Dickdarm bis Rektum

N Engl J Med. 2025;392(23):2297-2308

Nonoperative management of mismatch repair-deficient tumors

Cercek A, Foote MB, Rousseau B, Smith JJ, Shia J, Sinopoli J, Weiss J, Lumish M, Temple L, Patel M, Wilde C, Saltz LB, Argiles G, Stadler Z, Artz O, Maron S, Ku G, Gu P, Janjigian YY, Molena D, Iyer G, Coleman J, Abida W, Cohen S, Soares K, Schattner M, Strong VE, Yaeger R, Paty P, Shcherba M, Sugarman R, Romesser PB, Zervoudakis A, Desai A, Segal NH, El Dika I, Widmar M, Wei I, Pappou E, Fumo G, Aparo S, Gonen M, Gollub M, Jayaprakasam VS, Kim TH, Garcia Aguilar J, Weiser M, Diaz LA, Jr.

Nichtoperative Behandlung von Mismatch-Reparatur-defizienten Tumoren


Hintergrund: Bei einem Großteil von Patient*innen mit lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom mit defizienter Mismatch-Reparatur (mismatch repair-deficient, dMMR) konnte durch eine neoadjuvante Checkpoint-Inhibition eine Operation vermieden werden. Ob dieser Ansatz auf alle soliden dMMR-Tumoren im Frühstadium, unabhängig vom Tumorsitus, übertragen werden kann, ist nicht bekannt.
Methoden: In dieser Phase-II-Studie erhielten Patient*innen mit soliden dMMR-Tumoren im Stadium I, II oder III, bei denen eine Operation mit kurativer Absicht infrage kam, eine 6-monatige neoadjuvante Therapie mit Dostarlimab, einem Blocker des programmierten Zelltods 1 (PD-1). Das Ansprechen auf die Behandlung wurde in 2 Kohorten beurteilt: Die Patient*innen in Kohorte 1 wiesen ein lokal fortgeschrittenes dMMR-Rektumkarzinom auf, während die Patient*innen in Kohorte 2 nicht-rektale solide dMMR-Tumoren hatten. Patient*innen mit klinischer Komplettremission konnten sich für eine nichtoperative Weiterbehandlung entscheiden; bei Patient*innen mit einer Residualerkrankung sollte eine Resektion durchgeführt werden. In der vorliegenden Analyse war der in Kohorte 1 beurteilte primäre Endpunkt eine anhaltende klinische Komplettremission nach 12 Monaten. Bewertet wurden das rezidivfreie Überleben und die Sicherheit.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 117 Patient*innen in die Analyse einbezogen. In Kohorte 1 wiesen alle 49 Patient*innen, die die Behandlung abschlossen, eine klinische Komplettremission auf und entschieden sich für die nichtoperative Weiterbehandlung. Bei insgesamt 37 Patient*innen lag auch nach 12 Monaten noch eine anhaltende klinische Komplettremission und damit ein Ergebnis vor, das das Kriterium der Wirksamkeit erfüllte. In Kohorte 2 kam es bei insgesamt 35 von 54 Patient*innen, die die Behandlung abschlossen, zu einer klinischen Komplettremission, und 33 entschieden sich für eine nichtoperative Weiterbehandlung. Von den 103 Patient*innen beider Kohorten, die die Behandlung abschlossen, kam es bei 84 zu einer klinischen Komplettremission, und 82 unterzogen sich keinem operativen Eingriff. Bei den insgesamt 117 Patient*innen lag das rezidivfreie Überleben nach 2 Jahren bei 92% (95% Konfidenzintervall [CI]: 86–99); die mediane Nachbeobachtungszeit für ein Rezidiv betrug 20,0 Monate (Bereich: 0–60,8). Bei den meisten Patient*innen (95%) kam es entweder zu reversiblen unerwünschten Ereignissen des Grades 1 oder 2 (60%), oder es traten keine unerwünschten Ereignisse auf (35%). Die Möglichkeit einer kurativen Resektion war während oder nach der Behandlung in keinem der Fälle gefährdet.

Schlussfolgerungen: Bei Patient*innen mit soliden dMMR-Tumoren im Frühstadium, bei denen eine Operation mit kurativer Absicht infrage kam, führte die neoadjuvante PD-1-Inhibition bei einem Großteil zum Organerhalt.

A. Cercek and L.A. Diaz, Jr., Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York, USA, e-mail: cerceka@mskcc.org and e-mail: diaz15@mskcc.org

DOI:  10.1056/nejmoa2404512

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