Dickdarm bis Rektum

Inflamm Bowel Dis. 2024;30(8):1233–40

Micronutrient status and prediction of disease outcome in adults with inflammatory bowel disease receiving biologic therapy

Brownson E, Saunders J, Jatkowska A, White B, Gerasimidis K, Seenan JP, Macdonald J

Mikronährstoffstatus und Vorhersage des Therapieergebnisses bei Erwachsenen mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung unter Biologika-Therapie


Hintergrund und Ziele: Mikronährstoffmangel tritt bei Patient*innen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) häufig auf, aber es ist weitgehend unbekannt, ob er in Zusammenhang mit den Therapieergebnissen steht. In dieser Studie wurden der Mikronährstoffstatus von Erwachsenen mit CED unter Biologika-Therapie ermittelt und prädiktive Zusammenhänge mit den Therapieergebnissen untersucht.
Methoden: Im Blut von 216 erwachsenen CED-Patient*innen unter Biologika-Therapie wurden 17 Mikronährstoffe gemessen. 127 (58%) davon hatten Morbus Crohn und die Mehrheit (70%) erhielt eine Behandlung mit Infliximab. Die Patient*innen wurden 12 Monate lang nachbeobachtet. Dabei wurden Daten zum Auftreten von unerwünschten klinischen Ergebnissen (z. B. erforderliche Behandlung mit Kortikosteroiden, stationäre Behandlung oder operativer Eingriff) aufgezeichnet und in Verbindung mit dem Mikronährstoffstatus beurteilt.
Ergebnisse: In der gesamten Studienpopulation wurde ein Mangel am häufigsten bei Vitamin C (n = 35/212 [16,5%]), Ferritin (n = 27/189 [14,3%]), Folat (n = 24/171 [14,0%]) und Zink (n = 27/210 [12,9%]) verzeichnet. Während des Nachbeobachtungszeitraums trat bei 22 (10%) der 216 Patient*innen mindestens 1 unerwünschtes klinisches Ergebnis auf. Patient*innen mit M. Crohn und Zinkmangel benötigten signifikant eher einen operativen Eingriff (p = 0,002) oder eine Behandlung mit Kortikosteroiden (p < 0,001). Dagegen trat bei Patient*innen mit Colitis ulcerosa und Selenmangel signifikant eher ein klinischer Krankheitsschub auf (p = 0,001), während das bei den Patient*innen mit M. Crohn nicht der Fall war. Dieser Zusammenhang mit Selen war auch nach Ausgleich für Störfaktoren noch signifikant.

Schlussfolgerungen: Bei einem wesentlichen Anteil der Erwachsenen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) liegt ein Mangel an bestimmten Mikronährstoffen vor. Dabei sind Selen- und Zinkmangel Prädiktoren für unerwünschte Therapieergebnisse. Bei anderen Mikronährstoffen trat ein Mangel seltener auf, weshalb ein routinemäßiges Screening nicht gerechtfertigt sein dürfte. Die Wirkung einer Ergänzung von Mikronährstoffen hinsichtlich einer Veränderung der Therapieergebnisse bei CED sollte in Interventionsstudien näher untersucht werden.

E. Brownson, Department of Gastroenterology, Queen Elizabeth University Hospital, Glasgow, Schottland, E-Mail: emily.brownson@ggc.scot.nhs.uk

DOI:  10.1093/ibd/izad174

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