Pankreas
Gut. 2025;74(7):1094-1102
Rectal diclofenac versus indomethacin for prevention of post-ERCP pancreatitis (DIPPP): A multicentre, double-blind, randomised, controlled trial
Rektales Diclofenac versus Indometacin zur Prävention von Post-ERCP-Pankreatitis (DIPPP): eine multizentrische, doppelblinde, randomisierte kontrollierte Studie
Hintergrund: Jüngste Metaanalysen lassen darauf schließen, dass Diclofenac Indometacin hinsichtlich der Prävention einer Pankreatitis nach endoskopisch-retrograder Cholangiopankreatikografie (ERCP) überlegen sein könnte. Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit der rektalen Gabe von 100 mg Indometacin in Bezug auf die Inzidenz der Post-ERCP-Pankreatitis mit Diclofenac zu vergleichen.
Studiendesign: Diese multizentrische, doppelblinde, randomisierte kontrollierte Studie wurde in 9 Zentren der Tertiärversorgung in China durchgeführt. Patient*innen mit niedrigem und hohem Risiko für eine Post-ERCP-Pankreatitis und nativer Papille wurden randomisiert (1:1) der rektalen Gabe von 100 mg Diclofenac oder 100 mg Indometacin vor der ERCP zugeordnet. Der primäre Endpunkt war das Auftreten einer Post-ERCP-Pankreatitis gemäß der Definition nach dem Cotton-Konsens. Für die Analyse wurde das Intention-to-Treat-Prinzip angewendet.
Ergebnisse: Nach der vorab festgelegten ersten Interimsanalyse wurde die Studie wegen Aussichtslosigkeit vorzeitig beendet. Zwischen Juni 2023 und Mai 2024 wurden 1204 Patient*innen randomisiert der Diclofenac-Gruppe (n = 600) oder der Indometacin-Gruppe zugeordnet (n = 604). Die Charakteristika zu Studienbeginn waren ausgewogen. Der primäre Endpunkt trat bei 53 (8,8%) von 600 Patient*innen in der Diclofenac-Gruppe und bei 37 (6,1%) von 604 Patient*innen in der Indometacin-Gruppe ein (relatives Risiko = 1,44; 95% Konfidenzintervall [CI]: 0,96–2,16; p = 0,074). Eine Post-ERCP-Pankreatitis trat bei 35 von 247 Hochrisiko-Patient*innen (14,2%) in der Diclofenac-Gruppe und 26 von 266 Hochrisiko-Patient*innen (9,8%) in der Indometacin-Gruppe auf (p = 0,124). Die Inzidenz einer Post-ERCP-Pankreatitis war auch bei Patient*innen mit niedrigem Risiko in beiden Gruppen vergleichbar (18/353 [5,1%] vs. 11/338 [3,3%]; p = 0,227). Sonstige ERCP-assoziierte Komplikationen unterschieden sich nicht zwischen den 2 Gruppen.
Schlussfolgerung: Die rektale Gabe von 100 mg Diclofenac vor dem Eingriff war der gleichen Dosis Indometacin hinsichtlich der Prävention einer Post-ERCP-Pankreatitis nicht überlegen. Diese Erkenntnisse untermauerten die Gabe von 100 mg Indometacin oder Diclofenac für die Prophylaxe einer Post-ERCP-Pankreatitis bei Patient*innen ohne Kontraindikationen in aktuellen Leitlinien.