Herbert Falk – Unternehmer mit Optimismus und Weitblick
Am 20. Juli 2024 hätte Herbert Falk, Gründer von Dr. Falk Pharma und der Falk Foundation, seinen 100. Geburtstag gefeiert. Als Unternehmer verband er Mut mit Bescheidenheit, förderte Vielfalt und kulturelle Offenheit – und blieb doch immer bodenständig. Der folgende Rückblick zeichnet nicht nur die Gründung der Dr. Falk Pharma und der Falk Foundation e.V. nach, sondern vermittelt auch ein Bild der Persönlichkeit Herbert Falks – und eines Lebenswerks, das bis heute nachwirkt.
Geburt und frühe Kindheit in Müllheim
Eltern und Familie
Herbert Falk wurde als erstes von vier Kindern am 20. Juli 1924 in Müllheim, Baden geboren. Seine Eltern lernten sich in der Stadt-Apotheke in Müllheim kennen. Vater Emil hatte diese als Apotheker gepachtet und Mutter Elisabeth absolvierte dort das damals obligate Praktikum für ein Pharmaziestudium. Obwohl hochbegabt und Jahrgangsbeste in der Schule, gab sie ihre Studienpläne zugunsten der Familiengründung auf. So widmete sie sich nach der Geburt des ersten Sohnes Herbert der Familie und unterstützte ihren Mann in der Apotheke.
Frühe Kindheit und Schulzeit
Seine ersten Lebensjahre in der kleinen Gemeinde Müllheim genoss Herbert Falk gemäß den späteren Erzählungen seiner Mutter Elisabeth sehr. Zum Leidwesen seiner Mutter entwickelte Herbert auf der Müllheimer Grundschule weit weniger Enthusiasmus. Er war eher ein mittelprächtiger Schüler; dies sollte sich später auf der Oberschule nicht allzu sehr ändern. Sein Organisationstalent bewies er allerdings bereits früh. So organisierte er mit Freunden im Nachbarort Badenweiler Bergrennen mit selbst gebauten Seifenkisten, bei denen er auch selbst mitfuhr.
Wegzug von Müllheim
Im Jahr 1934 zog Herbert mit seiner Familie von seinem geliebten Heimatort fort. Vater Emil konnte die Herdern-Apotheke in Freiburg als Eigentümer übernehmen. Wie seine Mutter Elisabeth später berichtete, fiel dem zehnjährigen Herbert der Wegzug von der Idylle Müllheim besonders schwer, verlor er doch dadurch sein Netzwerk mit Spiel- und Schulkameraden, die er noch lange Zeit vermisste. Seine hohe Verbundenheit mit Menschen aus seiner Kindheit äußerte sich auch darin, dass er bis ins hohe Alter zu drei früheren Klassenkameraden aus der Grundschule engen Kontakt hielt.
Schulzeit in Freiburg und Kriegsteilnahme
Schulzeit in Freiburg
Als Herbert Falk mit seiner Familie nach Freiburg zog, wurde er in die Rotteck-Oberschule für Jungen eingeschult.
Als seine Klasse dem Physiklehrer einen Streich spielte und sich auf Nachfrage alle zu diesem Streich bekannten, erklärte der Lehrer die Klasse für „solidarisch“ und schickte diese geschlossen in den Arrest. Dies war die Geburtsstunde der „Solidarier“, wie sich die Klassengemeinschaft fortan nannte.
Die „Solidarier“ wurden eine feste Lebensgemeinschaft, weit über die Schulzeit hinaus. Bis zum Lebensende trafen die ehemaligen Klassenkameraden sich regelmäßig, später zusammen mit ihren ganzen Familien.
Ausbildung zum Soldaten
Wie alle seiner Klassenkameraden meldete sich Herbert Falk im Jahr 1942 freiwillig für den Kriegseinsatz. Er wurde zum Funker in einem Panzerwagen ausgebildet. Im November kam für seine Einheit der Marschbefehl in den Krieg.
