Leber und Gallenwege

J Hepatol. 2025;82(4):615-621

Plasma exchange does not improve overall survival in patients with acute liver failure in a real-world cohort

Burke L, Bernal W, Pirani T, Agarwal B, Jalan R, Ryan J, Bangash MN, El-Dalil P, Murphy N, Donnelly M, Davidson J, Simpson K, Giles H, Mone PS, Masson S, Davenport A, Rowe I, Moore J

Plasmaaustausch führt in einer Real-Life-Kohorte bei Patient*innen mit akutem Leberversagen zu keiner Verbesserung des Gesamtüberlebens


Hintergrund und Ziele: Der therapeutische Plasmaaustausch (TPA) hat sich als potenzielle Behandlungsoption für Patient*innen mit akutem Leberversagen (ALV) herauskristallisiert. Der Effekt des TPA auf Überlebensergebnisse außerhalb klinischer Studien ist noch nicht umfassend belegt. Diese Studie zielte darauf ab, die Anwendung des TPA im klinischen Alltag und die damit erzielten Ergebnisse bei der Behandlung von ALV zu bewerten.
Methoden: In diese multizentrische retrospektive Kohortenstudie wurden konsekutive Patient*innen mit ALV eingeschlossen, die zwischen Juni 2013 und Dezember 2021 in eines der 7 tertiären Lebertransplantationszentren im Vereinigten Königreich aufgenommen wurden. Es wurden Veränderungen klinischer Variablen nach einem TPA untersucht, während das Gesamtüberleben und das transplantationsfreie Überleben bis zur Krankenhausentlassung bei Patient*innen mit TPA mit dem von Patient*innen unter einer medikamentösen Standardtherapie verglichen wurden. Zum Ausgleich von Kovariablen zwischen den Gruppen und einer Selektionsverzerrung wurde ein Propensity-Score-Matching durchgeführt.
Ergebnisse: Eingeschlossen wurden 378 Patient*innen mit ALV (medianes Alter: 36 [Interquartilenabstand {IQR}: 28–48], 64% weiblich [n = 242]), von denen bei 120 ein TPA erfolgte. Bei den meisten klinischen Variablen kam es nach einem TPA zu einer signifikanten Verbesserung, darunter auch bei der medianen Noradrenalin-Dosis (Verringerung von 0,35 μg/kg/min [IQR: 0,19–0,70 μg/kg/min] auf 0,16 μg/kg/min [IQR: 0,08–0,49]; p = 0,001). Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen der Gruppe mit TPA und der Gruppe unter medikamentöser Standardtherapie in Bezug auf das Gesamtüberleben (51,4% bzw. 62,6%; p = 0,12) oder das transplantationsfreie Überleben (42,6% vs. 53,1%; p = 0,24).

Schlussfolgerung: Im Vereinigten Königreich wird beim Management von Patient*innen mit akutem Leberversagen mittlerweile häufig ein Plasmaaustausch durchgeführt. Dieser ist mit einer signifikanten Verbesserung der hämodynamischen Parameter, aber nicht mit einem Überlebensvorteil assoziiert.

J. Moore, Leeds Liver Unit, St. James’s Hospital, Leeds, Großbritannien, E-Mail: joanna.moore@nhs.net

DOI:  10.1016/j.jhep.2024.09.034

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