Pankreas

Gut. 2024;74(1):58-66

Sphincterotomy for biliary sphincter of Oddi disorder and idiopathic acute recurrent pancreatitis: The RESPOnD longitudinal cohort

Coté GA, Elmunzer BJ, Nitchie H, Kwon RS, Willingham F, Wani S, Kushnir V, Chak A, Singh V, Papachristou GI, Slivka A, Freeman M, Gaddam S, Jamidar P, Tarnasky P, Varadarajulu S, Foster LD, Cotton P

Sphinkterotomie wegen biliärer Sphinkter-Oddi-Dysfunktion und idiopathischer akuter rezidivierender Pankreatitis: die RESPOnD-Kohorte


Zielsetzung: Sphinkter-Oddi-Dysfunktionen (SOD) sind umstrittene Störungen bei Patient*innen, deren Abdominalschmerzen und idiopathische akute Pankreatitis (iAP) durch erhöhten Druck am Sphinkter Oddi entstehen könnten. Diese Studie war darauf ausgerichtet, den Nutzen der Sphinkterotomie bei Verdacht auf SOD zu messen.
Studiendesign: Prospektive Kohortenstudie in 14 US-amerikanischen Studienzentren mit 12-monatigem Follow-up. Geeignet waren Patient*innen, die sich erstmals einer endoskopischen retrograden Cholangio-Pankreatikografie (ERCP) mit Sphinkterotomie bei Verdacht auf SOD unterzogen: pankreatobiliäre Schmerzen mit oder ohne iAP. Der primäre Endpunkt war definiert als Kombination aus Verbesserung gemäß Patient Global Impression of Change (PGIC), keinen neuen oder höher dosierten Opioiden und keiner erneuten Intervention. Bei fehlenden Daten wurde ein hierarchisches, multiples Imputationsschema verfolgt.
Ergebnisse: Von den 316 gescreenten Patient*innen wurden 213 eingeschlossen. Davon hatten 190 (89,2%) einen dilatierten Gallengang, abnorme Laborwerte, iAP oder eine Kombination hiervon. Gemäß Imputation kam es bei durchschnittlich 122 von 213 (57,4% [95% Konfidenzintervall: 50,4–64,4%]) zur Verbesserung; die Ansprechrate war bei denen mit vollständigem Follow-up vergleichbar (99/161, 61,5% [54,0–69,0%]); bei 118 (73,3%) kam es gemäß PGIC allein zur Verbesserung. Größe des Gallengangs, erhöhte Laborwerte und Patientencharakteristika waren nicht mit dem Ansprechen assoziiert. AP trat bei 37 von 213 (17,4%) median 6 Monate nach ERCP und mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bei Patient*innen mit anamnestisch bekannter AP (30,9% vs. 2,9%, p < 0,0001) auf.

Schlussfolgerung: Bei fast 60% der Patient*innen, bei denen eine endoskopische retrograde Cholangio-Pankreatikografie bei Verdacht auf Sphinkter-Oddi-Dysfunktion durchgeführt wird, kommt es zur Verbesserung, obwohl der Einfluss eines Placebo-Effekts unbekannt ist. Entgegen vorherrschender Meinung sind Größe des Gallengangs und Laborwerte schlechte Prädiktoren für das Ansprechen. Rezidive einer akuten Pankreatitis (AP) waren häufig und vergleichbar mit Beobachtungen aus früheren Nichtinterventionskohorten. Dies legt nahe, dass eine Sphinkterotomie keinen Nutzen bei der Abmilderung künftiger AP-Episoden bietet.

G.A. Coté, Department of Medicine, Division of Gastroenterology & Hepatology, Oregon Health & Science University, Portland, OR, USA, E-Mail: coteg@ohsu.edu

DOI:  10.1136/gutjnl-2024-332686

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