Leber und Gallenwege
Hepatology. 2024;79(6):1401–11
Association of glucagon-like peptide-1 receptor agonists with serious liver events among patients with type 2 diabetes: A Scandinavian cohort study
Zusammenhang zwischen Glucagon-like-Peptid-1-Rezeptor-Agonisten und schwerwiegenden hepatischen Ereignissen bei Patient*innen mit Typ-2-Diabetes: eine skandinavische Kohortenstudie
Hintergrund und Ziele: Klinische Studien legen nahe, dass sich Glucagon-like-Peptid-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1RAs) günstig auf eine metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease, MASLD) auswirken können, wobei ihre Wirkung auf harte hepatische Endpunkte nicht bekannt ist. Die Autor*innen beurteilten den Zusammenhang zwischen der Anwendung von GLP-1RAs und dem Risiko schwerwiegender hepatischer Ereignisse im klinischen Alltag.
Ansatz und Ergebnisse: Diese Kohortenstudie wurde mit Daten aus landesweiten Registern in Schweden, Dänemark und Norwegen aus den Jahren 2007–2020 durchgeführt. Dazu zählten die Daten von 91.479 Patient*innen, bei denen eine Behandlung mit GLP-1RAs eingeleitet wurde, sowie von 244.004 Starter*innen der aktiven Vergleichstherapie mit Dipeptidylpeptidase-4(DPP4)-Inhibitoren. Bei den Patient*innen fanden sich in der Anamnese keine chronischen Lebererkrankungen mit Ausnahme von MASLD/MASH (metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis). Primärer Endpunkt war das Auftreten schwerwiegender hepatischer Ereignisse – eine Kombination aus beginnender kompensierter und dekompensierter Zirrhose und hepatozellulärem Karzinom (HCC). Sekundäre Endpunkte waren die Einzelkomponenten des primären Endpunkts. Die Hazard-Ratios (HRs) wurden mit Cox-Regressionsanalysen geschätzt, wobei zum Ausgleich von Störfaktoren eine Gewichtung des Propensity-Scores vorgenommen wurde. Unter Anwendung von GLP-1RAs kam es zu 608 schwerwiegenden hepatischen Ereignissen (angepasste Inzidenzrate = 16,9 Ereignisse pro 10.000 Personenjahre). Dem stehen 1770 Ereignisse bei einer Behandlung mit DDP4-Inhibitoren gegenüber (19,2 Ereignisse pro 10.000 Personenjahre). Die angepasste HR betrug 0,85 (95% Konfidenzintervall [CI]: 0,75–0,97) und die Ratendifferenz lag bei -2,1 (-4,4–0,1) Ereignissen pro 10.000 Personenjahre. Bei der Analyse der sekundären Endpunkte zeigte sich eine angepasste HR von 0,85 (95% CI: 0,75–0,97) bei der kompensierten und der dekompensierten Zirrhose sowie von 1,05 (95% CI: 0,80–1,39) bei einem HCC.
Schlussfolgerungen: Die Anwendung von Glucagon-like-Peptid-1-Rezeptor-Agonisten ging mit einem signifikant verringerten Risiko schwerwiegender hepatischer Ereignisse infolge eines Rückgangs kompensierter und dekompensierter Zirrhosen einher.