Dickdarm bis Rektum
JAMA. 2024;332(11):881–97
Risankizumab for ulcerative colitis: Two randomized clinical trials
Risankizumab bei Colitis ulcerosa: zwei randomisierte klinische Studien
Hintergrund: Die klinischen Auswirkungen von Risankizumab (einem monoklonalen Antikörper, der selektiv auf die p19-Untereinheit von Interleukin-23 abzielt) zur Behandlung von Colitis ulcerosa sind nicht bekannt.
Zielsetzung: Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit von Risankizumab als Induktions- und Erhaltungstherapie bei Patient*innen mit Colitis ulcerosa.
Design, Setting und Teilnehmende: Es wurden 2 randomisierte klinische Phase-III-Studien durchgeführt. Die Induktionsstudie wurde an 261 klinischen Zentren (in 41 Ländern) durchgeführt und umfasste 977 Patient*innen. Durchgeführt wurde sie vom 5. November 2020 bis zum 4. August 2022 (letzte Nachuntersuchung am 16. Mai 2023). Die Erhaltungsstudie wurde an 238 klinischen Zentren (in 37 Ländern) durchgeführt und umfasste 754 Patient*innen. Durchgeführt wurde sie vom 28. August 2018 bis zum 30. März 2022 (letzte Nachuntersuchung am 11. April 2023). Geeignete Patient*innen hatten eine mittel- bis hochgradig aktive Colitis ulcerosa, eine Anamnese mit Unverträglichkeit oder unzureichendem Ansprechen auf eine oder mehrere konventionelle Therapien, neuartige Therapien oder beide Arten von Therapien und keine vorherige Behandlung mit Risankizumab.
Interventionen: Für die Induktionsstudie wurden die Patient*innen im Verhältnis 2:1 randomisiert einer intravenösen Verabreichung von entweder 1200 mg Risankizumab oder Placebo in den Wochen 0, 4 und 8 zugeteilt. Für die Erhaltungsstudie wurden Patient*innen, die auf die intravenöse Behandlung mit Risankizumab klinisch ansprachen (ermittelt anhand des angepassten Mayo-Scores), im Verhältnis 1:1:1 randomisiert einer subkutanen Behandlung mit 180 mg oder 360 mg Risankizumab oder aber Placebo (kein Risankizumab mehr) alle 8 Wochen für einen Zeitraum von 52 Wochen zugeteilt.
Primäre Endpunkte und Ergebnisparameter: Der primäre Endpunkt war die klinische Remission (Stuhlfrequenz-Score ≤ 1 und nicht größer als der Ausgangswert, ein Score für rektale Blutungen von 0 und ein endoskopischer Subscore ≤ 1 ohne Mukosa-Friabilität) in Woche 12 für die Induktionsstudie und in Woche 52 für die Erhaltungsstudie.
Ergebnisse: Unter den 975 in der Induktionsstudie analysierten Patient*innen (im Alter von 42,1 [Standardabweichung {SD}: 13,8] Jahren; 586/973 [60,1%] Männer; und 677 [69,6%] mit kaukasischer Abstammung) betrugen die Raten der klinischen Remission in Woche 12 jeweils 132/650 (20,3%) für 1200 mg Risankizumab und 20/325 (6,2%) für Placebo (angepasste Differenz zwischen den Gruppen: 14,0% [95% Konfidenzintervall {CI}: 10,0–18,0%], p < 0,001). Unter den 548 in der Erhaltungsstudie analysierten Patient*innen (im Alter von 40,9 [SD: 14,0] Jahren; 313 [57,1%] Männer; und 407 [74,3%] mit kaukasischer Abstammung) betrugen die Raten der klinischen Remission in Woche 52 72/179 (40,2%) für 180 mg Risankizumab, 70/186 (37,6%) für 360 mg Risankizumab und 46/183 (25,1%) für Placebo (angepasste Differenz zwischen den Gruppen für 180 mg Risankizumab vs. Placebo: 16,3% [97,5% CI: 6,1–26,6%], p < 0,001; angepasste Differenz zwischen den Gruppen für 360 mg Risankizumab vs. Placebo: 14,2% [97,5% CI: 4,0–24,5%], p = 0,002). In den Behandlungsgruppen wurden keine Signale für unerwünschte Ereignisse festgestellt.
Schlussfolgerung und Relevanz: Im Vergleich zu Placebo verbesserte Risankizumab die Raten der klinischen Remission in einer Induktionsstudie und in einer Erhaltungsstudie bei Patient*innen mit mittel- bis hochgradig aktiver Colitis ulcerosa. Weitere Studien sind erforderlich, um den Nutzen über die 52-wöchige Nachbeobachtungszeit hinaus zu ermitteln.