Kriegseinsatz in Tunesien
Ende 1942 ging es für Herbert Falk im Alter von 18 Jahren zunächst mit dem Zug nach Italien. Auf einem italienischen Zerstörer gelangten er und seine Einheit weiter nach Tunesien.
Ein Jahr später wurde Herbert Falk von britischen Soldaten in Gewahrsam genommen und an US-amerikanische Truppen übergeben.
Kriegsgefangenschaft
Im Laderaum eines Frachtschiffs ging es für ihn und seine Kameraden über den Atlantik nach Nordamerika. Dort verbrachte er die nächsten zweieinhalb Jahre mit Arbeitseinsätzen wie Baumwolle in Louisiana pflücken, Kartoffeln in Idaho ernten, Sümpfe in Florida trockenlegen oder Konservendosen in einer Fabrik in Toronto abfüllen. Im Frühjahr 1946 kam er zurück nach Europa, zunächst für ein weiteres Jahr Arbeitsdienst nach Großbritannien. Der Respekt, die Aufgeschlossenheit und Freundlichkeit der dortigen Bevölkerung, die ihm als Kriegsgegner entgegengebracht wurden, milderten sein zunehmend wachsendes Heimweh.
Rückkehr nach Freiburg und akademische Ausbildung
Rückkehr nach Freiburg und Pharmaziestudium
Nach fünf Jahren Krieg und Gefangenschaft kehrte Herbert Falk im April 1947 in das kriegszerstörte Freiburg zurück. Den wirtschaftlichen Zwängen der Zeit und dem mehr oder weniger sanften Druck seiner Eltern gehorchend, begann er seine Ausbildung in der Pharmazie. Nach Abschluss seines zweijährigen Praktikums in der Herdern-Apotheke begann er 1949 das Pharmaziestudium an der Albert-Ludwigs-Universität seiner Heimatstadt, das er 1952 mit dem zweiten Staatsexamen erfolgreich abschloss.
Seine freie Zeit verbrachte er gerne und häufig mit seinen ehemaligen Klassenkameraden, den „Solidariern“, wie sie sich zeitlebens weiter nannten.
In den Semesterferien unternahm er mit seinem Motorrad zwei größere Rundreisen. 1950 ging es von Freiburg über Marseille und Monte Carlo bis nach Rom, 1951 dann über teils unbefestigte Straßen nach Nord-Norwegen bis zum Nordkap.
Promotion in der Pharmazie und Studium der Medizin
Nach dem zweiten Staatsexamen promovierte Herbert Falk bei Prof. Kurt Walter Merz, Direktor des Pharmazeutischen Instituts in Freiburg. In seiner Promotion bestimmte er den Glycin-Gehalt in Spinat und dessen Einfluss auf den menschlichen Organismus. Parallel dazu studierte er Humanmedizin bis zum zweiten Staatsexamen. Die Humanmedizin schloss er ebenfalls mit einer Dissertation in der Inneren Medizin bei Prof. Ludwig Heilmeyer ab. Während seiner medizinischen Promotion lernte er den damaligen Assistenzarzt Kurt Beck kennen, mit dem er später Therapeutika bei chronischen Lebererkrankungen entwickelte und mit dem eine langanhaltende Freundschaft entstand. Ende 1959 war Herbert Falk in Pharmazie und Medizin doppelt examiniert und doppelt promoviert.
Gründerjahre von Unternehmen, Familie und Symposien
Die ersten Schritte als Unternehmer
Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Pharmaziestudiums arbeitete Herbert Falk ab dem Jahr 1955 parallel zum Medizinstudium in der Herdern-Apotheke. Die Arbeit in der Apotheken-Offizin unter Aufsicht seines Vaters Emil war für ihn eher Pflichtprogramm als ein Hort großer Freude.
Größere Freude bereitete ihm die Herstellung von Herztropfen aus Crataegus- und Viscum-Extrakt im Labor der Apotheke. Die größte Freude aber machte ihm der Verkauf und die Besprechung dieser Extraktmischung unter dem Namen „Crataeviscum“ zunächst bei Ärzt*innen und Apotheken in Freiburg und bald darauf in ganz Baden und Württemberg. Für seine ersten Besuchsfahrten lieh er sich das Auto von Vater Emil.
