Editorial
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Die Indikationen zum Einsatz einer Immuntherapie durch Checkpoint-Inhibitoren für gastrointestinale Tumoren werden stetig ausgeweitet und ermöglichen ein deutlich besseres Therapieansprechen. In der Matterhorn-Studie konnte bei neoadjuvanter Therapie von Adenokarzinomen des gastroösophagealen Übergangs und Magens die Wirksamkeit der Standardtherapie nach dem FLOT-Protokoll durch eine additive Immuntherapie mit dem PD-L1-Antikörper Durvalumab signifikant verbessert und so ein neuer Therapiestandard etabliert werden (Janjigian et al.). Sehr eindrucksvoll sind auch die Ergebnisse einer Immuntherapie bei Mismatch-Reparatur-defizienten(dMMR)-Tumoren. Bei Patient*innen mit dMMR-Tumoren des Rektums und anderer Lokalisation im Frühstadium, die einer kurativen Operation zugänglich waren, konnte nach neoadjuvanter PD-1-Blockade bei einem hohen Anteil der Patient*innen auf die Operationganz verzichtet werden (Cercek et al.). Eine erfolgreiche Tumortherapie erfordert aber nicht nur Medikamente und/oder die Chirurgie: Nach Komplettierung einer adjuvanten Chemotherapie bei Kolonkarzinom konnte in einer großen randomisierten Studie durch ein strukturiertes Bewegungsprogramm über einen Zeitraum von 3 Jahren im Vergleich zur alleinigen Ausgabe von Informationsbroschüren ein signifikant längeres krankheitsfreies Überleben und möglicherweise längeres Gesamtüberleben erreicht werden (Courneya et al.). Eine wissenschaftlich interessante Weiterentwicklung im Bereich der gastrointestinalen Onkologie stellt auch der erstmals erfolgreiche Einsatz einer CAR-T-Zelltherapie zur Behandlung solider Tumoren dar: In einer Phase-II-Studie an Patient*innen mit fortgeschrittenen Magenkarzinomen konnte erstmals für solide Tumoren in einer randomisierten Studie ein Überlebensvorteil durch eine Behandlung mit CAR-T-Zellen belegt werden (Qi et al.). […]
Die Inzidenz und Prävalenz von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) nehmen nicht nur in industrialisierten Wohlstandsgesellschaften, sondern auch in zahlreichen Schwellenländern deutlich zu. Eine umfassende globale Auswertung epidemiologischer Daten erlaubt Hochrechnungen, dass sich die Prävalenz von CED in Europa bis 2040 voraussichtlich verdreifachen und einen Wert von ca. 1,5% erreichen wird. Dies unterstreicht die Notwendigkeit für wirksame Ansätze zur Prävention, Früherkennung und Therapie von CED (Hracs et al.). Für die medikamentöse Therapie des M. Crohn stellen derzeit IL-23-Antikörper eine erhebliche Bereicherung dar. Beispielsweise war im GALAXI-Studienprogramm die Behandlung mit dem IL-23-Antikörper Guselkumab nicht nur einer Behandlung mit Placebo überlegen, sondern schnitt nach 48 Wochen auch in zahlreichen Endpunkten signifikant besser ab als eine Behandlung mit Ustekinumab (Panaccione et al.).
Bisher ist die diagnostische Wertigkeit von Laborparametern wie CA 19-9 zur Früherkennung von Pankreaskarzinomen eingeschränkt. Dies könnte durch massenspektrometrische Untersuchungen von metabolischen Parametern im Plasma verbessert werden. Bei Patient*innen mit abklärungsbedürftigen Raumforderungen schnitten in einer deutschen Studie (METAPAC) zwei Plasma-Multimetaboliten-Signaturen beim Ausschluss duktaler Pankreaskarzinome signifikant besser ab als die alleinige CA-19-9-Bestimmung (Mahajan et al.).
