Dickdarm bis Rektum
Gastroenterology. 2024;167(2):315–32
Comprehensive association analyses of extraintestinal manifestations in inflammatory bowel disease
Umfassende Analysen der Zusammenhänge bei extraintestinalen Manifestationen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Hintergrund und Ziele: Bei Patient*innen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) entstehen häufig extraintestinale Manifestationen (EIM), welche sich erheblich auf die Morbidität auswirken. Die Autor*innen stellten die bisher größte Multikohorten-Datenbasis zusammen, um die klinischen, serologischen und genetischen Faktoren im Zusammenhang mit EIM-bedingten Komplikationen zu untersuchen.
Methoden: Die Daten stammten von 12.083 CED-Fällen bei Patient*innen europäischer Abstammung mit oder ohne EIM (z. B. Spondylitis ankylosans [Spondylitis ankylosans und Sacroiliitis], primär sklerosierende Cholangitis [PSC], periphere Spondyloarthritis sowie dermale und okuläre Manifestationen) aus 4 Kohorten (Cedars-Sinai Medical Center, National Institute for Diabetes and Digestive and Kidney Diseases IBD Genetics Consortium, Sinai Helmsley Alliance for Research Excellence Consortium, sowie der Kohorte „Risk Stratification and Identification of Immunogenetic and Microbial Markers of Rapid Disease Progression in Children with Crohn’s Disease“). Die klinischen und serologischen Parameter wurden mit univariaten und multivariaten Regressionsanalysen anhand eines gemischten Modells ausgewertet. Zur Beurteilung der genetischen Zusammenhänge wurde die fallbezogene logistische Regression herangezogen.
Ergebnisse: Die meisten EIM traten häufiger bei Frauen auf (EIM insgesamt: p = 9,0 x 10-05; Odds-Ratio [OR] = 1,2; 95% Konfidenzintervall [CI]: 1,1–1,4), mit Morbus Crohn (insbesondere im Kolon: p = 9,8 x 10-09; OR = 1,7; 95% CI: 1,4–2,0), und bei Menschen, bei denen ein operativer Eingriff erforderlich war (sowohl bei Morbus Crohn als auch bei Colitis ulcerosa: p = 3,6 x 10-19; OR = 1,7; 95% CI: 1,5–1,9). Rauchen erhöhte das Risiko für EIM – außer bei PSC, wo sich eine „protektive“ Wirkung zeigte. Es wurden mehrere serologische Zusammenhänge beobachtet, darunter mit PSC (antinukleäre zytoplasmatische Antikörper, Immunglobulin G und Immunglobulin A, anti-Saccharomyces cerevisiae sowie anti-Flagellin) und mit EIM (antinukleäre zytoplasmatische Antikörper, Immunglobulin G und Immunglobulin A, anti-Saccharomyces cerevisiae sowie anti-Pseudomonas-fluorescens-assoziierte Sequenz). Die Autor*innen identifizierten genomweite signifikante Zusammenhänge innerhalb des Haupthistokompatibilitätskomplexes (Spondylitis ankylosans und Sacroiliitis: p = 1,4 x 10-15; OR = 2,5; 95% CI: 2,0–3,1; PSC: p = 2,7 x 10-10; OR = 2,8; 95% CI: 2,0–3,8; okulär: p = 2 x 10-08; OR = 3,6; 95% CI: 2,3–5,6; und EIM insgesamt: p = 8,4 x 10-09; OR = 2,2; 95% CI: 1,7–2,9) und CPEB4 (Haut: p = 2,7 x 10-08; OR = 1,5; 95% CI: 1,3–1,8). Bei den genetischen Faktoren wurde ein Zusammenhang mit Tumor-Nekrose-Faktor, JAK-STAT und Interleukin-6 als potenzielle Targets für EIM gesehen. Anders als in bisherigen Berichten waren bei nur 2% der Patient*innen mehrere EIM gleichzeitig aufgetreten und bei den meisten zeigte sich eine negative Korrelation.
Schlussfolgerungen: Die Autor*innen hatten demografische, klinische und genetische Zusammenhänge mit extraintestinalen Manifestationen identifiziert, die zugrunde liegende Mechanismen aufzeigten und neuartige und bestehende Drug Targets nahelegten – wichtige Schritte auf dem Weg zu einem stärker personalisierten Ansatz bei der Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.