Dickdarm bis Rektum

Gut. 2025;74(12):1977-1988

Crohn’s disease and ulcerative colitis exhibit prediagnostic antibody signatures with shared and divergent changes towards disease onset

Bourgonje AR, Andreu-Sánchez S, Gacesa R, Innocenti G, Kalka IN, Klompus S, Leviatan S, Schlesinger Y, Krongauz D, Weinberger A, van der Vegt B, Fu J, Segal E, Zhernakova A, Vogl T, Weersma RK

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa weisen prädiagnostische Antikörpersignaturen mit gemeinsamen und voneinander abweichenden Veränderungen beim Übergang zur manifesten Erkrankung auf


Hintergrund: Es ist bekannt, dass die Entwicklung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) mit frühzeitigen immunologischen Veränderungen einhergeht. Die Veränderungen in den Repertoires der Antikörper-Epitope beim Übergang von der prädiagnostischen Phase zur Krankheitsmanifestation werden allerdings noch nicht vollständig verstanden.
Zielsetzung: In dieser Studie wurden die systemischen Antikörperantworten bei Patient*innen mit CED vor und nach der Krankheitsmanifestation umfassend charakterisiert, um prädiagnostische Krankheitsbiomarker zu identifizieren.
Studiendesign: Im Rahmen von Lifelines, einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie, in der Längsschnittproben von 167.000 Personen über einen Zeitraum von ca. 15 Jahren entnommen und aufbewahrt werden, wurden 178 Personen identifiziert, bei denen Blutproben sowohl vor als auch nach Manifestation der CED gewonnen wurden. In diesen Serumproben aus der Zeit vor und nach der Diagnosestellung (medianer Zeitraum: 3,9 Jahre) wurde mithilfe der Phagen-Display-Immunpräzipitationssequenzierung (PhIP-Seq) ein Profil des Antikörper-Epitop-Repertoires gegen 344.000 rational ausgewählte mikrobielle Antigene, Nahrungsmittel- und Immunantigene erstellt.
Ergebnisse: Nach der Diagnose wurde ein Rückgang der Antikörper gegen Herpesviren festgestellt, insbesondere gegen das Epstein-Barr-Virus und das Varicella-Zoster-Virus, während Antikörper gegen bestimmte Enteroviren, einschließlich des Adenovirus C und der Enterovirus-Typen B und C, erhöht waren. Bereits vor der Diagnose wiesen Personen, die später an Morbus Crohn erkrankten, eine erhöhte Antikörperreaktivität gegen Flagelline sowohl von kommensalen als auch von pathogenen Bakterien auf. Dieses für M. Crohn spezifische Profil trat nach der Diagnose noch ausgeprägter hervor, was darauf hindeutet, dass sich bereits Jahre vor Manifestation der Krankheit CED-spezifische Antikörperantworten entwickeln.

Schlussfolgerung: Diese Studie ist die erste umfassende, hochauflösende Analyse des genauen Antigenprofils der systemischen Antikörperantworten beim Übergang von der prädiagnostischen zur manifesten chronisch entzündlichen Darmerkrankung. Die hier ermittelten Antikörpersignaturen könnten einen Ansatz zur Entwicklung von Biomarkern bieten, mit deren Hilfe sich Personen mit einem hohen Erkrankungsrisiko identifizieren lassen.

T. Vogel, Center for Cancer Research, Medical University of Vienna, Vienna, Austria, e-mail: thomas.vogl@meduniwien.ac.at
oder
R.K. Weersma, Department of Gastroenterology and Hepatology, University of Groningen, University Medical Centre Groningen, Groningen, The Netherlands, e-mail: r.k.weersma@umcg.nl

DOI:  10.1136/gutjnl-2024-334362

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