Ösophagus bis Dünndarm
Lancet Gastroenterol Hepatol. 2025;10(1):26-33
Vedolizumab to prevent postoperative recurrence of Crohn’s disease (REPREVIO): A multicentre, double-blind, randomised, placebo-controlled trial
Vedolizumab zur Prävention eines postoperativen Morbus-Crohn-Rezidivs (REPREVIO): eine multizentrische, doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie
Hintergrund: Bei etwa der Hälfte der Patient*innen mit Morbus Crohn ist eine Ileozökalresektion erforderlich. Bei 50% der Betroffenen wird innerhalb von 1 Jahr endoskopisch ein Rezidiv nachgewiesen. Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit und Sicherheit von Vedolizumab zur Prävention postoperativer Rezidive von M. Crohn zu beurteilen.
Methoden: REPREVIO war eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie, die an 13 akademischen oder Lehrkrankenhäusern in Frankreich, Italien, den Niederlanden und Spanien durchgeführt wurde. Für eine Teilnahme geeignet waren erwachsene Patient*innen ab 18 Jahren mit M. Crohn, die sich einer Ileozökalresektion unterzogen hatten und bei denen 1 oder mehrere Risikofaktoren für ein Rezidiv bestanden. Die Patient*innen wurden innerhalb von 4 Wochen nach der Operation randomisiert (im Verhältnis 1:1) der Behandlung mit i.v. Vedolizumab (300 mg) oder Placebo in den Wochen (W) 0, 8, 16 und 24 zugewiesen. Die Randomisierung erfolgte zentral mit einem computergenerierten, validierten variablen Block-Modell, und die Patient*innen wurden anhand ihrer Krankheitsausprägung (fibrostenotisch vs. entzündlich oder perforierend) stratifiziert. Die Ileokoloskopie wurde in W26 durchgeführt und auf Video aufgezeichnet. Ein endoskopisch nachweisbares Rezidiv wurde zentral anhand des modifizierten Rutgeerts-Scores bewertet, dessen Kategorien von i0 bis i4 reichen. Der primäre Endpunkt war die Verteilung der modifizierten Rutgeerts-Scores – analysiert mit nicht-parametrischen Methoden – zwischen den Behandlungsgruppen in W26. Der erstrangige sekundäre Endpunkt war der Anteil der Patient*innen mit schwerem endoskopisch nachweisbarem M.-Crohn-Rezidiv in W26 (modifizierter Rutgeerts-Score ≥ i2b). Die Primär- und Sicherheitsanalysen umfassten alle Patient*innen, die randomisiert wurden und mindestens 1 Dosis des Studienmedikaments erhielten.
Erkenntnisse: Zwischen dem 16. Mai 2017 und dem 8. April 2022 wurden 84 Patient*innen randomisiert einer Behandlung zugewiesen; von diesen erhielten 4 keine Studienmedikation, sodass 43 Patient*innen in der Vedolizumab-Gruppe und 37 in der Placebo-Gruppe verblieben. In W26 lag die Wahrscheinlichkeit eines niedrigeren modifizierten Rutgeerts-Scores unter Vedolizumab im Vergleich zu Placebo bei 77,8% (95% Konfidenzintervall [CI]: 66,4–86,3; p < 0,0001). Ein schweres endoskopisch nachweisbares Rezidiv wurde bei 10 (23,3%) von 43 Patient*innen in der Vedolizumab-Gruppe gegenüber 23 (62,2%) von 37 Patient*innen in der Placebo-Gruppe beobachtet (Differenz -38,9% [95% CI: -56,0 bis -17,3]; p = 0,0004). Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten bei 3 (7,0%) von 43 Patient*innen auf, die Vedolizumab erhielten (bilaterale Tuboovarialabszesse, thrombosierte Hämorrhoiden und Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse) und bei 2 (5,4%) von 37 Patient*innen, die Placebo erhielten (Darmperforation im Zusammenhang mit M. Crohn und starke Bauchschmerzen).
Interpretation: Eine Behandlung mit Vedolizumab innerhalb von 4 Wochen nach einer Ileozökalresektion verhinderte mit höherer Wahrscheinlichkeit ein endoskopisch nachweisbares Rezidiv von Morbus Crohn als ein Placebo. Dies macht die Therapie zu einer attraktiven Option für die postoperative Behandlung von Patient*innen mit Risikofaktoren für ein Rezidiv. Umfangreichere Studien mit längerer Nachbeobachtung wären wünschenswert.