Leber und Gallenwege
Gastroenterology. 2024;167(7):1429-1445
Recompensation of chronic hepatitis C-related decompensated cirrhosis following direct-acting antiviral therapy: Prospective cohort study from a hepatitis C virus elimination program
Rekompensation bei dekompensierter Zirrhose aufgrund einer chronischen Hepatitis C nach direkt wirkenden antiviralen Medikamenten: prospektive Kohortenstudie im Rahmen eines Hepatitis-C-Eliminationsprogramms
Hintergrund und Ziele: Eine dekompensierte Zirrhose infolge chronischer Hepatitis C ist verbunden mit niedrigeren Raten eines anhaltenden virologischen Ansprechens (sustained virological response, SVR) in Woche 12 und einer unterschiedlichen Regression des Krankheitsschweregrads nach Gabe direkt wirkender antiviraler Medikamente. Die Autor*innen beurteilten die SVR-12-Raten, die Rekompensation (nach Baveno-VII-Kriterien) und das Überleben betroffener Patient*innen.
Methoden: Zwischen Juli 2018 und Juli 2023 wurde bei Patient*innen mit dekompensierter Zirrhose infolge einer chronischen Hepatitis C nach Behandlung mit direkt wirkenden antiviralen Medikamenten die SVR-12 beurteilt; anschließend folgte eine 6-monatige Nachbeobachtungszeit.
Ergebnisse: Von 6516 Patient*innen mit Zirrhose wurden 1152 mit dekompensierter Zirrhose eingeschlossen (Alter: 53,2 ± 11,5 Jahre; 63% Männer; Model for End-stage Liver Disease [MELD]-Na-Score: 16,5 ± 4,6; 87% Genotyp 3). Nach 1 Behandlungszyklus lag die SVR-12 bei 81,8%; nach einer Zusatztherapie betrug die SVR schließlich 90,8%. Zu den Dekompensationsereignissen zählten Aszites (1098; 95,3%), hepatische Enzephalopathie (191; 16,6%) und Varizenblutung (284; 24,7%). Der Aszites klang bei 86% wieder ab (bei 24% der Patient*innen konnten die Diuretika ausgeschlichen werden). Zu einer Rekompensation kam es bei 284 Patient*innen (24,7%) in einem medianen Zeitraum von 16,5 Monaten (Interquartilenabstand: 14,5–20,5). In der multivariaten Cox-proportionalen Hazard-Analyse waren ein niedriger Bilirubin-Wert (angepasste Hazard-Ratio [aHR] = 0,6; 95% Konfidenzintervall [CI]: 0,5–0,8; p < 0,001), eine International Normalized Ratio (aHR = 0,2; 95% CI: 0,1–0,3; p < 0,001), das Fehlen von großen Ösophagusvarizen (aHR = 0,4; 95% CI: 0,2–0,9; p = 0,048) oder Magenvarizen (aHR = 0,5; 95% CI: 0,3–0,7; p = 0,022) Vorhersagefaktoren für eine Rekompensation. Die portale Hypertonie schritt bei 158 (13,7%) der Patient*innen fort; bei 4% kam es erneut zu Blutungen. Eine vorangegangene Dekompensation mit Varizenblutung (aHR = 1,6; 95% CI: 1,2–2,8; p = 0,042) und das Vorliegen großer Varizen (aHR = 2,9; 95% CI: 1,3–6,5; p < 0,001) waren mit einem Fortschreiten der portalen Hypertonie assoziiert. Eine weitere Dekompensation zeigte sich bei 221 Patient*innen (19%); 145 verstarben und 6 erhielten eine Lebertransplantation. Ein Rückgang im MELD-Na-Score von ≥ 3 wurde bei 409 (35,5%) und ein abschließender MELD-Na-Score von < 10 wurde bei 335 (29%) der Patient*innen beobachtet, wobei 2,9% trotz der SVR-12-Rate ein hepatozelluläres Karzinom entwickelten.
Schlussfolgerungen: Ein anhaltendes virologisches Ansprechen (sustained virological response, SVR) bis Woche 12 bei Patient*innen mit dekompensierter Zirrhose infolge einer Hepatitis C in einer vom Genotyp 3 dominierten Population führte bei 24,7% der Patient*innen während eines Nachbeobachtungszeitraums von 4 Jahren im Rahmen des öffentlichen Gesundheitswesens zu einer Rekompensation. Trotz des SVR-12 entwickelte sich bei 19% der Patient*innen eine neue hepatische Dekompensation und bei 2,9% ein hepatozelluläres Karzinom.