Risikos, Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts zu entwickeln, und 28,2% daran zu versterben aus, gefolgt von Krebserkrankungen des Magens, der Leber, der Speiseröhre, der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase. Ostasien hat das höchste Lebenszeitrisiko für Magen-, Leber-, Speiseröhren- und Gallenblasenkrebs, Australien und Neuseeland für Darmkrebs und Westeuropa für Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das lebenslange Risiko für Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts stieg mit zunehmendem HDI-Spiegel stetig an. Allerdings hatten Länder mit hohem HDI (drittes HDI-Quartil) das höchste Sterberisiko.
Das globale lebenslange Risiko für Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts lässt sich insofern umsetzen, dass jeder 12. Mensch daran erkrankt und jeder 16. Mensch daran verstirbt. Das festgestellte hohe Risiko und die beobachteten Unterschiede zwischen den Ländern rechtfertigen eine kontextspezifische, gezielte Kontrolle von Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts und eine entsprechende Planung in den Gesundheitssystemen.