Gründung des eigenen Unternehmens
Die ersten kleineren Erfolge mit dem Verkauf von „Crataeviscum“ motivierten Herbert Falk zu Größerem, daher gründete er 1960 die „Remefa Arzneimittel GmbH & Co. KG“. Bereits drei Jahre später wurde das Unternehmen in „Dr. Falk Arzneimittel GmbH & Co. KG“ umbenannt. Das Jahr 1960 war auch die Geburtsstunde des Arzneimittels „Hepatofalk“, eines oralen Leber-Therapeutikums mit zwölf in der Literatur als wirksam beschriebenen, meist pflanzlichen Inhaltsstoffen. Bei der Entwicklung dieses Arzneimittels wurde Herbert Falk von zwei Weggefährten aus Studientagen unterstützt, dem Assistenzarzt Kurt Beck und dem Pharmazeuten und Galeniker Norbert Otterbeck. Die Dragees der ersten Verkaufs-Charge durchquerten jedoch meist intakt die Magen-Darm-Passage, ohne sich dabei aufzulösen. „Hepatofalk“ wurde reformuliert und bald ein wichtiger Umsatzträger.
Heirat und Familiengründung
1963 läuteten für Herbert und Ursula Falk, geborene Fritsch, die Hochzeitsglocken in Freiburg. Ursula arbeitete als MTA (medizinisch-technische Assistentin) in der Uniklinik, nachdem sie 1959 im Alter von 19 Jahren zur Ausbildung nach Freiburg gekommen war.
Ein gutes Jahr nach Eheschließung von Herbert und Ursula, 1964, kam Tochter Carola, anderthalb Jahre später, 1966, Sohn Martin zur Welt. Unter der Woche war die junge Mutter mit den kleinen Kindern meist völlig auf sich gestellt, da der Familienvater per Auto, in Folge mit zwei Fahrzeugen des Typs Citroën DS und später des Typs Opel Diplomat, Ärzt*innen in nahezu allen Kliniken in Westdeutschland, von Flensburg bis Passau, besuchte.
Organisation des ersten internationalen Symposiums
Ein Jahr nach dem Tod seines bis dato wichtigsten Förderers und Kritikers, Vater Emil, startete Herbert Falk im Jahr 1967 sein nächstes Großprojekt. Beim 3. Weltkongress für Gastroenterologie 1966 in Tokio fasste er gemeinsam mit seinem Freund Kurt Beck und dem damals führenden Pathologen in Hepatologie Prof. Hans Popper (New York) den Entschluss, im darauffolgenden Jahr in Freiburg einen internationalen Kongress über „Ikterus“ (Gelbsucht infolge einer Leberentzündung) zu veranstalten. Hans Popper wurde von da an für die nächsten zwei Jahrzehnte enger Begleiter bei der Organisation wissenschaftlicher Symposien und persönlicher Freund von Herbert Falk.
Nicht nur die Teilnehmerzahlen des ersten Symposiums, sondern auch die Kosten überstiegen die ursprünglichen Erwartungen. Es kamen nahezu 800 Teilnehmende aus 17 Ländern.
Zeiten wichtiger Weichenstellungen
Eine neue Heimat für Unternehmen, Apotheke und Familie
Wegen des unermüdlichen Engagements von Herbert Falk wuchs die Firma Falk bereits im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens stetig. Der Umsatz stieg von knapp 40 Tausend DM (20 Tausend EUR) im ersten Geschäftsjahr auf 1,75 Millionen DM (877 Tausend EUR) im Jahr 1969. Herbert Falk erwarb in direkter Nachbarschaft der Herdern-Apotheke ein Wohnhaus, das er mit viel Optimismus und wenig eigenen Finanzmitteln in ein Bürohaus umwandeln ließ. 1970 zogen dann zwölf Mitarbeitende in die neuen Räume der Habsburgerstraße 79.
Im selben Jahr mietete er für die Herdern-Apotheke, die er 1960 zunächst als Pächter und 1970 dann als Eigentümer von seiner Mutter Elisabeth übernommen hatte, neue Geschäftsräume und verlegte deren Sitz dorthin.
