Ösophagus bis Dünndarm
Lancet. 2025;405(10481):813-838
Global, regional, and national prevalence of adult overweight and obesity, 1990–2021, with forecasts to 2050: A forecasting study for the Global Burden of Disease Study 2021
Globale, regionale und nationale Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen von 1990 bis 2021, mit Prognosen bis 2050: eine Prognosestudie zur Global Burden of Disease Study 2021
Hintergrund: Übergewicht und Adipositas sind eine globale Epidemie. Die Vorhersage zukünftiger Entwicklungen dieser Epidemie ist entscheidend, um eine Evidenzbasis für gesundheitspolitische Veränderungen zu schaffen. In dieser Studie wurden die historischen Trends der globalen, regionalen und nationalen Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen von 1990 bis 2021 untersucht und die zukünftige Entwicklung bis 2050 prognostiziert.
Methoden: Es wurde die bewährte Methodik der Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors Study angewandt und damit die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Personen im Alter ab 25 Jahren nach Alter und Geschlecht für 204 Länder und Gebiete im Zeitraum 1990–2050 geschätzt. Retrospektive und aktuelle Prävalenztrends wurden auf der Grundlage von selbstberichteten und erhobenen anthropometrischen Daten abgeleitet, die aus 1350 unterschiedlichen Quellen stammen, darunter Mikrodaten und Berichte aus Umfragen sowie veröffentlichte Literatur. Es wurde eine spezifische Anpassung zum Ausgleich des Selbstberichtfehlers vorgenommen. Für die Datensynthese wurden spatiotemporale Gauß-Prozess-Regressionsmodelle verwendet, um sowohl die räumliche als auch die zeitliche Korrelation der epidemiologischen Trends zu nutzen und so die Vergleichbarkeit der Ergebnisse über Ort und Zeit hinweg zu optimieren. Zur Erstellung von Prognoseschätzungen wurden Prognosen des soziodemografischen Index und Muster zeitlicher Korrelation herangezogen, die als annualisierte Veränderungsrate dargestellt wurden, um zukünftige Entwicklungen zu prognostizieren. Dabei wurde ein Referenzszenario betrachtet, bei dem die Fortsetzung der historischen Trends angenommen wurde.
Erkenntnisse: Die Raten von Übergewicht und Adipositas sind zwischen 1990 und 2021 auf globaler und regionaler Ebene und in allen Nationen gestiegen. Im Jahr 2021 hatten schätzungsweise 1,00 Milliarden (95% Unsicherheitsintervall [UI]: 0,989–1,01) erwachsene Männer und 1,11 Milliarden (95% UI: 1,10–1,12) erwachsene Frauen Übergewicht und Adipositas. China wies die größte Anzahl von Erwachsenen mit Übergewicht und Adipositas auf (402 Millionen [397–407] Personen), gefolgt von Indien (180 Millionen [167–194]) und den USA (172 Millionen [169–174]). Die höchste altersstandardisierte Prävalenz von Übergewicht und Adipositas wurde in den Ländern Ozeaniens, Nordafrikas und des Nahen Ostens beobachtet, wobei viele dieser Länder eine Prävalenz von mehr als 80% bei Erwachsenen angaben. Im Vergleich zu 1990 war die globale Prävalenz von Adipositas bei Männern um 155,1% (95% UI: 149,8–160,3) und bei Frauen um 104,9% (95% UI: 100,9–108,8) gestiegen. Der rascheste Anstieg der Adipositas-Prävalenz wurde in Nordafrika und der Großregion Nahost beobachtet, wo sich die Raten der altersstandardisierten Prävalenz bei Männern mehr als verdreifachten und bei Frauen mehr als verdoppelten. Unter der Annahme, dass sich die historischen Trends fortsetzen, wurde in der Studie prognostiziert, dass bis zum Jahr 2050 eine Gesamtzahl von 3,80 Milliarden (95% UI: 3,39–4,04) Erwachsenen mit Übergewicht und Adipositas erreicht wird, also mehr als die Hälfte der zu diesem Zeitpunkt voraussichtlich erwachsenen Weltbevölkerung. Während China, Indien und die USA weiterhin einen großen Anteil der Weltbevölkerung mit Übergewicht und Adipositas ausmachen werden, wird die Zahl in der Großregion Subsahara-Afrika voraussichtlich um 254,8% (234,4–269,5) steigen. Insbesondere für Nigeria wird prognostiziert, dass die Zahl der Erwachsenen mit Übergewicht und Adipositas bis 2050 auf 141 Millionen (121–162) ansteigen wird. Damit wäre Nigeria das Land mit der viertgrößten Bevölkerung mit Übergewicht und Adipositas.
Interpretation: Bislang ist es keinem Land gelungen, den Anstieg der Raten von Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen einzudämmen. Ohne sofortige und wirksame Maßnahmen werden Übergewicht und Adipositas weltweit weiter zunehmen. Besonders für Asien und Afrika wird prognostiziert, dass die Zahl der Menschen mit Übergewicht und Adipositas aufgrund des Bevölkerungswachstums erheblich zunehmen wird. Diese Regionen werden mit einem beträchtlichen Anstieg an Adipositas-assoziierter Krankheitslast konfrontiert sein. Adipositas lediglich als globales Gesundheitsproblem anzuerkennen, wäre seitens der für globale Gesundheit und öffentliche Gesundheit Verantwortlichen fahrlässig; es sind aggressivere und gezielte Maßnahmen erforderlich, um diese Krise anzugehen, da Adipositas eines der vorrangigen vermeidbaren Gesundheitsrisiken ist – sowohl jetzt als auch in Zukunft – und eine beispiellose Bedrohung durch vorzeitige Erkrankungen und Todesfälle auf lokaler, nationaler und globaler Ebene darstellt.