Ösophagus bis Dünndarm
Gut. 2024;73(12):1944-1952
Clinical outcomes of potential coeliac disease: A systematic review and meta-analysis
Klinische Ergebnisse einer potenziellen Zöliakie: Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse
Zielsetzung: Die potenzielle Zöliakie (potential coeliac disease, PCD) ist gekennzeichnet durch positive serologische und genetische Zöliakie-Marker bei gleichzeitig intakter Architektur der Duodenalschleimhaut. Die klinischen Ergebnisse und die Rate der Progression zur symptomatischen Zöliakie bei Patient*innen mit PCD sind nach wie vor ungeklärt. Mit dieser systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse wollte das Autorenteam die klinischen Ergebnisse von Patient*innen mit PCD bewerten.
Studiendesign: Die Autor*innen recherchierten in Medline, Embase, Scopus und Cochrane Library, um Studien aus dem Zeitraum 1991 bis Mai 2024 zu identifizieren, in denen die klinischen Ergebnisse von Patient*innen mit PCD bewertet wurden. Untersucht wurden die Progressionsraten bis zur Zottenatrophie, die Serokonversion und das Ansprechen auf eine glutenfreie Ernährung (gluten-free diet, GFD). Es wurde eine Metaanalyse unter Anwendung eines Modells mit zufälligen Effekten durchgeführt, und die Ergebnisse wurden als gepoolte Proportionen mit 95% Konfidenzintervallen (CIs) angegeben.
Ergebnisse: 17 Studien mit 1010 an PCD erkrankten Patient*innen wurden in die endgültigen Analysen einbezogen. Die gepoolte Prävalenz von PCD bei Patient*innen mit Verdacht auf Zöliakie betrug 16% (95% CI: 10–22%). Die Nachbeobachtungszeit betrug in den meisten Studien mindestens 1 Jahr, wobei die Nachbeobachtungszeiträume der einzelnen Studien zwischen 5 Monaten und 13 Jahren lang waren. Während der Nachbeobachtung entwickelten 33% (95% CI: 18–48%; I2 = 96,4%) der Patient*innen mit PCD unter einer glutenhaltigen Diät eine Zottenatrophie, und bei 33% (95% CI: 17–48%; I2 = 93,0%) normalisierten sich die serologischen Werte. Von denjenigen, die eine GFD einhielten, berichteten 88% (95% CI: 79–97%; I2 = 93,2%) über eine Verbesserung der Symptome.
Schlussfolgerung: Fast ein Drittel der Patient*innen mit potenzieller Zöliakie (potential coeliac disease, PCD) entwickelt im Laufe der Zeit eine Zottenatrophie, während sich bei einem ähnlichen Anteil die Serologie trotz einer glutenhaltigen Diät normalisiert. Die meisten symptomatischen Patient*innen profitieren von einer glutenfreien Diät. Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine strukturierte Nachbeobachtung und ein individuelles Management für Patient*innen mit PCD sind.