Ösophagus bis Dünndarm
Clin Gastroenterol Hepatol. 2025;23(4):612-620.e10
After surgically induced remission, ileal and colonic mucosa-associated microbiota predicts Crohn’s disease recurrence
Nach chirurgisch induzierter Remission eignen sich Ileum- und Kolonmukosa-assoziierte Mikrobiota zur Prognose von Morbus-Crohn-Rezidiven
Hintergrund und Ziele: Die Untersuchung der gewebeassoziierten Mikrobiota nach chirurgisch induzierter Remission kann zu einem besseren Verständnis der Mechanismen beitragen, welche bei Morbus Crohn eine Darmentzündung auslösen.
Methoden: In 6 akademischen Zentren wurden prospektiv Patient*innen mit M. Crohn rekrutiert, die sich einer Ileozökalresektion unterzogen hatten. Bei postoperativ durchgeführten Koloskopien wurden Biopsieproben aus dem neoterminalen Ileum, dem Kolon und dem Rektosigmoid entnommen. Für die 16S-rRNA-Gensequenzierung wurde mikrobielle DNA extrahiert. Die mikrobielle Vielfalt und die unterschiedliche relative Abundanz von Taxa wurden analysiert. Ein Random-Forest-Modell wurde angewendet, um die Aussagekraft klinischer und mikrobieller Merkmale für die Prognose eines Rezidivs zu analysieren. Ein Rutgeerts-Score ≥ i2 galt als endoskopisch nachweisbares Rezidiv.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 349 postoperative Koloskopien und 944 Biopsieproben von 262 Patient*innen mit M. Crohn analysiert. Überwiegend ließ sich die erklärte Varianz der Ileum- und Kolonmuskosa-assoziierten Mikrobiota auf Entzündungen des Ileums zurückführen. Proben von 97 Patient*innen, die sich bei der ersten postoperativen Koloskopie in chirurgisch induzierter Remission befanden und bei der zweiten Koloskopie ein endoskopisch nachweisbares Rezidiv entwickelt hatten, wiesen im Vergleich zu jenen von Patient*innen, die in endoskopisch nachweisbarer Remission blieben, eine geringere Diversität sowie mikrobielle Abweichungen auf. Die Depletion der Gattung Anaerostipes und die Zunahme mehrerer Gattungen aus der Klasse der Gammaproteobacteria an den 3 Biopsiestellen erhöhen das Risiko eines erneuten Rezidivs. Anhand des intestinalen Mikrobioms ließ sich ein zukünftiges Rezidiv besser prognostizieren als mittels klinischer Merkmale.
Schlussfolgerungen: Abweichungen im Mikrobiom der Ileum- und Kolonmukosa gehen der Entwicklung einer neu auftretenden Entzündung des Ileums nach chirurgisch induzierter Remission voraus und zeigen eine gute Vorhersagekraft für ein zukünftiges Rezidiv. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die gezielte mikrobielle Modulation eine plausible Methode zur Verhinderung eines postoperativen Rezidivs von Morbus Crohn darstellt.