Ösophagus bis Dünndarm
Lancet Gastroenterol Hepatol. 2025;10(8):715-725
Safety and efficacy of the anti-TL1A monoclonal antibody tulisokibart for Crohn’s disease: A phase 2a induction trial
Sicherheit und Wirksamkeit des monoklonalen TL1A-Antikörpers Tulisokibart für Morbus Crohn: eine Phase-IIa-Induktionsstudie
Hintergrund: Das TNF-like Zytokin 1A (TL1A) ist ein wichtiger Mediator für Entzündungen und Fibrose. Die Wirksamkeit und Sicherheit des monoklonalen TL1A-Antikörpers Tulisokibart als Induktionstherapie wurde bei Erwachsenen mit mittel- bis hochgradig aktivem M. Crohn und einem unzureichenden Ansprechen, Verlust des Ansprechens oder einer Unverträglichkeit gegenüber herkömmlichen oder zugelassenen Biologikatherapien in der Anamnese untersucht.
Methoden: In der multizentrischen, offenen Phase-IIa-Studie APOLLO-CD erhielten Teilnehmende ab 18 Jahren mit mittel- bis hochgradig aktivem M. Crohn (definiert durch einen Crohn’s Disease Activity Index [CDAI] von 220–450 und einen Simple Endoscopy Score for Crohn’s Disease [SES-CD] von mindestens 6 in Bezug auf den Befall des Ileokolons oder Kolons oder von mindestens 4 in Bezug auf den isolierten Befall des Ileums) intravenöses Tulisokibart (1000 mg an Tag 1 und 500 mg in Woche 2, 6 und 10). In diesem Artikel werden die Ergebnisse der primären Analyse der Induktionsphase vorgestellt. Die primären Endpunkte waren die Sicherheit und der Anteil der Teilnehmenden mit einem endoskopisch nachweisbaren Ansprechen in Woche 12, definiert als Verringerung des SES-CD von mindestens 50% gegenüber dem Ausgangswert. Die Sicherheit wurde bei allen Teilnehmenden analysiert, die Tulisokibart erhalten hatten. Das endoskopisch nachweisbare Ansprechen wurde im Per-Protokoll-Analyse-Set analysiert, welches alle Teilnehmenden umfasste, die Tulisokibart erhalten hatten und die CDAI- und SES-CD-Ausgangsscores aufwiesen, ausgenommen jene mit vordefinierten wichtigen Protokollabweichungen.
Erkenntnisse: Von 101 hinsichtlich ihrer Eignung gescreenten Teilnehmenden wurden 55 teilnahmegeeignete Patient*innen eingeschlossen und mit Tulisokibart behandelt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden betrug 39,1 Jahre (Standardabweichung [SD] 15,7), 34 (62%) waren männlich, 21 (38%) waren weiblich, und 39 (71%) hatten bereits eine Biologika-Therapie erhalten. In Woche 12 wurde ein endoskopisch nachweisbares Ansprechen bei 13 (26,0% [95% Konfidenzintervall {CI}: 15,9–39,6]) der 50 Teilnehmenden unter Tulisokibart im Per-Protokoll-Analyse-Set beobachtet. Unerwünschte Ereignisse (Adverse Events, AEs) traten bei 43 (78%) der 55 Teilnehmenden auf, wobei die meisten AEs leicht bis mittelschwer ausgeprägt waren. Die häufigsten AEs (≥ 5% der Teilnehmenden) waren COVID-19 (6 [11%] Teilnehmende), Harnwegsinfektion (5 [9%]), M. Crohn (5 [9%]), Anämie (4 [7%]), Nasopharyngitis (3 [5%]) und Fatigue/Erschöpfung (3 [5%]). Bei 8 (15%) Teilnehmenden traten schwerwiegende AEs auf, von denen nach prüfärztlicher Beurteilung keines in Zusammenhang mit dem Studienmedikament gebracht wurde. Es gab keine Todesfälle.
Interpretation: Diese Proof-of-Concept-Studie zeigte, dass Tulisokibart bei mittel- bis hochgradig aktivem M. Crohn potenziell wirksam und gut verträglich ist. Um diese Ergebnisse zu bestätigen, werden randomisierte kontrollierte Studien mit längerer Dauer benötigt; aktuell läuft eine doppelblinde, placebokontrollierte Phase-III-Studie.