Einführung der Gallensäure-Präparate
Aufgrund der hohen Ausgaben für Symposien und Bautätigkeiten lastete Anfang der Siebzigerjahre ein gewaltiger, wirtschaftlicher Druck auf den Schultern von Herbert Falk, welchem er mit Optimismus, noch mehr persönlichem Einsatz und neuen Ideen begegnete. Seine Stärke, positiv nach vorne zu blicken, sowie die Dinge ohne Zaudern und mit viel Fleiß in die eigenen Hände zu nehmen, halfen ihm nicht nur beim erfolgreichen Vertrieb seiner mittlerweile in Deutschland gut etablierten Produkte wie „Hepatofalk“, „Orotofalk“ oder „ADEK-Falk“, sondern ließen ihn auch zusammen mit einer wachsenden Gemeinschaft von Expert*innen in der Hepatologie an neuen Produktansätzen für sein Unternehmen arbeiten. So etablierte er mit den beiden Gallensäuren „Chenodeoxycholsäure“ und „Ursodeoxycholsäure“ die medikamentöse Gallensteinauflösung. Mit diesem neuen Therapieansatz widmete sich Herbert Falk dann auch mit Partnern den ersten Auslandsmärkten, beginnend 1974 mit den Niederlanden und Israel. Die Schulden konnten zum Ende des Jahrzehnts alle abgetragen werden, der Umsatz der Firma Falk betrug im Jahr 1979 bereits 10,67 Millionen DM (5,45 Millionen EUR) mit einem respektablen Auslandsanteil von über 22%.
Gründung der Falk Foundation e.V.
Herbert Falk war in den Sechzigerjahren sein einziger Vertriebsmitarbeiter, eine recht begrenzte Ressource für ganz Westdeutschland. Statt mehrere Außendienstmitarbeitende einzustellen, wie damals üblich, ging Herbert Falk neue Wege, um die Bekanntheit seines Unternehmens zu vergrößern. Im Jahr 1974 begann er einen Literaturdienst aufzubauen, der Zusammenfassungen von ausgewählten Fachartikeln auf dem Gebiet der Hepatologie, später der gesamten Gastroenterologie an interessierte Ärztinnen und Ärzte kostenlos verschickte. Anfangs war er an der Artikelauswahl noch persönlich beteiligt. Zudem entwickelte er mit den Erfahrungen aus den internationalen Symposien das Konzept der regionalen Fortbildungen für den medizinischen Austausch und die Weiterbildung von Ärzt*innen, später dann auch für Patient*innen. Um den angebotenen Service gegenüber dem eigentlichen Produktvertrieb der Firma Falk besser abzugrenzen, gründete Herbert Falk 1978 zusammen mit Ehefrau Ursula und befreundeten Ärzt*innen und Wissenschaftler*innen die Falk Foundation als eingetragenen Verein. Der neu gegründete Verein veranstaltete von da an auch die internationalen Symposien. Finanziert wurde und wird die Falk Foundation zwar aus den Erlösen des Unternehmens, fungiert ansonsten jedoch unabhängig davon.
Verleihung des Bundesverdienstkreuzes
Das große persönliche Engagement für die medizinische Fortbildung von Herbert Falk blieb interessierten Fachkreisen nicht verborgen, nicht zuletzt auch wegen Veranstaltungen wie der „Basler Leberwoche“, die in der Spitze von bis zu 2000 Teilnehmenden aus 60 verschiedenen Ländern besucht wurde, und von 1976 bis 1995, mit einer Ausnahme, alle drei Jahre stattfand. Im Jahr 1978 wurde Herbert Falk für dieses Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande aus der Hand des damaligen Oberbürgermeisters der Stadt Freiburg, Eugen Keidel, verliehen. Herbert Falk war es an diesem Tag ein Anliegen, dass diese persönliche Auszeichnung auch als Anerkennung für die erbrachten Leistungen aller Mitarbeitenden verstanden wurde.
