Leber und Gallenwege
Gut. 2024;73(10):1725–36
High accuracy model for HBsAg loss based on longitudinal trajectories of serum qHBsAg throughout long-term antiviral therapy
Hochgradig genaues Modell zur Ermittlung der HBsAg-Verlustwahrscheinlichkeit auf Grundlage longitudinaler Verläufe des qHBsAg-Serumtiters unter antiviraler Langzeittherapie
Zielsetzung: Das optimale Behandlungsergebnis für Patient*innen mit chronischer Hepatitis B (CHB) ist der Verlust des Hepatitis-B-Oberflächenantigens (HBsAg), doch dieses Ergebnis wird mit den derzeit zugelassenen Therapien selten erzielt. Das Ziel dieser Arbeit war die Entwicklung und Validierung eines Prognosemodells für den HBsAg-Verlust bei der Behandlung unter Verwendung von Längsschnittdaten aus einer großen, prospektiv nachbeobachteten, landesweiten Kohorte.
Studiendesign: Es wurden CHB-Patient*innen unter antiviraler Behandlung mit Nukleos(t)idanaloga aus 50 Zentren in China eingeschlossen. Zur Bestimmung des quantitativen HBsAg (qHBsAg) wurden prospektiv halbjährliche Tests gemäß Protokoll durchgeführt. Die im Laufe der Nachbeobachtungszeit gesammelten klinischen Daten aller Patient*innen wurden für die Entwicklung eines Algorithmus zur Diskriminanzanalyse von Längsschnittdaten genutzt, mit dessen Hilfe die Inzidenz des HBsAg-Verlusts geschätzt wurde.
Ergebnisse: Die Analyse umfasste insgesamt 6792 CHB-Patient*innen, die 41,3 (Interquartilenabstand [IQR]: 7,6–107,6) Monate vor Einschluss mit einer antiviralen Therapie begonnen hatten und bei denen der mediane qHBsAg-Wert bei Aufnahme in die Studie 2,9 (IQR: 2,3–3,3) log10 E/ml betrug. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 65,6 (IQR: 51,5–84,7) Monaten lag die kumulierte 5-Jahres-Inzidenz des HBsAg-Verlusts bei 2,4%. Es wurde ein Vorhersagemodell mit dem Namen GOLDEN-Modell entwickelt und validiert, das sämtliche qHBsAg-Werte aller Patient*innen aus dem Nachbeobachtungszeitraum beinhaltete. Die AUC-Werte des GOLDEN-Modells lagen bei 0,981 (95% Konfidenzintervall [CI]: 0,974–0,987) bzw. 0,979 (95% CI: 0,974–0,983) in den Trainingsdatensätzen bzw. externen Validierungsdatensätzen und waren signifikant besser als die einer einzelnen qHBsAg-Messung. Anhand des GOLDEN-Modells konnten 8,5–10,4% der Patient*innen mit hoher Wahrscheinlichkeit für einen HBsAg-Verlust (kumulierte 5-Jahres-Inzidenz: 17,0–29,1%) identifiziert und 89,6–91,5% jener Patient*innen ausgeschlossen werden, bei denen die Inzidenz für einen HBsAg-Verlust bei 0 lag. Außerdem zeigte das GOLDEN-Modell durchgängig ausgezeichnete Leistungsfähigkeit in verschiedenen Untergruppen.
Schlussfolgerung: Das neuartige GOLDEN-Modell auf Basis von quantitativen Hepatitis-B-Oberflächenantigen(qHBsAg)-Längsschnittdaten sagt die HBsAg-Elimination genau vorher; es liefert zuverlässige Schätzungen für die funktionelle Heilung der Hepatitis-B-Virus(HBV)-Infektion und könnte das Potenzial zur Klassifizierung verschiedener Patient*innen-Untergruppen für neuartige HBV-Therapien haben.