Leber und Gallenwege

Lancet. 2025;405(10492):1851-1864

Nivolumab plus ipilimumab versus lenvatinib or sorafenib as first-line treatment for unresectable hepatocellular carcinoma (CheckMate 9DW): An open-label, randomised, phase 3 trial

Yau T, Galle PR, Decaens T, Sangro B, Qin S, da Fonseca LG, Karachiwala H, Blanc JF, Park JW, Gane E, Pinter M, Peña AM, Ikeda M, Tai D, Santoro A, Pizarro G, Chiu CF, Schenker M, He A, Chon HJ, Wojcik-Tomaszewska J, Verset G, Wang QQ, Stromko C, Neely J, Singh P, Jimenez Exposito MJ, Kudo M; CheckMate 9DW investigators

Nivolumab plus Ipilimumab versus Lenvatinib oder Sorafenib als Erstlinientherapie beim inoperablen hepatozellulären Karzinom (CheckMate 9DW): eine unverblindete, randomisierte Phase-III-Studie


Hintergrund: Patient*innen mit inoperablem hepatozellulärem Karzinom haben eine schlechte Prognose, und es werden Behandlungen mit langfristigem Nutzen benötigt. Es werden die Ergebnisse der vorab geplanten Zwischenanalyse der CheckMate-9DW-Studie vorgestellt, in welcher bei der Erstlinientherapie des inoperablen hepatozellulären Karzinoms Nivolumab plus Ipilimumab mit Lenvatinib oder Sorafenib verglichen werden.
Methoden: In die unverblindete, randomisierte Phase-III-Studie wurden an 163 Krankenhäusern und Krebszentren in 25 Ländern in Asien, Australien, Europa, Nordamerika und Südamerika Patient*innen im Alter ab 18 Jahren mit inoperablem hepatozellulärem Karzinom eingeschlossen, die zuvor noch keine systemische Therapie erhalten hatten. Die Patient*innen hatten mindestens 1 messbare unbehandelte Läsion gemäß Response Evaluation Criteria in Solid Tumours (RECIST) Version 1.1, einen Child-Pugh-Score von 5 oder 6 und einen Performance-Status gemäß Eastern Cooperative Oncology Group von 0 oder 1. Mithilfe eines Systems für interaktive Reaktionstechnologie erfolgte eine randomisierte Zuteilung (1:1) zu einer Behandlung mit entweder Nivolumab (1 mg/kg Körpergewicht) plus Ipilimumab (3 mg/kg Körpergewicht) intravenös alle 3 Wochen für bis zu 4 Dosen, gefolgt von Nivolumab 480 mg alle 4 Wochen, oder einer Behandlung mit – nach prüfärztlichem Ermessen – entweder oralem Lenvatinib (je nach Körpergewicht 8 mg oder 12 mg pro Tag) oder oralem Sorafenib (400 mg zweimal täglich). Die Randomisierung war stratifiziert nach Ätiologie, Vorliegen einer makrovaskulären Invasion oder extrahepatischen Ausbreitung oder von beidem sowie Alfa-Fetoprotein-Konzentration zu Studienbeginn. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben, welches bei allen randomisiert zugeteilten Patient*innen bestimmt wurde. Sicherheit war ein exploratorischer Endpunkt und wurde bei allen randomisiert zugeteilten Patient*innen beurteilt, die mindestens 1 Dosis der Studienmedikation erhalten hatten.
Erkenntnisse: Zwischen dem 6. Januar 2020 und dem 8. November 2021 wurden 668 Patient*innen randomisiert Nivolumab plus Ipilimumab (n = 335) oder entweder Lenvatinib oder Sorafenib (n = 333) zugeteilt. Eine frühe Überkreuzung der Kaplan-Meier-Kurven für das Gesamtüberleben spiegelte eine höhere Anzahl von Todesfällen unter Nivolumab plus Ipilimumab in den ersten 6 Monaten nach der Randomisierung wider (Hazard-Ratio [HR] = 1,65 [95% Konfidenzintervall {CI}: 1,12–2,43]). Anschließend trennten sich die Kurven jedoch dauerhaft zugunsten von Nivolumab plus Ipilimumab (0,61 [0,48–0,77]). Nach einem medianen Nachbeobachtungszeitraum von 35,2 Monaten (Interquartilenabstand: 31,1–39,9) fiel das Gesamtüberleben unter Nivolumab plus Ipilimumab signifikant besser aus als unter Lenvatinib oder Sorafenib (Median: 23,7 Monate [95% CI: 18,8–29,4] vs. 20,6 Monate [17,5–22,5]; HR = 0,79 [0,65–0,96]; zweiseitiger stratifizierter Log-Rang-Test: p = 0,018). Die entsprechenden Gesamtüberlebensraten betrugen nach 24 Monaten 49% (95% CI: 44–55) versus 39% (34–45) und nach 36 Monaten 38% (32–43) versus 24% (19–30). Bei 137 von 332 mit Nivolumab plus Ipilimumab behandelten Patient*innen (41%) und bei 138 von 325 mit Lenvatinib oder Sorafenib behandelten Patient*innen (42%) traten Therapie-assoziierte unerwünschte Ereignisse vom Grad 3–4 auf. Der Behandlung mit Nivolumab plus Ipilimumab wurden 12 Todesfälle und der Behandlung mit Lenvatinib oder Sorafenib wurden 3 Todesfälle zugeschrieben.

Interpretation: Nivolumab plus Ipilimumab erzielte im Vergleich zu Lenvatinib oder Sorafenib bei Patient*innen mit zuvor unbehandeltem inoperablem hepatozellulärem Karzinom einen signifikanten Vorteil im Gesamtüberleben und zeigte eine beherrschbare Sicherheit. Die Ergebnisse unterstützen eine Erstlinientherapie mit Nivolumab plus Ipilimumab in dieser Situation.

P.R. Galle, University Medical Center, I Medical Department, Mainz, Germany, e-mail: peter.galle@unimedizinmainz.de

DOI:  10.1016/s0140-6736(25)00403-9

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