Den Ausgleich für Arbeit und Feiern fand er bei körperlicher Bewegung, sei es beim Skifahren auf Wasser und im Schnee, beim wöchentlichen Tennisspielen oder beim Wandern.
Wirtschaftlicher Durchbruch und eine neue Profession
Erfolg und Wachstum mit Salofalk®
In den ersten 20 Jahren nach der Gründung seines Unternehmens legte Herbert Falk den Produktfokus auf die Therapie von Erkrankungen der Leber und der Gallenwege. Dies änderte sich im Jahr 1979 durch die Einführung von „Mucofalk®“, einem Darmregulanz gegen Obstipation, und im Jahr 1984 durch die Einführung von „Salofalk®“ zur Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Die Produkte von Salofalk® sorgten für ein bis dahin unbekanntes Unternehmenswachstum. Lag der Umsatz im Jahr 1984 noch bei 17,42 Millionen DM (8,91 Millionen EUR), überstieg dieser elf Jahre später, 1995, mit 103,36 Millionen DM (52,85 Millionen EUR) zum ersten Mal die Schwelle von 100 Millionen. Die Entwicklung von Salofalk® erforderte einen bis dahin ungewohnt hohen Aufwand, finanziell wie auch klinisch-technologisch. Während die Salofalk®-Suppositorien ursprünglich einlizensiert wurden, war die 50-mg-Tablette eine Eigenentwicklung.
Verlässlichkeit und Vertrauen
Herbert Falk war Verlässlichkeit und gegenseitiges Vertrauen sowohl in privaten als auch geschäftlichen Beziehungen enorm wichtig. Wurde er diesbezüglich enttäuscht, zog er bei Mensch und Geschäft schnell einen Schlussstrich. Unter Vermittlung eines Beraters und unter Einbeziehung lokaler Partner wurden die „Interfalk Canada“ und die „Interfalk Italia“ als Vertriebstöchter im Ausland gegründet. Doch da die Partner und der Berater die Verträge zu ihrem Vorteil nutzten, verkaufte Herbert Falk „Interfalk Canada“ und stellte das Italien-Geschäft ein. Der eigene Seelenfrieden war ihm wichtiger als mehr Geld.
Sehr viel glücklicher verlief dagegen die Beteiligung an der Losan Pharma im Jahr 1992, die damals von Dr. Peter Sandmeier, Dr. Peter Gruber und Winfried Siegl in Neuenburg auf der grünen Wiese gegründet wurde. Diese Beteiligung sicherte die Produktion von Salofalk®, Ursofalk® und später auch Budenofalk® strategisch ab; ein stabiles Wachstum des eigenen Unternehmens wurde dadurch ermöglicht.
Umzug in die neue Firmenzentrale
Die erfolgreiche Einführung von Salofalk® ließ das Unternehmen in neue Dimensionen wachsen. Im Jahr 1989 wurde dieses von „Dr. Falk Arzneimittel GmbH & Co. KG“ in „Dr. Falk Pharma GmbH“ umfirmiert, und es siedelten 60 Mitarbeitende von der Habsburgerstraße in ein neues Firmengebäude nach Freiburg-Hochdorf um. Der Neubau entstand unter der planerischen Regie von Ursula Falk, die immer mehr Verantwortung im Unternehmen übernahm und 1995 zur weiteren Geschäftsführerin neben Herbert Falk ernannt wurde.
Vom Wanderhobby zur Profession
Die Unterstützung in der nun erweiterten Geschäftsleitung gab Herbert Falk mehr Raum für sein mittlerweile größtes Hobby, das Beschreiben von Wanderrouten durch den Schwarzwald. Entstanden war dieses Hobby aufgrund der von der Firma Dr. Falk Pharma herausgegebenen Schwarzwaldkalender, die an bis zu 60.000 Ärztinnen, Ärzte und Apotheken jedes Jahr verschenkt wurden. Die Vorderseite dieser Kalender schmückten zunächst Fotomotive des Schwarzwalds, später Malereien von Künstler*innen. Auf der Rückseite wurden Wanderrouten beschrieben, was zunächst von Dritten übernommen wurde. Herbert Falk war mit diesen Beschreibungen jedoch so unzufrieden, dass er Ende der Siebzigerjahre beschloss, dies selbst in die Hand zu nehmen. Zusammen mit dem Grafiker und Freund Sepp Wurster, einem Diktiergerät und einer Stoppuhr durchwanderte er Nord- und Südschwarzwald und verfasste bis Ende der Neunzigerjahre 180 Wanderungen, die, mit zahlreichen Motivskizzen von Sepp Wurster versehen, in separat zum Kalender verlegten und über den Buchhandel verkauften Schwarzwald-Wanderführern in zwölf Einzelbänden publiziert wurden.
