Dickdarm bis Rektum

Lancet Gastroenterol Hepatol. 2024;9(11):981–96

Intensified versus standard dose infliximab induction therapy for steroid-refractory acute severe ulcerative colitis (PREDICT-UC): An open-label, multicentre, randomised controlled trial

Choy MC, Li Wai Suen CFD, Con D, Boyd K, Pena R, Burrell K, Rosella O, Proud D, Brouwer R, Gorelik A, Liew D, Connell WR, Wright EK, Taylor KM, Pudipeddi A, Sawers M, Christensen B, Ng W, Begun J, Radford-Smith G, Garg M, Martin N, van Langenberg DR, Ding NS, Beswick L, Leong RW, Sparrow MP, De Cruz P

Intensivierte versus Standarddosis-Induktionstherapie mit Infliximab bei schwerer akuter steroidrefraktärer Colitis ulcerosa (PREDICT-UC): eine unverblindete, randomisierte, kontrollierte Multizenterstudie


Hintergrund: Die optimale Dosierungsstrategie für Infliximab bei schwerer akuter steroidrefraktärer Colitis ulcerosa (acute severe ulcerative colitis, ASUC) ist nicht bekannt. Die Autor*innen verglichen bei ASUC-Patient*innen Rescue-Strategien mit intensivierter Infliximab-Dosierung mit Infliximab in Standarddosierung und untersuchten Erhaltungstherapien nach der Infliximab-Induktion.
Methoden: In dieser unverblindeten, randomisierten, kontrollierten Multizenterstudie wurden gegen intravenöse Steroidtherapie refraktäre ASUC-Patient*innen ab 18 Jahren aus 13 australischen Krankenhäusern der Tertiärversorgung nach dem Zufallsprinzip (1:2) einer Behandlung mit einer Initialdosis von 10 mg/kg Infliximab oder 5 mg/kg Infliximab zugewiesen (Randomisierung 1). Die Zuteilung erfolgte mittels Block-Randomisierung und wurde nach Thiopurin-Exposition in der Vorgeschichte und nach Studienzentrum stratifiziert, wobei die verdeckte Zuteilung durch computergenerierte Randomisierung erhalten blieb. Die Patient*innen in der Gruppe unter 10 mg/kg (intensivierte Induktionsstrategie [IIS]) erhielten eine zweite Dosis an Tag 7 bzw. früher zum Zeitpunkt des Nichtansprechens; alle Patient*innen in der Gruppe, die 5 mg/kg erhielt, wurden zwischen Tag 3 und Tag 7 erneut randomisiert (1:1; Randomisierung 2), und zwar entweder in die Gruppe für die Standard-Induktionsstrategie (SIS) oder die Gruppe für die akzelerierte Induktionsstrategie (AIS). Somit wurden insgesamt 3 Induktionsgruppen untersucht. Die Patient*innen in der SIS-Gruppe erhielten 5 mg/kg Infliximab in Woche 0, 2 und 6, und bei Nichtansprechen eine zusätzliche Dosis von 5 mg/kg zwischen Tag 3 und 7. Die Patient*innen in der AIS-Gruppe erhielten 5 mg/kg Infliximab in Woche 0, 1 und 3, und bei Nichtansprechen in Woche 1 eine auf 10 mg/kg erhöhte Dosis an Tag 3 und 7. Der primäre Endpunkt war ein klinisches Ansprechen bis Tag 7 (Lichtinger-Score < 10 mit Senkung um ≥ 3 Punkte im Vergleich zum Ausgangswert, Verbesserung der Rektalblutung, und auf ≤ 4 Stuhlgänge pro Tag verringerte Stuhlfrequenz). Die sekundären Endpunkte dienten zur Beurteilung der Ergebnisse bis Tag 7 und die explorativen Ergebnisse zum Vergleich der Induktionsschemata bis Monat 3. Ab Monat 3 wurde anhand der Therapievorgeschichte eine Erhaltungstherapie ausgewählt, und zwar Thiopurin-Monotherapie, Kombinationstherapie mit Infliximab und Thiopurin, oder Infliximab-Monotherapie, mit Follow-up im Rahmen einer Kohortenstudie bis Monat 12. Zur Analyse wurde die Intention-to-Treat-Population herangezogen.
