Leber und Gallenwege
Lancet. 2025;405(10474):203-215
Transarterial chemoembolisation combined with lenvatinib plus pembrolizumab versus dual placebo for unresectable, non-metastatic hepatocellular carcinoma (LEAP-012): A multicentre, randomised, double-blind, phase 3 study
Transarterielle Chemoembolisation in Kombination mit Lenvatinib plus Pembrolizumab versus duales Placebo bei inoperablem, nicht-metastasiertem hepatozellulärem Karzinom (LEAP-012): eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie
Hintergrund: Die transarterielle Chemoembolisation (TACE) ist die Standardtherapie für das inoperable, nicht-metastasierte hepatozelluläre Karzinom (HCC). Ziel dieser Studie war es, Lenvatinib und Pembrolizumab plus TACE mit einem dualen Placebo plus TACE bei Patient*innen mit inoperablem, nicht-metastasiertem HCC zu vergleichen.
Methoden: In dieser multizentrischen, randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie (LEAP-012) wurden Patient*innen aus 137 Prüfzentren in 33 Ländern oder Regionen weltweit rekrutiert. Geeignet waren Patient*innen ab 18 Jahren mit inoperablem, nicht-metastasiertem HCC, die nicht kurativ behandelt werden konnten, aber für eine TACE-Behandlung infrage kamen, die einen Eastern Cooperative Oncology Group (ECOG) Performance Status von 0 oder 1 aufwiesen, und deren Krankheitsstadium als Child-Pugh-Stadium A eingestuft war. Die teilnahmegeeigneten Patient*innen wurden randomisiert (1:1), und zwar stratifiziert nach Prüfzentrum, Alpha-Fetoprotein-Spiegel, ECOG-Performance-Status, Albumin-Bilirubin-Score und Tumorlast. Die Zuweisung erfolgte über ein zentrales interaktives Antwortsystem entweder für die Behandlung mit TACE plus Lenvatinib oral (Körpergewicht ≥ 60 kg: 12 mg; Körpergewicht < 60 kg: 8 mg; einmal täglich) plus Pembrolizumab intravenös (400 mg einmal alle 6 Wochen über einen Zeitraum von bis zu 2 Jahren) oder für ein entsprechendes duales Placebo (oral und intravenös). Primäre Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben (1-seitiger Schwellenwert: p = 0,025) nach den Response Evaluation Criteria in Solid Tumours Version 1.1 (für die aktuelle Studie modifiziert: zugelassen waren bis zu 5 Zieltumoren in der Leber, erforderlich waren neue intrahepatische Tumoren, die die LI-RADS 5-Kriterien erfüllten, um als fortschreitende Erkrankung zu gelten) durch verblindete, unabhängige zentrale Bewertung, und das Gesamtüberleben (1-seitiger Schwellenwert p = 0,0012) in der Intention-to-Treat(ITT)-Population (d. h. alle Teilnehmer*innen, die der Behandlung randomisiert zugewiesen wurden). Die Sicherheit wurde in der Behandlungsgruppe bewertet (d. h. alle Teilnehmer*innen, die nach dem Zufallsprinzip zugewiesen wurden und mindestens 1 Dosis eines Studienpräparats erhielten). Hier werden die Ergebnisse der ersten Interimsanalyse (Abschlussanalyse des progressionsfreien Überlebens) berichtet.
Erkenntnisse: Zwischen 22. Mai 2020 und 11. Januar 2023 wurden 847 Patient*innen gescreent, von denen 480 (57%) eingeschlossen und nach dem Zufallsprinzip entweder TACE plus Lenvatinib plus Pembrolizumab (n = 237) oder TACE plus duales Placebo (n = 243; ITT-Population) zugewiesen wurden. Der Altersmedian lag bei 66 Jahren (Interquartilenabstand [IQR]: 58–73), 82 (17%) der 480 Teilnehmer*innen waren Frauen, 398 (83%) waren Männer, 98 (20%) waren Weiße, 347 (72%) waren Asiat*innen, 4 (1%) waren Schwarze oder Afroamerikaner*innen und 5 (1%) waren Native Americans oder Alaska Natives. Die mediane Follow-up-Zeit beim Daten-Cut-off (30. Januar 2024) betrug 25,6 Monate (IQR: 19,5–32,4). Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 14,6 Monate (95% Konfidenzintervall [CI]: 12,6–16,7; 132 Ereignisse [20 Todesfälle und 112 Progressionen]) unter Lenvatinib plus Pembrolizumab und 10,0 Monate (95% CI: 8,1–12,2; 154 Ereignisse [8 Todesfälle und 146 Progressionen]) unter Placebo (Hazard-Ratio [HR] = 0,66 [95% CI: 0,51–0,84]; 1-seitiges p = 0,0002). 69 von 237 (29%) in der Lenvatinib-plus-Pembrolizumab-Gruppe und 82 von 243 (34%) in der Placebo-Gruppe starben, somit betrug die 24-Monats-Gesamtüberlebensrate 75% (95% CI: 68–80) in der Lenvatinib-plus-Pembrolizumab-Gruppe und 69% (95% CI: 62–74) in der Placebo-Gruppe (HR = 0,80 [95% CI: 0,57–1,11]; einseitiges p = 0,087). Therapie-assoziierte unerwünschte Ereignisse vom Schweregrad 3 oder höher traten bei 169 von 237 Teilnehmer*innen (71%) in der Lenvatinib-plus-Pembrolizumab-Gruppe und bei 76 von 241 (32%) in der Placebo-Gruppe auf. Dabei waren Hypertonie (57 [24%] vs. 18 [7%]) und eine verminderte Thrombozytenzahl (27 [11%] vs. 15 [6%]) am häufigsten. Tod aufgrund von Therapie-assoziierten unerwünschten Ereignissen trat bei 4 (2%) Teilnehmer*innen in der Lenvatinib-plus-Pembrolizumab-Gruppe (n = je 1 aufgrund von Leberversagen, gastrointestinaler Blutung, Myositis und immunvermittelter Hepatitis) und 1 (< 1%) in der Placebo-Gruppe (aufgrund einer Hirnstammblutung) ein.
Interpretation: Die transarterielle Chemoembolisation (TACE) plus Lenvatinib plus Pembrolizumab zeigte eine signifikante, klinisch bedeutsame Verbesserung des progressionsfreien Überlebens bei Patient*innen mit inoperablem, nicht-metastasiertem hepatozellulärem Karzinom im Vergleich zu TACE plus Placebo. Die zahlenmäßige Verbesserung der Gesamtüberlebenszeit ist ermutigend, jedoch ist eine längere Nachbeobachtung erforderlich.