Das 100. Falk Symposium
Das 100. Falk Symposium mit dem Titel „Darm und Leber“, das vom 29. bis 31. Mai 1997 in Freiburg stattfand, war sicherlich ein besonderes Ereignis im Leben von Herbert Falk. 1100 Teilnehmende aus 50 Ländern diskutierten und verfolgten den Zusammenhang des Stoffwechsels von Leber und Darm sowie deren Erkrankungen.
Aufgrund des 100. Jubiläums des Symposiums wollte Herbert Falk nicht nur auf wissenschaftlicher Ebene etwas Herausragendes bieten, sondern begeisterte auch mit einer großen Sternwanderung durch den Schwarzwald. In einem großen Festzelt auf dem Sportplatz in St. Märgen trafen sich dann die Wandergruppen, um begleitet von mehreren Musikgruppen den Wandertag stimmungsvoll abzuschließen. Höhepunkt dieses Abends war, als Herbert Falk unter tosendem Applaus auf die Festbühne stieg und die Festgesellschaft zum Mitsingen des „Badnerlieds“ einlud, ein bei solchen Anlässen etabliertes Ritual. Die gelebte und tief empfundene Heimatverbundenheit von Herbert Falk trat zu Tage, wenn er voller Inbrunst, nicht immer ton-, jedoch textsicher dieses Lied vorsang.
Zenit und Ende eines ereignisreichen Lebens
Freunde und Familie
Herbert Falk war für Freunde und Familie äußerst verlässlich; er war stets zur Stelle, wenn nötig. Bis zum Schluss hielt er Kontakt zu Klassenkameraden, Studienfreunden und späteren Weggefährten. Probates Mittel dafür war das Schreiben von Postkarten auf seinen Reisen oder zum Geburtstag, meist mit selbst gedichteten Reimen und in sehr hoher Auflage.
Nur stellvertretend für die vielen Wegbegleiter*innen seien Dr. Maria und Prof. Ulrich Leuschner von der Uniklinik Frankfurt erwähnt.
Auch Prof. Michael Manns und Prof. Jürgen Schölmerich, Ordinarien in Hannover und Regensburg, waren für ihn wichtige Ratgeber und persönliche Bezugspunkte in seinen späteren Jahren.
Die Familie folgte meist dem vorgegebenen Takt des Unternehmens sowie den Aktivitäten drumherum. Die Kinder von Tochter Carola, seine drei Enkelkinder Adrian, Elena und Julius, geboren in den Jahren 1998, 2000 und 2001, lernte er noch kennen. Er freute sich, seine Enkelkinder regelmäßig zu sehen.
Einfahren der Ernte
Den wirtschaftlichen Durchbruch mit seinem Unternehmen erfuhr Herbert Falk in seinem ereignisreichen Leben vergleichsweise spät, kurz vor seinem 70. Lebensjahr, nach fast 40 Jahren unternehmerischen Wirkens mit hohem persönlichem Risiko. Die wachsenden Verkäufe im In- und Ausland beflügelten Anfang der Neunzigerjahre Umsatz und Ergebnis der Dr. Falk Pharma, an welcher mittlerweile neben seiner Ehefrau Ursula auch seine beiden Kinder Carola und Martin als Gesellschafter*in beteiligt waren. Daneben erhielt er bis zu seinem Lebensende zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen für seine großzügige Förderung der medizinischen Weiterbildung mit der Falk Foundation, die er, für so manche Zeitgenoss*innen unverständlich, unabhängig von wirtschaftlichen Überlegungen mit viel innerer Begeisterung betrieb.