Erkenntnisse: Zwischen dem 20. Juli 2016 und dem 24. September 2021 wurden 138 Patient*innen randomisiert (63 Frauen [46%] und 75 Männer [54%]); 46 erhielten als Initialdosis 10 mg/kg Infliximab und 92 erhielten 5 mg/kg Infliximab. Nach der Randomisierung 1 beobachtete das Autorenteam keinen signifikanten Unterschied beim Anteil der Patient*innen mit klinischem Ansprechen bis Tag 7 zwischen der Gruppe unter 10 mg/kg und den Gruppen unter 5 mg/kg (30/46 [65%] vs. 56/92 [61%], p = 0,62; um Thiopurin-Behandlung in der Vorgeschichte angepasstes Risikoverhältnis: 1,06 [95% Konfidenzintervall: 0,94–1,20], p = 0,32). Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den sekundären Endpunkten, einschließlich der Zeit bis zum klinischen Ansprechen oder zur Veränderung des Lichtiger-Scores im Vergleich zum Ausgangswert bis Tag 7. Bei 2 Patient*innen unter 10 mg/kg Infliximab wurde innerhalb der ersten 7 Tage eine Kolektomie durchgeführt, in der Gruppe unter 5 mg/kg trat kein solcher Fall auf (p = 0,21). Es traten 3 schwerwiegende unerwünschte Ereignisse bei 3 Patient*innen sowohl in der Gruppe unter 10 mg/kg als auch in der Gruppe unter 5 mg/kg auf. Nach der Randomisierung 2 unterschieden sich beim Vergleich der Gruppen die Anteile derjenigen Patient*innen mit klinischem Ansprechen an Tag 14 (34/46 [74%] in der IIS-Gruppe, 35/48 [73%] in der AIS-Gruppe und 30/44 [68%] in der SIS-Gruppe, p = 0,81), mit klinischer Remission in Monat 3 (23 [50%], 25 [52%], 21 [48%], p = 0,92), mit steroidfreier Remission in Monat 3 (19 [41%], 20 [42%], 18 [41%], p = 1,0), endoskopischer Remission in Monat 3 (21 [46%], 22 [46%], 21 [48%], p = 0,98), und mit Kolektomie in Monat 3 (3/45 [7%], 9/47 [19%], 5/43 [12%], p = 0,20) nicht signifikant. Zwischen Tag 8 und Monat 3 lag der Anteil der Patient*innen mit mindestens einem möglicherweise mit Infliximab assoziierten unerwünschten Ereignis in Form einer Infektion bei 2 von 46 (4%) in der IIS-Gruppe, bei 8 von 48 (17%) in der AIS-Gruppe und bei 8 von 44 (18%) in SIS-Gruppe (p = 0,082). Während der Studie traten keine Todesfälle auf.

Interpretation: Infliximab ist eine sichere und wirksame Rescue-Therapie bei schwerer akuter Colitis ulcerosa (ASUC). Bei steroidrefraktärer ASUC war eine Initialdosis von 10 mg/kg Infliximab einer Initialdosis von 5 mg/kg Infliximab hinsichtlich des klinischen Ansprechens bis Tag 7 nicht überlegen. Der Vergleich von intensivierten, akzelerierten und Standard-Induktionsschemata ergab keine signifikanten Unterschiede im klinischen Ansprechen bis Tag 14 oder in den Remissions- oder Kolektomieraten bis Monat 3.

P. De Cruz, Department of Gastroenterology, Austin Health, Melbourne, VIC, Australien, E-Mail: p.decruz@unimelb.edu.au

DOI:  10.1016/s2468-1253(24)00200-0

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