Auf dem Feld der metabolische Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) ist weiterhin viel Bewegung. In der aktuellen Ausgabe werden eine Vielzahl von hochrangig publizierten Therapiestudien vorgestellt, die in unterschiedlichen Patientenkohorten verschiedene Therapieansätze näher an die klinische Nutzbarkeit bringen. So werden neben Glucagon-like-Peptide-1(GLP-1)-Analoga (Sanyal et al.) weitere Daten zur Wirksamkeit von Fibroblasten-Wachstumsfaktor-21(FGF21)-Analoga (Noureddin et al., Noureddin et al., Loomba et al.) sowie von einem Antisense-Inhibitor der Diacylglycerol-O-Acyltransferase 2 (DGAT2) (Loomba et al.) vorgestellt.
Auf dem Gebiet hepatobiliärer Tumoren werden Sie über Fortschritte sowohl in der HCC-Früherkennung als auch in der systemischen Therapie informiert. In der Bildgebung deuten neue Daten darauf hin, dass das nicht-kontrastverstärkte MRT gegenüber dem Ultraschall Vorteile in der HCC-Surveillance bietet (Rhee et al.), und KI-gestützte kontrastverstärkte Ultraschallmodelle die Differenzierung fokaler Leberläsionen weiter verbessern könnten (Ding et al.). Auf therapeutischer Seite werden beim HCC sowohl das Management nach komplettem Ansprechen unter Immuntherapie (Scheiner et al.) als auch die Wirksamkeit von Nivolumab plus Ipilimumab gegenüber Tyrosinkinase-Inhibitoren diskutiert (Yau et al.).
Wir hoffen, dass wir Ihnen mit der Auswahl der Arbeiten einen guten Überblick über die aktuelle Studienlandschaft verschaffen konnten und wünschen Ihnen eine anregende Lektüre sowie eine schöne Weihnachtszeit und bereits jetzt alles Gute für das neue Jahr!
Mit besten Grüßen
Peter Hasselblatt und Tobias Böttler
Klinik für Innere Medizin II, Universitätsklinikum Freiburg
Aktuelles aus der Literatur in dieser Ausgabe
Efruxifermin bei kompensierter, durch MASH verursachter Leberzirrhose
N Engl J Med. 2025;392(24):2413-2424
Ältere Erwachsene mit Zöliakie haben ein erhöhtes Risiko für Gebrechlichkeit: eine landesweite Kohortenstudie
Am J Gastroenterol. 2025;120(7):1636-1644
Prävalenz und Rate undiagnostizierter Zöliakie in einer allgemeinen erwachsenen Bevölkerung: die Trøndelag Health Study, Norwegen
Clin Gastroenterol Hepatol. 2025;23(7):1143-1151
Antibiotikaresistenz von Helicobacter pylori: eine globale Herausforderung und die Suche nach Lösungen
Gut. 2025;74(10):1561-1570
DNA-Methylierungsmarker zur präzisen Risikostratifizierung des primären Magenkarzinoms nach H. pylori-Eradikation: eine multizentrische prospektive Studie
Gut. 2025;74(9):1410-1418
Biomarker-Risikostratifizierung mit Kapselschwamm bei der Überwachung eines Barrett-Ösophagus: prospektive Untersuchung der Implementierung im klinischen Alltag im Vereinigten Königreich
Lancet. 2025;406(10500):271-282
Claudin-18-Isoform-2-spezifische CAR-T-Zell-Therapie (satri-cel) im Vergleich zur Behandlung nach ärztlicher Wahl bei vorbehandeltem fortgeschrittenem Karzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs (CT041-ST-01): eine randomisierte, offene Phase-II-Studie
Lancet. 2025;405(10494):2049-2060
TFOX versus FOLFOX als Erstlinientherapie bei Patient*innen mit fortgeschrittenem HER2-negativem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs (PRODIGE 51-FFCD-GASTFOX): eine offene, multizentrische, randomisierte Phase-III-Studie
Lancet Oncol. 2025;26(6):732-744
Trastuzumab-Deruxtecan oder Ramucirumab plus Paclitaxel bei Magenkarzinom
N Engl J Med. 2025;393(4):336-348