Leber und Gallenwege

J Hepatol. 2023;79(1):61–68

Risk of parenterally transmitted hepatitis following exposure to invasive procedures in Italy: SEIEVA surveillance 2000–2021

Caminada S, Mele A, Ferrigno L, Alfonsi V, Crateri S, Iantosca G, Sabato M, Tosti ME; SEIEVA Collaborating Group

Risiko einer parenteral übertragenen Hepatitis nach invasiven Eingriffen in Italien: SEIEVA-Surveillance 2000–2021

Chirurgische Eingriffe und invasive diagnostische/therapeutische Verfahren sind bekannte Übertragungswege der Virushepatitis. Ziel dieser Studie war es, anhand von Daten des italienischen Überwachungssystems für akute Virushepatitiden (SEIEVA) den Zusammenhang zwischen bestimmten Arten invasiver Eingriffe und dem Risiko akuter Hepatitis-B-Virus (HBV)- und Hepatitis-C-Virus (HCV)-Infektionen zu untersuchen. Es wurden Daten von SEIEVA (Zeitraum 2000–2021) verwendet. Der Zusammenhang zwischen einer akuten HBV- und HCV-Infektion und potenziellen Risikofaktoren, d. h. chirurgischen Eingriffen und diagnostischen/therapeutischen Verfahren (angegeben gemäß der ICD-9-CM-Klassifikation), wurde im Vergleich zu altersentsprechenden Hepatitis-A-Virus (HAV)-Fällen, die als Kontrollen dienten, mittels bedingter multipler logistischer Regressionsanalyse untersucht. Für die Hauptanalyse wurden insgesamt 8176 Fälle mit akuter HBV-, 2179 mit akuter HCV- und die entsprechenden altersangepassten Kontrollen mit akuter HAV-Infektion ausgewählt. Die meisten der untersuchten Verfahren waren mit dem Risiko einer HBV- oder HCV-Infektion verbunden. Die stärksten Assoziationen für eine HBV-Infektion waren: gynäkologische Chirurgie (Odds-Ratio [OR] = 5,19; 95% Konfidenzintervall [CI]: 1,12–24,05), HNO-Chirurgie (OR = 3,78; 95% CI: 1,76–8,09) und Herz-/Thoraxchirurgie (OR = 3,52; 95% CI: 1,34–9,23). Bei einer HCV-Infektion waren es: Neurochirurgie (OR = 11,88; 95% CI: 2,40–58,85), HNO-Chirurgie (OR = 11,54; 95% CI: 2,55–52,24) und Gefäßchirurgie (OR = 9,52; 95% CI: 3,25–27,87). Eine HCV-Infektion war auch stark mit augenchirurgischen Eingriffen assoziiert (OR = 8,32; 95% CI: 2,24–30,92). Biopsien und/oder endoskopische Verfahren waren sowohl mit einer HCV- (OR = 3,84; 95% CI: 2,47–5,95) als auch, in geringerem Maße, mit einer HBV-Infektion (OR = 1,48; 95% CI: 1,16–1,90) signifikant assoziiert.

Trotz der in den letzten Jahren erzielten Fortschritte stellen invasive Eingriffe immer noch einen erheblichen Risikofaktor für die Ansteckung mit parenteral übertragenen Hepatitisviren dar, was die nach wie vor zahlreichen und unerwarteten Diagnosen bei der älteren Bevölkerung in Italien erklärt. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Einhaltung allgemeiner Vorsichtsmaßnahmen zur Kontrolle der iatrogenen Übertragung von Hepatitisviren.

M.E. Tosti, Istituto Superiore di Sanità, National Center for Global Health, Rom, Italien, E-Mail: mariaelena.tosti@iss.it

DOI: 10.1016/j.jhep.2023.03.002

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