Ösophagus bis Dünndarm
N Engl J Med. 2025;392(4):323-335
Perioperative chemotherapy or preoperative chemoradiotherapy in esophageal cancer
Perioperative Chemotherapie oder neoadjuvante Radiochemotherapie bei Ösophaguskarzinom
Hintergrund: Es ist unklar, welches der beste multimodale Ansatz für das resektable lokal fortgeschrittene Ösophagus-Adenokarzinom ist. Eine wichtige Frage ist dabei, ob eine perioperative Chemotherapie einer neoadjuvanten Radiochemotherapie vorzuziehen ist.
Methoden: In dieser multizentrischen, randomisierten Phase-III-Studie wurden Patient*innen mit resektablem Ösophagus-Adenokarzinom im Verhältnis 1:1 einer perioperativen Chemotherapie nach dem FLOT-Protokoll (Fluorouracil, Leucovorin, Oxaliplatin und Docetaxel) plus Operation oder einer neoadjuvanten Radiochemotherapie (Radiotherapie mit einer Dosis von 41,4 Gy und Carboplatin und Paclitaxel) plus Operation zugewiesen. Die Einschlusskriterien umfassten einen Primärtumor mit einem klinischen Stadium cT1cN+, cT2-4acN+ oder cT2-4acN0, wobei T die Größe und Ausdehnung des Tumors anzeigt (höhere Zahlen stehen für einen weiter fortgeschrittenen Tumor) und N das Vorhandensein (N+) oder Nichtvorhandensein (N0) einer Ausbreitung des Tumors auf die Lymphknoten ohne Anzeichen einer Metastasierung anzeigt. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben.
Ergebnisse: Von Februar 2016 bis Ende April 2020 wurden 221 Patient*innen der FLOT-Gruppe und 217 Patient*innen der Gruppe mit neoadjuvanter Radiochemotherapie zugewiesen. Bei einem medianen Nachbeobachtungszeitraum von 55 Monaten betrug die Gesamtüberlebensrate nach 3 Jahren 57,4% (95% Konfidenzintervall [CI]: 50,1–64,0) in der FLOT-Gruppe und 50,7% (95% CI: 43,5–57,5) in der Gruppe mit präoperativer Radiochemotherapie (Hazard-Ratio für Tod: 0,70; 95% CI: 0,53–0,92; p = 0,01). Das progressionsfreie Überleben nach 3 Jahren betrug 51,6% (95% CI: 44,3–58,4) in der FLOT-Gruppe und 35,0% (95% CI: 28,4–41,7) in der Gruppe mit neoadjuvanter Radiochemotherapie (Hazard-Ratio für Krankheitsprogression oder Tod: 0,66; 95% CI: 0,51–0,85). Unter den Patient*innen, die mit der zugewiesenen Behandlung begannen, wurden unerwünschte Ereignisse vom Grad 3 oder höher bei 120 von 207 Patient*innen (58,0%) in der FLOT-Gruppe und bei 98 von 196 Patient*innen (50,0%) in der Gruppe mit neoadjuvanter Radiochemotherapie beobachtet. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden bei 98 von 207 Patient*innen (47,3%) in der FLOT-Gruppe und bei 82 von 196 Patient*innen (41,8%) in der Gruppe mit neoadjuvanter Radiochemotherapie beobachtet. Die Mortalität 90 Tage nach der Operation betrug 3,1% in der FLOT-Gruppe und 5,6% in der Gruppe mit neoadjuvanter Radiochemotherapie.
Schlussfolgerungen: Eine perioperative Chemotherapie mit FLOT (Fluorouracil, Leucovorin, Oxaliplatin und Docetaxel) ergab bei Patient*innen mit resektablen Ösophagus-Adenokarzinomen bessere Überlebensraten als eine neoadjuvante Radiochemotherapie.