Ösophagus bis Dünndarm

Lancet. 2024;404(10470):2423-2436

Efficacy and safety of mirikizumab in patients with moderately-to-severely active Crohn’s disease: A phase 3, multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled and active-controlled, treat-through study

Ferrante M, D’Haens G, Jairath V, Danese S, Chen M, Ghosh S, Hisamatsu T, Kierkus J, Siegmund B, Bragg SM, Crandall W, Durand F, Hon E, Lin Z, Ugolini Lopes M, Morris N, Protic M, Carlier H, Sands BE; VIVID Study Group

Wirksamkeit und Sicherheit von Mirikizumab bei mittel- bis hochgradig aktivem Morbus Crohn: eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte, aktiv kontrollierte Phase-III-Studie mit Treat-through-Design


Hintergrund: Mirikizumab, ein humanisierter monoklonaler Antikörper und IL-23p19-Inhibitor, ist wirksam bei mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa. In dieser Studie sollten die Wirksamkeit und Sicherheit von Mirikizumab bei Patient*innen mit mittel- bis hochgradig aktivem M. Crohn bewertet werden.
Methoden: VIVID-1 war eine globale, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte und aktiv kontrollierte Phase-III-Studie mit Double-Dummy- und Treat-through-Design. Eingeschlossen wurden erwachsene Patient*innen an 324 Zentren (Krankenhäuser oder medizinische Zentren, klinische Praxen und klinische Forschungszentren) in 33 Ländern in Europa, Asien, Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Australien. Erwachsene Patient*innen mit mittel- bis hochgradig aktivem M. Crohn und vorherigem unzureichendem Ansprechen, Verlust des Ansprechens oder Unverträglichkeit gegenüber einer oder mehreren zugelassenen Biologikatherapien oder konventionellen Therapien wurden im Verhältnis 6:3:2 in folgende Behandlungsgruppen randomisiert: Mirikizumab 900 mg intravenös in Woche (W) 0, 4 und 8, anschließend 300 mg subkutan alle 4 Wochen ab W12 bis W52; Ustekinumab ca. 6 mg/kg intravenös in W0, anschließend 90 mg subkutan alle 8 Wochen ab W8 bis W52; oder Placebo. Die co-primären Endpunkte zur Beurteilung der Überlegenheit von Mirikizumab im Vergleich zu Placebo waren kombinierte Endpunkte: zum einen ein klinisches Ansprechen in W12 und ein endoskopisches Ansprechen in W52 laut patientenberichteter Outcomes (PRO) (kombinierter Endpunkt „endoskopisches Ansprechen“), und zum anderen ein klinisches Ansprechen in W12 laut PRO sowie eine klinische Remission in W52 laut Crohn’s Disease Activity Index (CDAI) (kombinierter Endpunkt „klinische Remission laut CDAI“). Die Unterschiede bei der angepassten Differenz wurden berechnet und der Vergleich wurde anhand des Cochran-Mantel-Haenszel-Tests durchgeführt. Das Non-Responder-Imputation-Verfahren wurde angewandt.
Erkenntnisse: Zwischen dem 23. Juli 2019 und dem 23. August 2023 wurden 1150 Patient*innen randomisiert und erhielten die Studienmedikation (Sicherheitspopulation); 1065 Patient*innen wurden in die Wirksamkeitspopulation eingeschlossen und erhielten Mirikizumab (n = 579), Ustekinumab (n = 287) oder Placebo (n = 199). Beide primären Endpunkte wurden erreicht: der Endpunkt endoskopisches Ansprechen wurde erreicht bei 220 von 579 Patient*innen (38,0%) unter Mirikizumab versus 18 von 199 (9,0%) unter Placebo (99,5% Konfidenzintervall [CI]: 20,6–36,8; p < 0,0001); der Endpunkt klinische Remission laut CDAI wurde erreicht bei 263 von 579 Patient*innen (45,4%) unter Mirikizumab versus 39 von 199 Patient*innen (19,6%) unter Placebo (99,5% CI: 15,9–35,6; p < 0,0001). Die Inzidenz von unerwünschten Ereignissen und Behandlungsabbrüchen war bei den mit Mirikizumab behandelten Patient*innen geringer als in der Placebo-Gruppe. Das häufigste unerwünschte Ereignis in den 3 Gruppen war COVID-19. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden bei 65 von 630 Patient*innen (10,3%) unter Mirikizumab, bei 33 von 309 Patient*innen (10,7%) unter Ustekinumab und bei 36 von 211 Patient*innen (17,1%) unter Placebo gemeldet. Während der VIVID-1-Studie gab es 3 Todesfälle: 1 in der Ustekinumab-Gruppe und 2 in der Placebo-Gruppe; einer der beiden letzteren war ein Placebo-Non-Responder, der nach W12 zu Mirikizumab gewechselt hatte. Bei keinem der Todesfälle wurde ein Zusammenhang mit dem Studienmedikament gesehen. Die Sicherheit von Mirikizumab bei M. Crohn stand im Einklang mit seinem bekannt günstigen Profil.

Interpretation: Mirikizumab war sicher und wirksam als Induktions- und Erhaltungstherapie bei Patient*innen mit mittel- bis hochgradig aktivem M. Crohn, die mit einer Unverträglichkeit, unzureichendem Ansprechen oder Verlust des Ansprechens auf die Standardbehandlung reagiert hatten.

M. Ferrante, Department of Gastroenterology and Hepatology, University Hospitals Leuven, KU Leuven, Leuven, Belgien, E-Mail: marc.ferrante@uzleuven.be

DOI:  10.1016/s0140-6736(24)01762-8

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