Ösophagus bis Dünndarm

Gastroenterology. 2022;162(4):1123–35

Clinical and endoscopic characteristics associated with post-endoscopy upper gastrointestinal cancers: A systematic review and meta-analysis

Alexandre L, Tsilegeridis-Legeris T, Lam S

Klinische und endoskopische Charakteristika im Zusammenhang mit Post-Endoskopie-Karzinomen des oberen Gastrointestinaltrakts: ein systematisches Review und Metaanalyse

Zehn Prozent der Patient*innen mit einem Karzinom des oberen Gastrointestinaltrakts hatten innerhalb von 3 Jahren vor der Diagnosestellung eine Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD). Diese werden als Post-Endoskopie-Karzinome des oberen Gastrointestinaltrakts (post-endoscopy upper gastrointestinal cancers, PEUGICs) bezeichnet. Ziel der Studie war es, Cha-rakteristika des PEUGIC zu ermitteln und diese mit erkannten Karzinomen (direkter Karzinomnachweis in einer ÖGD ohne vorangegangene Endoskopie) zu vergleichen. Es erfolgte eine zeitlich unbegrenzte Literatursuche in Medline und Embase nach Studien, die Charakteristika der PEUGICs und erkannter Karzinome des oberen Gastrointestinaltrakts verglichen, und über Ergebnisse bei der anfänglichen „karzinomnegativen“ Endoskopie berichteten. Die Ergebnisse wurden mithilfe einer Metaanalyse mit Random Effects dargestellt. Die Untersuchung wurde bei PROSPERO registriert. Insgesamt wurden 2696 Zitate gescreent und 25 Studien eingeschlossen, die 81.184 Karzinome des oberen Gastrointestinaltrakts umfassten. Davon wurden 7926 als PEUGIC eingestuft. Das mittlere Zeitintervall bei PEUGICs, die innerhalb von 6 bis 36 Monaten nach einer „karzinomnegativen“ ÖGD diagnostiziert wurden, betrug ungefähr 17 Monate. Bei Patient*innen mit PEUGIC traten mit geringerer Wahrscheinlichkeit Dysphagie (Odds-Ratio [OR] = 0,37) und Gewichtsverlust (OR = 0,58) und mit größerer Wahrscheinlichkeit gastroösophagealer Reflux (OR = 2,64) auf, als bei erkannten Karzinomen. PEUGICs traten häufiger bei Frauen in der westlichen Bevölkerung auf (OR = 1,30). PEUGICs waren bei der Diagnosestellung typischerweise kleiner und im Vergleich zu erkannten Karzinomen mit einem weniger fortgeschrittenen Krankheitsstadium assoziiert (OR = 2,87 für Stadium 1 vs. 2–4). Die meisten ÖGD (> 75%) vor der Diagnosestellung eines PEUGIC waren auffällig.

Es zeigt sich eine erhebliche Verzögerung bei der Diagnosestellung von Post-Endoskopie-Karzinomen des oberen Gastroin-testinaltrakts (PEUGICs). Sie weisen mit geringerer Wahrscheinlichkeit Alarmsymptome auf als erkannte Karzinome. PEUGICs sind bei der Diagnose insgesamt weniger weit fortgeschritten. Bei den meisten Patient*innen mit PEUGIC wurden in der vo-rangegangenen, „karzinomnegativen“ Endoskopie Auffälligkeiten berichtet. Die Epidemiologie der PEUGICs könnte zu präven-tiven Maßnahmen führen.

Dr. L. Alexandre, Norwich Medical School, University of East Anglia, Norwich, Großbritannien,
E-Mail: leo.alexandre@uea.ac.uk

DOI: 10.1053/j.gastro.2021.12.270

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