Im Jahr 2004 erhielt er von der „American Gastroenterological Association“, der weltgrößten Fachvereinigung in der Gastroenterologie, den „AGA Lifetime Distinguished Service Award“. Herbert Falk freute sich über alle Ehrungen. Auf die Auszeichnung der „AGA“, war er jedoch besonders stolz.
Rückzug und Abschied
Ende 2003 beschloss Herbert Falk, im Folgejahr, dem Jahr seines 80. Geburtstags, aus der Geschäftsleitung der Dr. Falk Pharma auszuscheiden sowie auch als Vorstand der Falk Foundation zurückzutreten. Letzteres fiel ihm besonders schwer, jedoch zwangen ihn seine nachlassenden körperlichen Kräfte dazu. Die Unternehmensleitung übergab er an seine Ehefrau Ursula, die bereits seit 1995 an seiner Seite in der Geschäftsführung tätig war, sowie an die Prokuristen Dr. Roland Greinwald, Leiter für Produktentwicklung und Zulassung, und Rolf Stöcklin, kaufmännischer Leiter. Auch Peter Braun, Sohn eines ehemaligen Klassenkameraden von Herbert Falk, war als Leiter des immer wichtiger werdenden Auslandsgeschäfts Garant für den weiteren Unternehmenserfolg.
Als Herbert Falk im Jahr 2004 die Leitung seines Lebenswerks übergab, betrug der Umsatz der Dr. Falk Pharma knapp 125 Millionen EUR mit einem Auslandsanteil von über 50% und mehr als 80 Mitarbeitenden. Die Übertragung der Unternehmensverantwortung an die zweite Generation, an seine Kinder, wünschte er sich zwar, er hatte jedoch nicht mehr die Kraft, dies umzusetzen. Am 8. August 2008 verstarb Herbert Falk im Alter von 84 Jahren bei sich zu Hause – ein leicht zu merkendes Datum, das er sich als Liebhaber schöner Zahlen und besonderer Daten wahrscheinlich gewünscht hatte.
Das Vermächtnis
Was ist geblieben von dem Menschen, von der außergewöhnlichen Persönlichkeit Herbert Falk? Zu großen Teilen sein unternehmerisches Lebenswerk in Form eines bis heute erfolgreichen mittelständischen Familienunternehmens, der Dr. Falk Pharma. Oder in Form der Falk Foundation, einer in der Gastroenterologie und Hepatologie einmaligen, international etablierten und geschätzten Plattform für Austausch und Vermittlung von medizinischem Wissen. Sicherlich sind es auch die von ihm gelebten Werte und sein Engagement für das Miteinander von Menschen aus vielen verschiedenen Ländern. Er motivierte und bot Räume für vielfältiges Wirken, gepaart mit der notwendigen Großzügigkeit und kulturellen Toleranz. Finanzieller Wohlstand für ihn persönlich, auch wenn er gerne gut und angenehm lebte, stand für Herbert Falk bei seinem Streben nicht im Vordergrund. Geld war für ihn Mittel zum Zweck, um die Ziele, die er hatte, in seinem Sinne verwirklichen zu können. Er war ein Macher, der mit viel Optimismus voranging, ohne sich dabei selbst zu überschätzen. Trotz seines Erfolgs und der zahlreichen Auszeichnungen, die er aus nah und fern erhielt, verlor er bis zuletzt nicht die Bodenhaftung. Mit der ihm eigenen Bescheidenheit antwortete er meist auf die gegen Ende seines Lebens häufig gestellte Frage nach den Ursachen seines persönlichen und wirtschaftlichen Erfolgs: „Ich habe viel Glück gehabt“. Zweifelsfrei hatte er dies in vielen Episoden seines erfüllten Lebens. Zweifelsfrei wusste er dieses Glück zu nutzen, nicht nur für sich persönlich, sondern auch für viele Menschen in seiner näheren wie auch weiteren Umgebung.