Leber und Gallenwege

Gut. 2024;73(11):1870-82

Circulating tumour DNA in patients with hepatocellular carcinoma across tumour stages and treatments

Campani C, Imbeaud S, Couchy G, Ziol M, Hirsch TZ, Rebouissou S, Noblet B, Nahon P, Hormigos K, Sidali S, Seror O, Taly V, Ganne Carrie N, Laurent-Puig P, Zucman-Rossi J, Nault JC

Zirkulierende Tumor-DNA bei Patient*innen mit hepatozellulärem Karzinom in unterschiedlichen Tumorstadien und bei unterschiedlichen Therapien


Zielsetzung: Die zirkulierende Tumor-DNA (circulating tumour DNA, ctDNA) ist ein vielversprechender nicht-invasiver Biomarker bei Krebserkrankungen. Ziel dieser Studie war die Beurteilung der Dynamik der ctDNA bei Patient*innen mit hepatozellulärem Karzinom (HCC).
Studiendesign: Das Autorenteam untersuchte 772 Plasma-Proben von 173 Patient*innen mit HCC, die zum Zeitpunkt der Diagnose oder Behandlung genommen worden waren (n = 502), 24 Stunden nach lokoregionärer Behandlung (n = 154) und während des Follow-ups (n = 116). Als Kontrolle wurden 56 Plasmaproben von Patient*innen mit chronischer Lebererkrankung ohne HCC analysiert. In allen Proben wurde die Konzentration der zellfreien DNA (cell-free DNA, cfDNA) bestimmt, und alle Proben wurden mittels Sequenzierung und digitaler Tröpfchen-PCR auf Mutationen im Promoter des TERT-Gens sowie in den Genen CTNNB1, TP53, PIK3CA und NFE2L2 getestet. Die Ergebnisse wurden mit 232 entsprechenden Tumorproben verglichen.
Ergebnisse: Bei den Patient*innen mit aktivem HCC war 40,2% der ctDNA mutiert versus 14,6% bei denjenigen mit inaktivem HCC und 1,8% in der Kontrollgruppe (p < 0,001). Bei aktivem HCC wurden 27,5% Mutationen im Promoter des TERT-Gens, 21,3% in TP53, 13,1% in CTNNB1, 0,4% in PIK3CA und 0,2% in NFE2L2 identifiziert, und diese ähnelten meist denjenigen, die im entsprechenden Tumorgewebe identifiziert wurden. Bei fortgeschrittenen Tumorstadien erhöhte sich die ctDNA-Mutationsrate (p < 0,001). Bei 103 mit perkutaner Ablation behandelten Patient*innen war das Vorhandensein und die Anzahl der Mutationen in der ctDNA vor der Behandlung mit einem höheren Risiko für Tod (p = 0,001) und dem Auftreten eines Rezidivs (p < 0,001) assoziiert. Interessanterweise stiegen die cfDNA-Konzentration und die nachweisbaren Mutationen 24 Stunden nach einer lokoregionären Behandlung an. In den 356 Plasmaproben, die bei 53 systemisch behandelten Patient*innen entnommen worden waren, wurden bei Studienbeginn in 60,4% der Fälle Mutationen nachgewiesen. Bei den mit Atezolizumab-Bevacizumab behandelten Patient*innen war die persistierende Mutation in der ctDNA mit radiologischer Progression assoziiert (63,6% vs. 36,4% vollständiges Verschwinden, p = 0,019). Bei 2 Patient*innen mit fortschreitender Erkrankung unter systemischer Therapie wurde im Plasma eine Mutation im CTNNB1-Gen festgestellt, wobei diese bei 1 Person im Tumor subklonal und bei der anderen im Tumor nicht nachweisbar war.

Schlussfolgerung: Die zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) liefert dynamische Informationen, die Einblicke in die Biologie des Tumors ermöglicht. Damit steht ein hilfreiches nicht-invasives Tool zur Verfügung, das die Orientierung bei der klinischen Versorgung von Patient*innen mit hepatozellulärem Karzinom erleichtert.

J.-C. Nault, Cordeliers Research Center, INSERM, Paris Cité University, „Functional Genomics of Solid Tumors“ Team, Ligue Nationale Contre le Cancer Accredited Team, Labex OncoImmunology, Sorbonne Université, Université Paris Cité, Paris, Frankreich, E-Mail: naultjc@gmail.com

DOI:  10.1136/gutjnl-2024-331956

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